Leutkirch (rei) - „Leutkircher Köpfe“ – das ist ein anspruchsvolles Spezialformat der von Bernd Dassel vor mehr als 20 Jahren gegründeten Gesprächsreihe „Talk im Bock“. Bei der Internetrecherche nach „Leutkircher Köpfen“ sind wir auf eine Reihe gleichen Namens gestoßen, die auf der Homepage der Stadt Leutkirch ein Schattendasein führt. Stadtarchivarin Nicola Siegloch hat unter dieser Rubrik Porträts historischer Persönlichkeiten versammelt, die einen engen Bezug zu Leutkirch haben. Mit Erlaubnis von Frau Siegloch hat die Bildschirmzeitung „Der Leutkircher“ eine Reihe aufgelegt und erinnert in den nächsten Tagen an acht bedeutsame Persönlichkeiten. Begonnen haben wir am 25. August mit einer Erinnerung an Ludwig Baumann. Es folgten Porträts von Dr. Hans Erich Blaich, Anna Katharina Sulzer-Neuffer, Anna Barbara Walch-Künkelin und Fritz Möhrlin. Heute: Ursula Haider.
Ursula Haider (ca. 1413 – 1498)
Bild der Homepage der Stadt Leutkirch entnommen
Ursula Haider wurde um 1413 in Leutkirch geboren. Nach ihrer Lebensbeschreibung, die in der Chronik des Bickenklosters zu Villingen enthalten ist, sollen ihre Eltern Bürger von Leutkirch gewesen sein. Schon als kleines Kind verlor sie ihre Eltern und wurde von ihrem Onkel, dem Priester Johannes Bär, als Neunjährige ins Kloster Reute bei Waldsee gebracht. Mit 18 Jahren trat Ursula in das Kloster Valduna bei Feldkirch ein. Dort wurde sie 1457 im Alter von 44 Jahren zur Äbtissin gewählt.
1480 wurde sie zusammen mit einigen Valduner Klosterfrauen als Äbtissin nach Villingen berufen zur Reform des dortigen Bickenklosters St. Clara. Ursula Haider erneuerte das Klarissenkloster im Geiste des hl. Franz von Assisi und der hl. Klara und baute es aus, räumlich und personell. Am 20. Januar 1498 starb Ursula Haider in Villingen. Dort gilt sie immer noch als Schutzpatronin der Stadt. Sie soll durch ihre Gebete ein schweres Unwetter von der Stadt abgewendet haben, die Legende erzählt, dass die Gebete erhört wurden und der Äbtissin die Mutter Gottes erschienen sei.
In Leutkirch erinnert eine Gedenktafel am Stammhaus der Familie Haider, Marktstr. 8, an sie.
Nicola Siegloch
Literatur
Kiefer, Karl: Die Familie Haider (Hayder, Heider, Heyder) von Heider und von Heyder. Teil I und Teil II. Frankfurt 1911.
Rech, Hildegard: Äbtissin Ursula Haider *1413 - +1498. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte von Villingen. Villingen 1937

