Kisslegg - Am 14. Dezember hat Philipp Scheitenberger ein dickes Päckchen in den Briefkasten des Kisslegger Rathauses gesteckt. Mehr als 600 Unterschriften waren in dem Konvolut aufgeführt. Die Unterschriften stammen von Bürgern und Bürgerinnen, die für den Erhalt des Kißlegger „Adlers“ eintreten.

„Es ist der bürgerliche Kern von Kißlegg, der unterschrieben hat“, betont Philipp Scheitenberger im Gespräch mit der Bildschirmzeitung – ohne Namen zu nennen. „Datenschutz“, sagt der pflichtbewusste Unterschriftensammler zum neugierigen Reporter der Bildschirmzeitung „Der Kisslegger“. Nur so viel lässt er sich entlocken: Zwei Drittel der Unterschreibenden sind Gemeindebürger, ein Drittel der Unterschriften stammt von auswärts. Wobei in aller Regel ein Kisslegg-Bezug gegeben ist.

Kuverts für die Fraktionen
Am Abend des 14. Dezembers ist Gemeinderatssitzung: Philipp Scheitenberger steht vor der Mensa des Schulkomplexes, wo die Sitzung stattfindet. Er hat sich mit Josef Kunz abgesprochen. Der Gemeinderat von der SPD-Fraktion kommt kurz vor 17.00 Uhr aus der Tür und schmunzelt: „Ich bin der Bote.“ Scheitenberger hatte ihn gebeten, Kuverts mit Kopien der Unterschriften an die Vorsitzenden der drei anderen Kisslegger Gemeinderatsfraktionen zu überbringen (Christoph Dürr, CDU; Detlev Radke, Freie Wähler; Dr. Andreas Kolb, GOL/ELK).

Einige Tage zuvor hatte Markus Veser, auch er ein Kämpfer für den Erhalt des „Adlers“, bei einer Tagung im Alten Schloss 429 Unterschriften aus einer Online-Petition an Bürgermeister Dieter Krattenmacher übergeben. Bei Philipp Scheitenberger haben 643 Personen unterschrieben. Da es sein kann, dass Petenten in einzelnen Fällen da und dort unterschrieben haben, kann man die Zahlen nicht addieren; doch ist von etwa 1000 Unterschriften in der Summe auszugehen.

01Unters chriftenübergabe

Philipp Scheitenberger übergibt die Kuverts an Gemeinderat Josef Kunz (in der Mitte Scheitenbergers Mitstreiter Uwe Gorzalka).         Foto: Gerhard Reischmann

Was treibt Philipp Scheitenberger und Markus Veser um, warum verkämpfen sie und weitere Engagierte wie Henry Linder und Thomas Weiland sich so für den Kisslegger „Adler“? Warum hängen sie Banner im „Flecken“ auf mit dem eingängigen Slogan „Kisslegg hängt am Adler“. Was ist so besonders an dem alten Gebäude an der Ecke Herrenstraße / Fürst-Maximilian-Straße, dass sich sogar ein Mann aus Chemnitz gemeldet hat, der im Krieg als kinderlandverschickter Bub einige Zeit in Kißlegg gelebt hatte.

02Banner Gestaltung Henriy Linder

Banner, gestaltet von Henry Linder.

Wenn Philipp Scheitenberger von alten Gebäuden erzählt, dann ersteht vor dem geistigen Auge des Zuhörers das Leben unserer Altvorderen, dann sieht man Fieranten, Kirchgänger, Bierkutscher.

Mit Antoni Fraßt begann es
Scheitenbergers Geschichte vom „Adler“, sorgfältig belegt und nachlesbar auf seiner Homepage (www.hausmenschumwelt.wordpress.com), geht so:

Der Schellenbergische Wirt, Brauer und Amtmann Antoni Fraßt war zu Beginn des 18. Jahrhunderts die prägende Gestalt auf dem „Schwarzen Adler“. Im Jahr 1700 hatte er den Gasthof von seiner Mutter Margreth Fuchsschwanz geerbt. Der Gasthof hatte da gestanden, wo heute die Gallus-Apotheke ihren Platz hat.

