Leutkirch (rei) - „Leutkircher Köpfe“ – das ist ein anspruchsvolles Spezialformat der von Bernd Dassel vor mehr als 20 Jahren gegründeten Gesprächsreihe „Talk im Bock“. Bei der Internetrecherche nach „Leutkircher Köpfen“ sind wir auf eine Reihe gleichen Namens gestoßen, die auf der Homepage der Stadt Leutkirch ein Schattendasein führt. Stadtarchivarin Nicola Siegloch hat unter dieser Rubrik Porträts historischer Persönlichkeiten versammelt, die einen engen Bezug zu Leutkirch haben. Mit Erlaubnis von Frau Siegloch legt die Bildschirmzeitung „Der Leutkircher“ eine Reihe auf und erinnert in den nächsten Tagen an acht bedeutsame Persönlichkeiten. Wir beginnen mit Ludwig Baumann, dem Geschichtsschreiber des Allgäus:
Baumann, Franz Ludwig (1846 – 1915)

Franz Ludwig Baumann wurde am 8. Juni 1846 in Leutkirch geboren. An seinem Geburtshaus, Memminger Straße 19, erinnert eine Gedenktafel an den „Geschichtsschreiber des Allgäus“. Baumann verbrachte wohl nur kurze Zeit in seinem Geburtsort Leutkirch, aber die Tatsache, im Allgäu geboren zu sein, veranlasste ihn später dazu, sich mit der Geschichte der Region zu befassen.
Die Familie wechselte häufig den Wohnort, ab 1860 lebte sie in Kleinweiler. Von 1861 bis 1866 besuchte Franz Ludwig Baumann daher das Gymnasium in Kempten, anschließend studierte er Geschichte, Philosophie und Rechtsgeschichte in München. 1871 promovierte er über „Die oberschwäbischen Bauern im März 1525 und die zwölf Artikel“. Zunächst Hilfskraft bei der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München, wechselte Baumann 1872 an das Fürstenbergische Hauptarchiv in Donaueschingen. Vom Registrator über den Archivar stieg er 1883 zum Vorstand auf und wurde 1891 Archivrat mit Leitung der Fürstlichen Sammlungen. 1895 wurde er als Assessor an das Allgemeine Königlich-Bayerische Reichsarchiv München berufen und 1896 zum Reichsarchivrat befördert, 1903 wurde er zum Reichsarchivdirektor ernannt. 1908 persönlich geadelt, erhielt Baumann 1912 Titel und Rang eines Königlich-Bayerischen Geheimen Rates. Am 2. Oktober 1915 starb Franz Ludwig Baumann während eines Kuraufenthaltes in Adelholzen.
Sein bedeutendstes Werk ist die zum „Klassiker“ gewordene dreibändige Geschichte des Allgäus. Sie gilt bis heute als Standardwerk.
Nicola Siegloch
Literatur
Böck, Franz-Rasso: Der „Geschichtsschreiber des Allgäus“. Leben und Werke von Dr. Franz Ludwig Baumann zum 150. Geburtstag. In: Das schöne Allgäu 59 (1996) 6. S. 30-32.
Mössle, Wilhelm: Dr. Franz Ludwig von Baumann und der bayerische Kulturkampf: Zum 60. Todestag des „Geschichtsschreibers des Allgäus“. In: Allgäuer Geschichtsfreund 75 (1975) S. 5-20.
Rottenkolber, Josef: Franz Ludwig Baumann, der Geschichtsschreiber des Allgäus: Bekanntes und Unbekanntes aus seinem Nachlass. In: Allgäuer Geschichtsfreund 36 (1934). S. 110-126.
Folge 2 unserer Serie befasst sich mit Dr. Hans Blaich (alias Dr. Owlglass alias Ratatöskr), dem langjährigen Chefredakteur des „Simplicissimus“. Sie erscheint am 25. August.

Die Baumannstraße in Leutkirch ist eine Parallelstraße zur Wilhlmstraße und zur Rudolf-Roth-Straße.

Gedenktafel am Haus Marktstraße 19.

