Leutkirch (rei) - „Leutkircher Köpfe“ – das ist ein anspruchsvolles Spezialformat der von Bernd Dassel vor mehr als 20 Jahren gegründeten Gesprächsreihe „Talk im Bock“. Bei der Internetrecherche nach „Leutkircher Köpfen“ sind wir auf eine Reihe gleichen Namens gestoßen, die auf der Homepage der Stadt Leutkirch ein Schattendasein führt. Stadtarchivarin Nicola Siegloch hat unter dieser Rubrik Porträts historischer Persönlichkeiten versammelt, die einen engen Bezug zu Leutkirch haben. Mit Erlaubnis von Frau Siegloch hat die Bildschirmzeitung „Der Leutkircher“ eine Reihe aufgelegt und erinnert in den nächsten Tagen an acht bedeutsame Persönlichkeiten. Begonnen haben wir am 25. August mit einer Erinnerung an Ludwig Baumann. Es folgten Porträts von Dr. Hans Erich Blaich, Anna Katharina Sulzer-Neuffer und Anna Barbara Walch-Künkelin. Heute: Fritz Möhrlin
Fritz Möhrlin (1837 – 1892)
Bild der Homepage der Stadt Leutkirch entnommen
Fritz Möhrlin wurde am 21. Juni 1837 als Sohn des Samuel Möhrlin in Leutkirch geboren. Der Vater führte einen der ersten Gasthöfe der Stadt, das „Kreuz“, mit dem die Posthalterei und ein landwirtschaftlicher Betrieb verbunden waren. Der Gasthof „Kreuz“ mit der Posthalterei befand sich in der heutigen Marktstraße 19 und 21. Die Gebäude Nr. 19 und 21 waren bis zum Brand 1842 ein Gebäude, danach zwei Gebäude (1844/45 neu erbaut).
Möhrlin besuchte zunächst die Realschule in Esslingen, dann die Ackerbauschule in Ochsenhausen und anschließend die landwirtschaftliche Akademie Hohenheim. Danach wurde Möhrlin Lehrer an der Großherzoglichen Gartenbauschule in Karlsruhe. Um seine Kenntnisse in der Praxis zu erproben, übernahm er die Verwaltung eines herrschaftlichen Gutes bei Frankfurt am Main. 1866 kehrte er nach Leutkirch zurück und übernahm den väterlichen Betrieb.
1875 gab er wohl aus gesundheitlichen Gründen seinen landwirtschaftlichen Betrieb auf und widmete sich ganz der Schriftstellerei. Schon 1869 war ein Kalender mit dem Titel „Der schwäbische Bauernfreund“ erschienen. Ab 1878 war Möhrlin ständiger Mitarbeiter des „Württembergischen Wochenblattes für die Landwirtschaft“. Möhrlin wollte den Bauern nicht nur beruflich weiterhelfen, sondern auch ihr Selbstbewusstsein heben und ihnen die Schönheit ihres Berufes nahebringen. Als Fritz Möhrlin am 16. Juli 1892 in Leutkirch starb, hieß es in seinem Nachruf: „Der Verstorbene war durch seine schriftstellerischen Arbeiten, namentlich durch den „Bauernkalender“, „Landmanns Feierabende“ und durch seine volkstümlich und belehrend geschriebenen Aufsätze im Wochenblatt für Landwirtschaft in weiten Kreisen bekannt“.
Nicola Siegloch
Literatur
Nicola Siegloch: Fritz Möhrlins Ratschläge für die Bauern: "wenn der Mann gerechnet hätte, wäre es nicht so weit gekommen". In: Schwabenspiegel, Literatur vom Neckar bis zum Bodensee 1800-1950. Band 2.1: Aufsätze, S. 611-614, Biberach 2006.
Dr. Max Flad: Fritz Möhrlin. Landwirt, Genossenschaftler und Schriftsteller (1837-1892). In: In und um Leutkirch. Bilder aus zwölf Jahrhunderten. Hrsg. von der Stadt Leutkirch im Allgäu. Leutkirch 1992. S. 321-329.
K. Schmidt-Buhl, Schwäbische Volksmänner. 17 Lebensbilder. Vaihingen a. E. 1908, S. 90-95.
Emil Vogler, Fritz Möhrlin, ein Förderer der Landwirtschaft. In: Schwäbische Zeitung, Ausgabe Leutkirch, vom 27.08.1958