1701, gerade mal ein Jahr nach der Übernahme des „Schwarzen Adlers“, bekam Antoni Fraßt von den beiden Kißlegger Herrschaften (den Grafen zu Friedberg-Trauchburg und den Freiherren zu Schellenberg) die alleinige Braugerechtigkeit für den ganzen Ort zugesprochen. Die Wirte der übrigen Kißlegger Gasthäuser wurden verpflichtet, bei Antoni Fraßt das Bier zu kaufen, das sie in ihren Wirtsstuben ausschenken wollten.

Ausgestattet mit diesem Monopol, beauftragte Antoni Fraßt 1702 den Bregenzer Baumeister Leonhard Albrecht mit der Entwurfsplanung eines Gasthausneubaus. Die Pläne sind heute noch vorhanden, verwahrt im Fürstlich-Wolfegg’schen Archiv; sie zeigen ein repräsentatives Fachwerkgebäude mit gemauertem Sockelgeschoss am alten Standort (also auf dem Platz der Gallus-Apotheke).

In einer Häuserliste aus dem Jahr 1700 wird das alte „Gasthaus zum Schwarzen Adler“ als „[…] bawfällig Hauß […]“ beschrieben. Es verwundert somit kaum, das Antoni Fraßt mit dem Antritt seines Erbes als Wirt und der Verleihung der alleinigen Braugerechtigkeit in Kißlegg einen Gasthausneubau anstrebte, der ihm vor allem auch genug Platz zum Brauen bieten konnte. Es gibt starke Indizien, dass der Neubau am alten Platz rasch realisiert wurde.

Katastrophal: der Ortsbrand von 1704
Doch dann: Truppen werden in Kisslegg einquartiert, der Spanische Erbfolgekrieg greift anno 1704 nach dem Allgäu-Flecken. Im Zuge der Einquartierung kommt es zu einem katastrophalen Ortsbrand, das neu erbaute Gasthaus wird am 23. April 1704 ein Raub der Flammen.

Glück im Unglück: Antoni Fraßt kann noch den Großteil seines Besitzes aus dem Haus herausschaffen, was ihm die finanzielle Kraft belässt, einen erneuten Bau zu wagen – diesmal auf der Straßenseite gegenüber, am heutigen Standort also. „Ausschlaggebend für diesen Wechsel der Hofstelle innerhalb des Ortes waren wohl die (dort; Einfügung d. Red.) trotz des Brandes gut erhaltenen Gewölbekeller des Amtshauses, die nach Antoni Fraßts Aussage „[…] bequemblich zum bier breüen […]“ gewesen sein müssen", schreibt Philipp Scheitenberger auf seiner Homepage. In den Jahren 1704 / 1705 erbaut Antoni Fraßt dann auf jenem Keller das bis heute erhaltene „Gasthaus zum Schwarzen Adler“ – ganz offensichtlich in detaillierter Anlehnung an die zwei Jahre zuvor angefertigten Entwurfspläne des Bregenzer Baumeisters Leonhard Albrecht – nur spiegelbildlich: Aus der östlichen Traufseite des Baus von 1702 wurde die westliche Traufseite, die heute noch an der Fürst-Maximilian-Straße vorhanden ist – das Fachwerk von 1704 des Bregenzer Baumeisters ist aber verborgen hinter einer Verblendung aus Araukarienbrettern, die in den 1960er-Jahren angebracht wurde.

