DBSZ DBSZ BadWurzach 1200v01

Leutkirch - Die Weiterentwicklung der Leutkircher Innenstadt ist derzeit ein großes Thema. Am Montag, 18. September, wurde das Gutachten von der Fachfirma „Imakomm“, vertreten durch Matthias Prüller, im Gemeinderat vorgestellt. Die Sitzung fand in der vollbesetzten Festhalle statt. Unser Redaktionsmitglied Julian Aicher berichtet:

„Bitte nachbohren“, riet Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle den Ratsmitgliedern. Seine Verwaltung kündigte an, das Gutachten ab 19. September über ihre Internetseite öffentlich einsehbar zu machen. Es rät unter anderem: Prüfen und entscheiden, ob weniger Autos durch die südliche Marktstraße rollen sollten. Womöglich schon zeitweise ab Frühjahr 2024.

„Jetzt können wir das Gutachten öffentlich diskutieren“, sagte Stadtrat Waldemar Westermayer (CDU) am Montagabend. Er meinte damit eine Ausarbeitung, die Möglichkeiten für die Kernstadt Leutkirchs benennt. Beauftragt im November 2022 als Weiterentwicklung der "Innenstadtkonzeption von 2013/2014. Aktuell mit Arbeitstitel „Innenstad reloaded“. Jetzt abgefasst nach aktuellen Untersuchungen. Zu ihnen gehörten unter anderem mehrere Gesprächsrunden und hunderte ausgefüllter Fragebögen. Mit erweitertem Blickwinkel: Mehr Gäste dank „Center Parcs“. Damit beauftragt: „Imakomm" aus Aalen. Deren aktuelle Ergebnisse stellte ihr Gesellschafter Matthias Prüller vor.

„Wohlfühlinseln"
Prüller erkennt in der vergleichsweise kleinen Altstadt „kurze Wege“, aber „wenig Freiräume“. Genau solche müsse anbieten, wer wolle, dass sich die Leute länger in Leutkirchs Altstadt aufhalten. Und dann bestenfalls dort auch mehr Geld liegen lassen. Also „Aufenthaltsräume als Wohlfühlinseln“ – vor allem unter freiem Himmel. Immerhin sei von zwei Dritteln der Center Parcs-Gäste berichtet worden, Leutkirchs Innenstadt besucht zu haben.

„Nicht komplett als Fußgängerzone ausweisen“
Das könnte allerdings heißen: Mehr Platz für Gäste, weniger Fläche für Fahrzeuge - vor allem vierrädrige. Dennoch machte Prüller klar: „Den Gesamtbereich als Fußgängerzone können wir nicht empfehlen." Gelte es doch, auch die Erreichbarkeit der Geschäfte und anderer Ziele in der Altstadt zu sichern.

„Schritt für Schritt" schlug Gutachter Matthias Prüller vor, weniger Kraftfahrzeug-Verkehr in der südlichen Marktstraße anzustreben. Er sprach von „saisonal“ und „tagesweise“ Maßnahmen. Ziel müsse es ein, mehr Gastronomie in der Marktstraße zu ermöglichen. Damit nicht genug, empfahl der Gutachter etwa auch, mehr Wohnraum in der Kernstadt zu schaffen.

Nach Prüllers Erläuterungen zur Vorstellung des Gutachtens erklärte Oberbürgermeister Henle, die inhaltliche Auseinandersetzung damit „in einer der nächsten zwei bis drei Sitzungen" des Gemeinderats durchzuführen. Bis dahin wolle die Verwaltung Vorschläge für eine „Priorisierung" erarbeiten. Natürlich seien Fragen zum Gutachten erwünscht. „Bitte nachbohren“, empfahl der OB. Joachim Krimmer meinte zum Gutachten: „Es geht jetzt doch nicht nur gegen die Autos." Alfons Notz sagte: „Man kann uns nicht vorwerfen, dass wir das Thema nicht sehr gründlich vorbereitet angehen." Und Waldemar Westermayer meinte: „Jetzt können wir das Gutachten öffentlich diskutieren."

Fortschritte an mehreren Baustellen
Robert Müller vom Hochbauamt schilderte die aktuelle Bauplanung für die Kindertagesstätte Ströhlerweg. Müller: „Im März 2025 wären wir so weit, dass wir in Betrieb gehen können." Zum Jugendgemeinderat beschlossen die Stadtratsmitglieder, das Vertreterinnen oder Vertreter dieser jungen Runde an üblich öffentlichen Gemeinderatssitzungen teilnehmen können, wenn dort Themen auf der Tagesordnung stehen, die die junge Generation betreffen. Robert Rühfel vom Stadtbauamt berichtete von Fortschritten an der Verlegung der Fernwärmeleitung in den Bereichen Wangener Straße/Tautenhofer Straße – ähnlich Baugebiete Bahnhof. „Parallel dazu wird der Breitbandausbau besorgt“, sagte Rühfel.

Kommunale Wärmeplanung in der Pipeline
OB Henle teilte mit, bis „Anfang nächsten Jahres“ liege die "kommunale Wärmeplanung“ dem Regierungspräsidium Tübingen vor. Danach stehe das entsprechende Fernwärmekonzept für die Altstadt.

800 Fragebögen ausgewertet
Auf der Homepage der Stadt wird das Projekt wie folgt beschrieben; wir zitieren in Auszügen:

„Seit März wurden mehrere Umfragen durchgeführt und in Gesprächen und Workshops mit Innenstadtakteuren die aktuellen Themen und Herausforderungen erarbeitet.

Über mehrere Wochen gab es drei Befragungen, bei denen zum einen die Gewerbetreibenden der Innenstadt befragt wurden, zum anderen aber auch eine groß angelegte Bürger- und Kundenbefragung sowie eine Befragung von Touristen stattfand. Vor allem bei der Bürger- und Kundenbefragung konnte ein sehr hoher Rücklauf von fast 800 auswertbaren Fragebögen erzielt werden. Bei der Touristen- und Gästebefragung nahmen gut 150 Personen teil, womit das gesteckte Ziel ebenfalls deutlich übertroffen wurde.

Workshops mit Akteuren
Parallel zu den Umfragen wurden in mehreren Workshops mit Akteuren der Innenstadt, den so genannten ,Expertengesprächen', Themen herausgearbeitet, die aus Sicht der Experten wichtig sind und in die Konzeption einfließen sollen. So gab es Gesprächsrunden mit Einzelhändlern von großen und kleinen Einzelhandelsbetrieben, mit Gastronomen und mit Grundstücks- und Gebäudeeigentümern. Einen zusätzlichen Workshop gab es außerdem mit der Initiativgruppe ,autoarme Innenstadt'. In einer gemeinsamen Runde in größerem Rahmen wurden dann die bei der zuvor in den Kleingruppen erarbeiteten Themen weiter vertieft.

Der Gemeinderat wurde vor der Sitzungspause im Sommer über die Zwischenergebnisse der Untersuchung informiert. Nach der Sommerpause wurde das Konzept am 18. September öffentlich im Gemeinderat vorgestellt (siehe Bericht oben). Als nächster Schritt müssen nun durch das Gremium dann Maßnahmen, die aus Empfehlungen der Konzeption abgeleitet werden, zur Umsetzung beschlossen werden.“

 

 

--------------------------------------------------

halloRV

­