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Leutkirch/Region (Leserbrief) - Offener Brief der Bürgerinitiative Landschaftsschützer Oberschwaben/Allgäu e.V. an Herrn Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle, Leutkirch

 

Sehr geehrter Herr OB Henle,
laut Berichterstattung der „Schwäbischen Zeitung“ zur oben genannten Einwohner-versammlung, abgehalten am 11. Oktober in der Festhalle Leutkirch, wurde bei den von den Projektierern vorgelegten Visualisierungen kein Simulationsbild der Sichtbarkeit der Anlagen von Schloss Zeil aus gezeigt (Berichte „Lärm, Eiswurf und Flugsicherheit“ und „Was die Menschen wissen wollten“, SZ vom 13. 10. 2021).

Aus unserer Sicht stellt Schloss Zeil eines der bedeutendsten Kulturdenkmäler in unserem Raum dar. Schloss Zeil besitzt mit Sicherheit auch einen großen Stellenwert für den Fremdenverkehr, was sich an jedem Schönwettersonntag an den Besucherströmen auf der dortigen Aussichtsterrasse zeigt.

Es ist noch gar nicht so lange her, da zeigten Behördenvertreter noch Empathie für unsere Natur- und Kulturlandschaft: Im Jahre 2006 wollte ein Antragssteller sechs Windenergie-Anlagen (WEA) im Banwald, Ortsgemeinde Ellwangen, Gemeinde Rot a. d. Rot, Kreis Biberach, errichten. Der Antrag wurde vom Denkmalschutzamt abgelehnt. Begründung: Störung der Sichtachsen auf die Klosterareale von Ochsenhausen und Rot an der Rot. Außerdem sprach sich das Landratsamt Ravensburg wegen einer möglichen Beeinträchtigung des Europadiplom-Schutzgebietes Wurzacher Ried dagegen aus.

Die Entfernung vom Banwald zu diesen Klosterarealen dürfte wesentlich größer sein als die Entfernung der geplanten WEA-Standorte bei Leutkirch zu Schloss Zeil! Außerdem sind die jetzt geplanten Anlagen etwa andertmal so hoch und entsprechend mächtiger und deutlich besser sichtbar als die 2006 bei Ellwangen abgelehnten Anlagen.

 

Ihre Äußerung, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, dass wir uns, sollten wir die Energiewende nicht schaffen, über Waldspaziergänge (um Leutkirch) keine Gedanken mehr machen müssten und dass Sie Ihren Enkeln nicht erklären wollen, der ungestörte Blick von Schloss Zeil sei Ihnen wichtiger gewesen als die Energiewende voranzutreiben, befremdet. Sie haben sich damit die grüne Ideologie zu eigen gemacht und gegen Ihre Neutralitätspflicht verstoßen!

Damit bewegen Sie sich in „bester Gesellschaft. Auch die Herrn Haser MdL und Hauk, unser Forstminister, lassen sich von den „Naturschutzverbänden“ BUND und Nabu leiten, die den schnellen und umfassenden Ausbau der Windkraft und das Schleifen bisheriger oberbehördlicher und bürgerrechtlicher Hemmnisse und Einwendungsmöglichkeiten fordern. Die neueste Attacke auf das Mitwirken der Bürger an der Basis: Barbara Bosch, Kretschmanns neue Staatsrätin für Zivilgesellschaft, will auf lokaler Ebene keine Bürgerentscheide mehr gegen Windkraft zulassen! Das solle nur noch auf Landesebene per Volksentscheid möglich sein.

Vielleicht sollten Sie, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, bevor Sie Opfer einer raffinierten Propaganda werden, sich mit den beiden „Naturschutz“-Organisationen näher befassen. Die jetzige Landesvorsitzende des BUND, Frau Pilarsky-Grosch, war vor ihrem Wechsel zum BUND BW Präsidentin des Bundesverbandes Windenergie. Bedarf es da weiterer Erklärungen?

Ähnliche Verbindungen zur Windkraftindustrie bestehen auch beim Nabu. Das fiel sogar dem „Spiegel“ auf. Hier der Link dazu:
https://www.wattenrat.de/2020/02/14/krueger-nabu-praesident-und-krischer-mdb-b90-die-gruenen-windige-brueder-im-geiste/

In beiden Fällen, BUND und Nabu, wird den nichtinformierten Zuhörern eine Unabhängigkeit in der Sache suggeriert, die auf Grund der offenkundigen Verflechtungen nicht gegeben ist. Gehört es, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Henle, nicht zu Ihrer Aufklärungs- und Neutralitätspflicht und zu Ihrer Fürsorgepflicht gegenüber Ihren Gemeindebürgern, hier für Klarheit zu sorgen?

Auch das im Rahmen des „Energiedialogs“ auftretende Team Ewert ist einer näheren Betrachtung wert. Dieser „Dialog“ geht auf den ehemaligen Minister Untersteller zurück und wird aus Steuergeldern bezahlt. Seine Aufgabe ist es, die Zielvorgaben der Landesregierung möglichst geräuschlos umzusetzen und Widerstände mittels Überzeugungsarbeit zu brechen. Früher nannte man das Propaganda und Agitation. Hier geht die Landesregierung auf einem schmalen Grat. An den aktuellen Vorgängen in Österreich sieht man, dass dabei die Gefahr besteht, abzustürzen.

 

An Ihr Zitat, Herr Henle, bei der Einwohnerversammlung anknüpfend, hoffe ich, dass Ihre Enkel Ihnen dereinst nicht die Frage stellen: „Wie konntet Ihr den Schalmeienklängen dieser ,fahrenden Sänger‘ auf den Leim gehen und diese zuvor einmalige Kultur- und Naturlandschaft zur Industrielandschaft degradieren?“

 

Mit freundlichen Grüßen

(Hans-Joachim Schodlok)
1. Vorsitzender der BI Landschaftsschützer Oberschwaben/Allgäu e.V.

 

Brief als Anlage

 

 

 

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halloRV

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