„Eine Zierde der Handwerkskunst“
Hier liegt des Pudels Kern. Hier beginnt der Streit. Was steckt hinter den Brettern?
Philipp Scheitenberger, ein Experte für historische Bauten, und seine Mitstreiter werden nicht müde, den historischen Wert des Kißlegger „Adlers“, auch im Hinblick auf das gesamte Ensemble in der Kißlegger Mitte, zu betonen. Der „Adler“ sei eine Ikone des Gasthausbaus und der Gasthausbewirtschaftung des 18. Jahrhunderts im Landkreis Ravensburg, sagt Scheitenberger und geht im Gespräch mit der Bildschirmzeitung das Gebäude vom Gewölbekeller – stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts – bis zum Dachstuhl durch. Den kennt er nur aus den Akten; ein hiesiger Zimmermann habe den Dachstuhl von 1704 aber als „Zierde der Handwerkskunst“ bezeichnet.

Kritik am Gutachten
Bauforscher Philipp Scheitenberger hält den Verfassern des amtlichen Auslistungsgutachtens vor, bei der Analyse des Gebäudes nicht genug in die Tiefe gegangen zu sein; insbesondere fordert er eine flächendeckende Beprobung von außen.

Der Wochenblatt-Artikel vom 19. April 2022
Am 19. April dieses Jahres machte Nicole Razavi, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, auf Einladung ihres Parteifreundes Raimund Haser (CDU) eine Kreisbereisung mit Stationen in Bad Waldsee, Wangen und Kißlegg. Noch am selben Tag veröffentlichte die Online-Zeitung „Wochenblatt“ einen Bericht über den Besuch der Ministerin, die sich in Kißlegg auch mit dem „Adler“ befasste, an dessen Stelle Werner Brigel, der Eigentümer, einen Neubau mit Tiefgarage und eine Tagespflege-Einrichtung sowie Wohnungen für Betreutes Wohnen errichten wollte – so der Planungsstand im April 2022. Es soll dort auch eine Sozialstation einziehen. Zum bestehenden „Adler“-Gebäude heißt es im Wochenblatt-Bericht vom 19. April: „Gut, dass sich ein Problem sozusagen von selbst gelöst hat, weil die Optik täuscht. Insbesondere die Fassade, die nach einem sensationellen Fachwerk aussieht, würde man heutzutage wohl als Fake bezeichnen.“ Die Ministerin wird in jenem Artikel mit den Worten zitiert, sie freue sich sehr über das Vorhaben der Gemeinde und des Investors. Der Artikel, der in der Autorenzeile das Wort „Redaktion“ nennt, stammt als Pressemitteilung aus dem Büro des Abgeordneten Haser, was am Ende des Textes auch angegeben ist.

Bei jenem Besuch der Ministerin hat Bürgermeister Dieter Krattenmacher laut Philipp Scheitenberger auch von der „Auslistung“ des „Adlers“ berichtet, der Streichung des „Adlers“ aus der Denkmalliste also.

Der Brief vom 24. April 2022
Unmittelbar nach Veröffentlichung des offensichtlich interessengesteuerten „Wochenblatt“-Artikels setzte sich Philipp Scheitenberger hin und schrieb der Ministerin einen zehnseitigen Offenen Brief, abgeschickt per Mail am 24. April. Darin heißt es unter anderem: „Es wäre ein Sakrileg, wenn das Gasthaus zum Adler, resultierend aus einer Entscheidung des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, abgerissen werden würde!“ Mit vielen bauhistorischen und regionalgeschichtlichen Argumenten wendet der Briefautor sich gegen die Abrisspläne und gegen einen Neubau in der alten Kubatur. „Wir brauchen keine nostalgisch produzierten Altstadtbilder nach Abriss von Denkmälern, wir brauchen die originale, authentische denkmalgeschützte Architektur.“ Er warnt auch vor einer Präzedenz: „Ich kann Ihnen schon jetzt prophezeien, dass sich bald der nächste Denkmalbesitzer in Kißlegg (...) an das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart wenden und fragen wird: Wieso durfte der Besitzer des Gasthauses Zum Adler sein Denkmal abreißen, und ich muss mein Denkmal aufwändig erhalten?"

