Bad Wurzach - Nach dem Gedenkgottesdienst in der Schlosskapelle führte der Weg der Delegation aus Jersey und seiner Bad Wurzacher Gastgeber hinauf zum Friedhof, um an der Aussegnungshalle mit einer Kranzniederlegung und Gedichten der verstorbenen Internierten zu gedenken.
Nachdem die Entourage einigermaßen trockenen Hauptes die Aussegnungshalle erreicht hatte, informierte Bürgermeisterin Scherer die Gäste und Mitglieder des Bad Wurzacher Partnerschaftsvereines über den weiteren Ablauf, an ihrer Seite als Übersetzerin Gisela Rothenhäusler, eine der treibenden Kräfte der Partnerschaft seitens Bad Wurzachs.
Begleitet von einem Musikstück des Bläserquartetts verharrten die beiden Bürgermeister bei der Kranzniederlegung gemeinsam mit den Gästen in stillem Gedenken an die verstorbenen Internierten.
Lola Garvin, die als Baby im September 1942 gemeinsam mit ihren Eltern deportiert wurde, trug das Gedicht „Hope =Hoffnung“ von Moumita Alam aus Westbengalen vor, gab davor noch eine kleine Einführung zu Gedicht und derzeitigem Zustand der Welt.
„Unzählige Male ist betont worden, dass sich die Geschichte nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges nicht wiederholen darf. Aber unglücklicherweise versinkt unser Planet wieder im Chaos neuer und immer noch gefährlicherer Konflikte, die ständig überall auf der Welt aufbrechen.“ Bevor sie das Gedicht verlas, stellte sie noch eine Definition von Hoffnung vor, zitiert nach dem Psychologen David B. Feldman. Wirkliche Hoffnung finde nicht in einer Phantasiewelt statt, sondern in der realen Welt. „Hoffnung leugnet nicht, dass es Leiden und Schmerz gibt. Sie ist keine Illusion, sondern etwas, das Menschen hilft, durchzuhalten – Menschen, die ganz fest in der realen Welt verankert sind und die verstehen und auch akzeptieren können, dass das Leben schwierig, unfair und chaotisch ist, und für sich eine bessere Wirklichkeit zu schaffen. Hoffnung ist nichts Abstraktes, sie ist etwas sehr Konkretes.”
Judy King, Tochter eines der ehemaligen Internierten, verlas Friedensgedichte von zwei jungen Betroffenen aktueller Kriege: Hakim Karwan (21) aus Afganistan „If peace comes“ und Shahed Zeitoon (16) aus Syrien „I feel robbed of my Childhood by conflict“.
Karwan beschreibt darin die Kriegsmüdigkeit seines Landes, wie schön die Welt wieder werden würde, wenn Frieden Einkehren wird. Und wie jedes Kind Zugang zu Bildung erhalten wird. Zeitoon fragt am Ende des Gedichts, wer unter uns denn nicht den Frieden liebe und ihn in allen Ländern auf der Welt sehen möchte.
Nach dem St. Anthony Choral von Joseph Haydn ging es zu den Gräbern der in Wurzach verstorbenen Internierten, wo Scherer und Crowcroft sowie die ehemaligen Internierten bzw. ihre Angehörigen jeweils eine weiße Rose auf den Gräbern ablegten, ehe Reverend Sarah McClalland mit dem Segen die Gedenkfeier beendete.
Mit einem geselligen Abend mit dem Partnerschaftsverein im Pius-Scheel-Haus endete dieser erste offizielle Teil des Besuches der Jersey-Delegation.
Ansprachen zur Gedenkfeier
Ansprache Bürgermeisterin Alexandra Scherer
Bericht und Bilder Uli Gresser

