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Leutkirch - „Jetzt ist die Zeit“ – so lautete die Losung des 38. Evangelischen Kirchentags in Nürnberg aus dem Markus-Evangelium (1, 15). Und Zeit dafür nahm sich in diesem Jahr auch eine Gruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Leutkirch, die das Christentreffen besuchte.

Vom Auftaktgottesdienst mit dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bis zum Abschluss am Sonntagmorgen auf dem Hauptmarkt stellten sich die Teilnehmenden aus den über 2000 verschiedenen Veranstaltungen in Nürnberg und der Partnerstadt Fürth ihr persönliches Programm zusammen.

Zum Start in den Tag gab es wie immer eine Vielzahl an Bibelarbeiten, mit versierten Theologen, aber auch mit Politikern wie etwa Friedrich Merz (CDU) oder den Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), Winfried Kretschmann (Die Grünen) und Manuela Schwesig (SPD). Dabei zeigten sie sich teilweise von einer sehr persönlichen Seite. Ein Höhepunkt: Bibelarbeiter Steinmeier füllte mit seiner Auslegung der Hochzeit von Kana aus dem Johannesevangelium mühelos die Frankenhalle mit ihren 5000 Plätzen. Seine Interpretation des Weinwunders mündete in einem Plädoyer für Demokratie, Gemeinschaft und Lebensfreude, Hoffnung und Zuversicht, die das Land in diesen Zeiten dringend brauche.

Dieser Kirchentag wurde zum einem begeistert gefeiert, weil nach der Pandemie endlich wieder das große Treffen möglich wurde. Zum anderen aber war er so politisch, wie seit Jahren nicht mehr: Klimawandel, Bedrohung der Demokratie, Asylpolitik und der Krieg in der Ukraine standen bei vielen Veranstaltungen im Mittelpunkt und wurden teilweise auch kontrovers diskutiert. So sparte Bundes-wirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) nicht mit Vorwürfen gegenüber Klimaaktivistin Carla Hinrichs. Die Klebeaktionen seien unspezifisch, träfen irgendwie alle und damit in Wahrheit niemanden und machten die Menschen nur zornig. Damit würden Mehrheiten für den Klimaschutz eher verhindert. Ausgerechnet an diesem Tag hatten sich Mitglieder der „Letzten Generation“ vor dem Nürnberger festgeklebt und mussten mit dem Presslufthammer losgemacht werden.

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz und Außenministerin Annalena Baerbock ließen es sich nicht nehmen, auf den Podien Platz zu nehmen und Stellung zu beziehen. Selbst wenn sie keine Kirchenmitglieder mehr sind, wie etwa der Bundeskanzler. Selbst wenn ihnen Gegenwind entgegenschlug. So musste Scholz in der Fran-kenhalle seine Stimme deutlich verstärken, um sich Gehör gegen die lauten Rufe aus den Reihen zu verschaffen, die Verhandlungen mit Russland forderten.

Bunt, vielfältig, kritisch und christlich-versöhnlich – so ist Kirchentag, so wird er geschätzt. Die Leutkircher jedenfalls freuen sich schon auf das nächste Treffen 2025 in Hannover.
Text: Barbara Waldvogel

 

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