In den auf die Mail vom 24. April folgenden Wochen unterschrieben den Offenen Brief folgende Unterstützer: Thomas Weiland (Kißlegg; Vorsitzender des Heimatvereins D‘ Schellenberger), Dr. Christian Schmölzer (Wolfegg-Wassers; Beisitzer im Vorstand der Fördergemeinschaft Bauernhaus-Museum Wolfegg), Dr. Hermann Scharpf (Isny; Restaurator), Armin Kohler (Kißlegg; Entwicklung Lebensraum Kißlegg / ELK), Berthold Büchele (Argenbühl; Vorstand des Heimatvereins Ratzenried), Rolf Schiller (Kißlegg; Vorstand des Erfinderclubs Allgäu-Oberschwaben) und Uwe Gorzalka (Aichstetten; Vorsitzender des Förderkreises Kulturdenkmal Sepp-Mahler-Haus Bad Wurzach).

Am 24. Juni 2022 erhielt Philipp Scheitenberger ein an ihn persönlich adressiertes Antwortschreiben von Ministerin Nicole Razavi, über dessen Inhalt er Stillschweigen bewahrt. Auch auf insistierendes Nachfragen des Bildschirmzeitungsreporters gab er keine Auskunft. Der diesem Artikel zugehörige Kommentar (siehe Extra-Artikel) baut deshalb auf autonome Einschätzungen des Verfassers.

Die Sicht des Bürgermeisters
Natürlich hat die Bildschirmzeitung auch Bürgermeister Krattenmacher um eine Stellungnahme zur Causa „Adler“ gebeten. Schriftlich reichten wir diese Frage ein: Wie ist der Stand des Verfahrens? Die Gemeinde muss doch den Abbruch des ortsbildprägenden Gebäudes genehmigen?

Bürgermeister Dieter Krattenmacher antwortete rasch, am 12. Dezember schrieb er per Mail: „Das ehemalige Gasthaus „Adler" ist im privaten Eigentum, das Gebäude selbst seit einigen Jahren ohne Nutzung. Der Eigentümer beabsichtigt, auf dem „Adler"-Grundstück und angrenzenden Grundstücken eine Wohnnutzung und Pflegeangebote (Sozialstation und Tagespflege) zu verwirklichen. Die Gemeinde begrüßt dies und ist dem Eigentümer dankbar, dass er dabei auf städtebauliche Belange sehr viel Rücksicht nimmt. Die Planungen waren bereits fertiggestellt, mit den Behörden vorabgestimmt zur Genehmigung beim Landratsamt (Baurechtsbehörde) eingereicht. Der Gemeinderat hat hierfür sein Einvernehmen erteilt.“

Schadensuntersuchung im Februar 2022
Weiter schreibt Krattenmacher: „Eine Zäsur bei den Planungen war dann eine Schadensuntersuchung eines anerkannten Sachverständigen im „Adler“-Gebäude, die im Februar 2022 ausgefertigt worden ist und Art und Umfang des Sanierungsbedarfs ermittelte. Bei diesen Untersuchungen wurde erkannt, dass das Gebäude sehr viel mehr beschädigt ist als angenommen. Die großen Schäden bzw. Verluste an der historischen Bausubstanz führten dann dazu, dass die Denkmalschutzbehörde – nach einer Überprüfung der Schadensuntersuchung – die Denkmaleigenschaft aberkannt hat. Dies hat nicht nur einigen Wirbel im Ort verursacht, sondern bereitet auch für die vorgesehene künftige Nutzung erhebliche baurechtliche und bautechnische Herausforderungen, beispielsweise hinsichtlich der nun geltenden Energie- und Sicherheitsvorschriften. Die explodierenden Baupreissteigerungen und – durch die Aberkennung des Denkmalstatus – weggefallene Unterstützungen aus Denkmalmitteln taten ihr Übriges, die Situation zuzuspitzen.

