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Leutkirch (rei) - „Leutkircher Köpfe“ – das ist ein anspruchsvolles Spezialformat der von Bernd Dassel vor mehr als 20 Jahren gegründeten Gesprächsreihe „Talk im Bock“. Bei der Internetrecherche nach „Leutkircher Köpfen“ sind wir auf eine Reihe gleichen Namens gestoßen, die auf der Homepage der Stadt Leutkirch ein Schattendasein führt. Stadtarchivarin Nicola Siegloch hat unter dieser Rubrik Porträts historischer Persönlichkeiten versammelt, die einen engen Bezug zu Leutkirch haben. Mit Erlaubnis von Frau Siegloch hat die Bildschirmzeitung „Der Leutkircher“ eine Reihe aufgelegt und erinnert in diesen Tagen an acht bedeutsame Persönlichkeiten. Begonnen haben wir am 25. August mit einer Erinnerung an Ludwig Baumann. Es folgten Porträts von Dr. Hans Erich Blaich, Anna Katharina Sulzer-Neuffer, Anna Barbara Walch-Künkelin, Fritz Möhrlin und Ursula Haider. Heute: Wilhelm Gangloff.

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Wilhelm Gangloff (1790 – 1814)
Bild der Homepage der Stadt Leutkirch entnommen

Carl Wilhelm Gangloff wurde am 17. Mai 1790 in Leutkirch geboren. Sein Vater Carl Friedrich Gangloff war seit 1782 als Registrator bei der Reichsstadt Leutkirch beschäftigt. Carl Wilhelm verbrachte seine Kindheit in Leutkirch, hier besuchte er auch die evangelische Schule bis die Familie im Jahr 1800 zunächst nach Augsburg, dann nach Weinsberg und später nach Merklingen verzog. Schon früh zeigte sich bei Carl Wilhelm eine künstlerische Begabung, er zeichnete viel, vor allem Naturstudien. Über seinen Vetter, der in Tübingen studierte, lernte er Ludwig Uhland und Justinus Kerner kennen. Uhlands Begeisterung für alte deutsche und germanische Geschichte färbte auf ihn ab. Hier fand er die Motive für die jetzt entstehenden groß angelegten Zeichnungen. In seinem Elternhaus fand er wenig Verständnis für diese künstlerische Betätigung. Auf Wunsch des Vaters hatte er den Beruf des Schreibers erlernt und musste als Gehilfe in der Schreibstube seines Vaters ausharren.

Erst im Jahr 1813 gelang es ihm endlich, nachdem die Proben seiner selbsterlernten Kunst bei den Stuttgarter Kennern lebhaftes Aufsehen erregt hatten, in das Atelier des Bildhauers Johann Heinrich Dannecker zu kommen. Dannecker, der nicht nur Bildhauern, sondern auch Malern Gelegenheit zur ersten Ausbildung bot, nahm sich Gangloff’s an. Doch Gangloff begann schon bald unter Danneckers Lehrmethoden zu leiden. Er wollte nach der Natur zeichnen, aber Dannecker ließ ihn Gipsabdrücke antiker Statuen kopieren. Der Lehrer untersagte ihm sogar eigene Kompositionen zu zeichnen. Gangloff hielt dies nicht aus und gab den Unterricht bei Dannecker auf. Selbstvorwürfe und Zweifel quälten ihn und ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Krank kehrte Gangloff in sein Elternhaus nach Merklingen zurück und starb dort am 16. Mai 1814 kurz vor seinem 24. Geburtstag an einem Nervenfieber.

Sein künstlerischer Nachlass rechtfertigt laut seinem Biographen Wintterlin „vollkommen die hohe Meinung seiner Zeitgenossen, welche einen Kunstgenius ersten Ranges in ihm begrüßt hatten und, wie Uhland und Kerner, seinen frühen Hingang in rührenden Totenklagen besangen“. Zwei seiner Zeichnungen „Kriemhild und Hagen an der Leiche Siegfrieds“ von 1812 und „Die Hermannschlacht“ von 1813 befinden sich im Besitz der Stadt Leutkirch und werden im Stadtarchiv aufbewahrt.
Nicola Siegloch

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