Ravensburg – „Ich kann nicht klagen!“ So wie Harry Gehrmann sehen es viele der Ausstellerinnen und Aussteller auf der 53. Oberschwabenschau, die am Samstag begonnen hat.
Bei ruhigem Herbstwetter kamen tausende Gäste aufs Messegelände bei der Oberschwabenhalle. Bei der Eröffnung am Samstag haben Cem Özdemir, der Bundeslandwirtschaftsminister, und Ravensburgs Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp gesprochen. Beiden ging es darum, wie man in der Stadt und auf dem Land mit der Klimakatastrophe umgeht.
Übermorgen, am Mittwoch, beginnt auch die zweite Messe: die Agraria Oberschwaben, Fachmesse für Agrar und Forst. „Der Zuspruch ist sehr, sehr groß“, berichtet Gabriel Frittrang, der in Halle 12 der Oberschwabenschau steht, am Stand von Solmotion, wo Photovoltaik-Module ausgestellt sind. „Die erste Frage ist fast immer: Wie schnell kann man‘s umsetzen?“
Die Interessierten bekommen von ihm eine ehrliche Antwort, die aber niemand gern hört: „Ein Jahr dauert es zur Zeit in etwa. Weil irgendwas immer fehlt. Die PV-Module sind da, aber dann mangelt es an Klemmen oder Kabelbäumen, die ganzen Lieferketten sind gestört.“
Photovoltaik gefragt
Bei Solmotion sind „toujours Menschen am Stand“, sagt Frittrang, „wirklich den ganzen Tag“. Auch Aussteller Harry Gehrmann ist mit dem ersten Wochenende zufrieden. Er verkauft Reinigungstücher, „im 16. Jahr und immer an genau demselben Platz auf der Messe“. Die Stammkunden kamen nun serienweise, nach zwei Jahren Messepause. Viele haben zwischendurch online bei ihm bestellt, aber jetzt trifft man sich lieber wieder live, um Fragen zu stellen und die neuen Modelle vorgeführt zu bekommen. Gehrmann geht seit 32 Jahren auf Messen und lässt gerade eine Messe in seiner Heimatstadt Hannover sausen, weil er lieber nach Ravensburg wollte. „Ravensburg war immer eine Bank“, sagt er, „und es läuft wieder gut an.“
Engagierte Aussteller
Viele Aussteller haben sich für den Neustart der Oberschwabenschau engagiert. Michael Kant, Verkaufsleiter Oberschwaben bei Endress, ist mit gleich vielen Leuten wie zuvor präsent, auf einer etwas größeren Fläche. Er hat als Neuheit Elektrofahrzeuge eines dänischen Herstellers am Stand. Einen Eispalast hat Alfiero Conte für die neun Tage auf dem Messegelände errichtet – große Glasfronten, drinnen mit italienischer Deko samt Vespa, draußen Sonnenschirme und Liegestühle. 18 Sorten Eis stehen zur Wahl. Einen Innenarchitekten braucht der Unternehmer vom Bodensee nicht, sein Messestand ist zugleich Aushängeschild: Von Gelati Conte kann man sich auch ganze Eisdielen ausstatten lassen. Die Gestaltung macht der Chef immer persönlich.
Als Familienbetrieb präsent
Wenige Meter weiter steht Stephan Vogt hinterm Tresen von Vogts Biergarten. „Das Wetter passt, wir sind zuversichtlich!“ sagt er. Auch seinen Biergarten mit rund 250 Plätzen gibt es zum ersten Mal auf der Oberschwabenschau. Für Stephan Vogt ist es dennoch ein Heimspiel: Bereits sein Opa hat gebrannte Mandeln auf der Messe verkauft, er selbst war als Kind immer mit dabei, nun sind seine Kinder mit auf der Messe. Der Betreiber des Lammgartens am Seeufer in Friedrichshafen ist als Gastronom auch auf etlichen Weihnachtsmärkten, nun kam die Messe hinzu. „Die Oberschwabenschau steht bei uns ja sowieso fest im Jahreskalender.“
Politik will vorbeugen
Bei der Messe-Eröffnung am Samstagmorgen war die Halle 9 gut voll. Politisch war Richtungsweisendes zu hören: Oberbürgermeister Daniel Rapp will vorbeugen für die Klimakatastrophe, für Hochwasser, Starkregen und Hitze. „Das ist ein Thema, bei dem wir noch vor die Welle kommen können.“ Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir sah es ähnlich: „Es geht nicht mehr darum, ob der Klimawandel kommt, wir sind bereits mittendrin. Besser jetzt was tun als später Scherben zusammenkehren.“
Die Arbeit in der Landwirtschaft „hat einen Wert, den man in Zahlen gar nicht messen kann“, betonte er und wandte sich an die Bäuerinnen und Bauern: „Sie sorgen dafür, dass wir großartig essen – danke dafür!“ Er appellierte an die Verbraucher, die Landwirtschaft zu unterstützen, durch das eigene Verhalten beim Einkauf und auch durch mehr Verständnis: „Nutzen Sie die Messe als Chance, ins Gespräch zu kommen! Schwätzedse mit de Leut!“
Agraria ab Mittwoch
Auf dem Messegelände laufen in diesen Stunden die Vorbereitungen für die zweite Messe auf Hochtouren: Am Mittwoch öffnet die Agraria Oberschwaben und wird dann bis Sonntag geöffnet sein. Die rund 100 Aussteller statten derzeit auf dem südlichen Teil des Freigeländes und in der Oberschwabenhalle ihre Messestände aus. Alle, die sich für Agrar- und Forstthemen interessieren, werden dort ab Mittwoch ihre Themen und Produkte gebündelt und kompakt finden. Eine Fachbühne mit Vorträgen und Podien soll dafür sorgen, dass die Fachbesucher noch mehr haben von ihrer Fahrt nach Ravensburg.
ACHTUNG: Zwei Messen, zwei Termine
2022 gibt‘s nicht nur die traditionsreiche Oberschwabenschau, sondern zwei Messen: das neue Messe-Doppel aus Oberschwabenschau und Agraria Oberschwaben. Die beiden Messen gehören zusammen, sind auf demselben Gelände. Aber sie dauern nicht gleich lang: Die Oberschwabenschau startet am 15. Oktober, die Agraria öffnet am Mittwoch, 19. Oktober. Beide enden am 23. Oktober. Das Ticket ist dasselbe –man bezahlt nur einmal Eintritt. Wer vor Start der Agraria zur Oberschwabenschau kommt, erhält auf Wunsch ein Armband. Mit diesem Band kann man nach dem Start der Agraria beide Messen erneut besuchen und hat freien Eintritt.
Infos zur Oberschwabenschau 2022
Die Oberschwabenschau 2022 in Ravensburg dauert von 15. bis 23. Oktober. Die Messe hat täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Eintritt: Erwachsene 11 Euro, ermäßigt 10 Euro (für Rentner, Schüler, Studierende, Jugendliche 15-18 Jahre, behinderte Menschen sowie Gruppen ab 10 Personen). Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 14 Jahren: 4 Euro. Kinder unter 6 Jahren: freier Eintritt. Familienkarten: ein Erwachsener mit Kindern (6-14 Jahre): 13 Euro; zwei Erwachsene mit Kindern (6-14 Jahre): 25 Euro. Messe-Tickets gibt’s online auf www.oberschwabenschau.de.
Presseinformation Ravensburger Veranstaltungs-gesellschaft mbH Bild Felix Kästle