Der Eigentümer hat daraufhin mehrere Optionen geprüft, wie das von allen Seiten gewünschte Senioren- und Wohnprojekt noch gerettet werden kann. Eine Option war dabei auch der komplette Abriss, was vom nun vorhandenen Rechtsrahmen ohne Denkmalschutz eventuell auch möglich wäre.

Inzwischen ist der Planungsstand aber nach unseren Kenntnissen so weit gediehen, dass die eigentlich historischen und nicht so stark beschädigten Teile (Keller und Erdgeschoss) erhalten bleiben sollen und die stark beschädigten Teile (vor allem Obergeschoss und Dach) ersetzt werden. Schlussendlich soll damit das bis in die 1960er-Jahre überlieferte Aussehen als verputztes stattliches Haus wieder erreicht werden.“

„Eine annehmbare, erstrebenswerte und gute Lösung“
Krattenmacher schließt mit den Worten: „Gemessen an der vorhandenen, sehr schwierigen Situation, unserem Ziel, das „Adler"-Areal wieder mit einem Mehrwert für viele zu beleben und dem nun zu erwartenden optischen Ergebnis bei Erhalt der ältesten Gebäudeteile, halte ich das für eine annehmbare, erstrebenswerte und gute Lösung.“

Zur Frage der rechtlichen Zuständigkeit schreibt der Bürgermeister: „Die Gemeinde Kißlegg ist übrigens nicht Baurechtsbehörde. Deshalb können wir nur abschätzen, dass eine Abbruchgenehmigung nicht erforderlich wäre. Voraussichtlich würde eine Anzeige des Bauherrn gegenüber der Baurechtsbehörde genügen. Soweit wir informiert sind, liegt aber eine solche Anzeige derzeit nicht vor.“

Kißleggs Mitte
Die Frage der Bildschirmzeitung, was sind Ihre Vorstellungen bei der Entwicklung der Kißlegger Mitte?, beantwortete Bürgermeister Krattenmacher wie folgt:

„Die Kißlegger Ortsmitte war noch bis vor rund zehn Jahren aus einem wunderbaren Mix aus Gastronomie, Einzelhandel, Dienstleistungen und Wohnen geprägt. Leider ist der Bereich Einzelhandel und teilweise auch Gastronomie – hier wie andernorts – weniger geworden. Besonders in unserer Herrenstraße stehen aber auch viele Wohnungen leer. Handelsflächen benötigen heute sehr viel mehr (Park-)Platz, die bei den in der Ortsmitte vorhandenen Bau- und Eigentumsverhältnissen praktisch nicht erzielt werden können. Andererseits hat die Ortsmitte schon auch den Vorteil kurzer Wege und wir haben die zunehmende Alterung der Gesellschaft, die nach kleineren, barrierefreien und praktischen Wohnformen und einem guten Pflege- und Freizeitangebot verlangt. Dieses Angebot wollen wir mit dem „Adler“-Projekt und der Sanierung und dem Umbau des gegenüberliegenden und im Gemeindeeigentum befindlichen ehemaligen Gasthof „Löwen“ schaffen und damit auch die bereits vorhandenen Strukturen stärken.

Damit einher geht eine gewisse Verkehrsberuhigung, die im „Adler“-„Löwen“-Alten Schloss-Bereich mit der Südspange ermöglicht wird. Ich bin der Überzeugung, dass die vorhandenen Händler, Gastronomen und Dienstleister in der Ortsmitte davon profiti-ren werden, wenn wieder mehr Menschen in der Nachbarschaft leben.“

Keine Stellungnahme des Bauherrn
Werner Brigel, Eigentümer des „Adlers“, war von uns zur Darstellung des Sachverhaltes aus seiner Sicht eingeladen. Leider ist keine Äußerung bei uns eingegangen.

03 AK ca 1935 GA bs Groß

Ansicht von 1935. Damals war das Fachwerk verputzt.    Repro: Thomas Weiland

04 AK ca 1965 GA bs

Ansicht von 1965. Der „Adler“ ist eingebunden in eine historische Häuserzeile, beginnend links mit der „Hirsch-Post“; rechts daneben das Riedisser-Haus (einst Schellenberg’sches Registratorenhaus); rechts vom „Adler“ die Gallus-Apotheke. 1965 zeigte sich der „Adler“ mit dem mit Hilfe des Denkmalamtes geschaffenen vorgeblendeten Schein-Fachwerk.          Repro: Thomas Weiland

05Riedisserhaus 2017

Abriss des Riedisser-Hauses im Jahre 2017. Die Eigentümerschaft hier und beim direkt benachbarten „Adler“ ist dieselbe (Werner Brigel). 
                                                                                     Foto: Philipp Scheitenberger

Heimatverlust, Heimatliebe
Die Liebe zur Heimat wurde dem Philipp Scheitenberger in die Wiege gelegt. Während die Scheitenbergers bodenständige Oberschwaben und Allgäuer waren und sind – Philipps Großvater Hermann Scheitenberger war Bürgermeister von Eisenharz – hatten andere Ahnen von Heimatliebhaber Philipp Scheitenberger ihre Wurzeln in Pommern und Ungarn. Die teilweise traumatischen Erfahrungen der Großmutter bei ihrer Flucht aus dem Raum Stettin und die kaum weniger dramatische Vertreibung des ungarndeutschen Großvaters haben in der Familie Scheitenberger eine besondere Achtsamkeit grundgelegt, was den Wert der Heimat anbelangt. „Es ist meine Heimat. Ich kann nicht wegschauen“, sagt der 37-jährige Familienvater und Experte für historische Gebäude. „Wir brauchen Denkmale und historische Ortsbilder für unser Wohlbefinden und unsere Heimatverbundenheit. Während andernorts durch Krieg Denkmale als kulturelle Grundlagen zerstört werden, können wir nicht gleichermaßen mit unseren historischen Bauten verfahren, sondern müssen im Gegenteil unsere Denkmale und historischen Bauten erst recht erhalten.“

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Philipp Scheitenberger vor dem Kißlegger „Adler“. In der Hand hält er die Kuverts mit den von ihm und seinen Mitstreitern gesammelten Unterschriften. Dankbar ist er für die starke Unterstützung, die er beim Sammeln erfahren hat; insbesondere dankt er jenen Geschäftsleuten, die die Unterschriftenlisten in ihren Ladenlokalen ausgelegt hatten.                                                           Foto: Gerhard Reischmann

Ein Mann vom Fach
Dass Philipp Scheitenberger ein Mann vom Fach ist, zeigt sein wissenschaftlicher Werdegang: Im August 2017 machte er seinen Abschluss im Masterstudiengang Denkmalpflege an der Universität Bamberg bei Prof. Dr.-Ing. Stefan Breitling mit einer Examensarbeit zu den „Bedingungen des Bauens in der Herrschaft Kißlegg im 17. und 18. Jahrhundert und denkmalpflegerische Relevanz; Baubefunde, historische Quellen und räumliche Faktoren.“ Und im August 2018 schloss er den Masterstudiengang „Europäische Ethnologie“ mit dem Thema ab: „Das Färber- und Fassmalerhaus Walser in Kißlegg; Bewohner, überlieferte Ausstattung und museale Umnutzung“ (bei Prof. Dr. Heidrun Alzheimer und dem Hausforscher Prof. Dr. Konrad Bedal an der Universität Bamberg). Derzeit arbeitet der 37-Jährige, der zudem ausgebildeter Steinmetz ist, an seiner Promotion. Thema: „Hausbau im Umfeld der waldburg-wolfegg’schen Bauleute-Zunft 1623 bis 1802“.
Gerhard Reischmann

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An etlichen Stellen in Kißlegg hängen die Banner „Rettet den Adler“ – wie hier am Alten Schloss.         Foto: Henry Linder

 

 

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