Ravensburg – Im Rahmen von einem bundesweiten Aktionswochenende startete am Sonntag eine regionale Aktion vom Bahnhof Ravensburg.

Schon Stunden vor Beginn um 12 Uhr und den ganzen Nachmittag regnete es ohne Pause, mal weniger, mal mehr. So war zu erwarten, dass nicht alle der 300 angekündigten Teilnehmer:innen den Weg zum Bahnhof fanden. Trotzdem, als die Fahrraddemo eskortiert von Polizei um 12 Uhr 10 losfuhr, war es ein beachtlicher Zug von gut 200 Teilnehmer;innen, der sich 500 Meter lang auffädelte. Über die vierspurige Ulmer Straße ging es die etwa 10 km lange Strecke nach Weingarten und wieder zurück nach Ravensburg.

Der Protest wurde getragen von vielen verschiedenen Initiativen, so den Mitorganisatorinnen wie Saskia Mayer, Landtagskandidatin der Klimaliste oder ihre Kollegin Ronja von Fridays for Future, Mit dabei waren auch der BUND, Jugend und BUND Ortsgruppe Aulendorf., vertreten durch Bruno Sing der seit 10 Jahren dem Kreistag angehört . Eine andere auswärtige Gruppe stellte der VCD Kisslegg, darunter Alfred Schupp mit vier Kollegen. Familien mit kleinem Kind und Einzelkämpfer mit Antifa-Helm waren ebenso mit dabei.

Schon aus Gründen der Familientauglichkeit war ein Tempo von zehn kmh angesagt und entsprechend dauerte die Fahrt gut eine Stunde. Vereinzelt wurden Parolen, wie Wiesen und Wald statt Asphalt gerufen, aber diese wurden durch die geschlossenen Fenster nicht gehört. Eher schon kündigte die Musikbox die Veranstaltung an und lockte einige Zuschauer:innen an den Straßenrand. Meistens winkten diese freundlich, beklatschen die Fahrradfahrer oder feuerten sie an. Aggressive Reaktionen gab es keine. Etwa 13.30 Uhr war man zuletzt über die Gartenstraße zum Frauentor und den Marienplatz zurück am Bahnhof, wo sich eine Kundgebung anschloss.

Diese wurde eröffnet mit einer Rede von einem Baumbesetzer im Altdorfer Wald, die vom Band abgespielt wurde. Er erklärte, nicht für die Baumbesetzer zu sprechen, sondern nur für sich, da die Gruppe ohne Hierarchie agiere. Er beobachte, dass das Anliegen Mobilitätswende bei den verantwortlichen Politikern nur in leeren Versprechungen münde. Die Alternative, das propagierte E-Auto sei in seiner Herstellung hochproblematisch. Überhaupt die A49 durch den Dannenröder Forst sei unnötig und auch das Kies im Altdorfer Wald, dessen Abbau mit der Baumbesetzung verhindert werden soll, werde im Asphaltwerk in Bennies von Kies gespeist.

Die Firma Meichle + Mohr, die das Kies abbauen möchte, sei verbunden mit dem großen Straßenbauunternehmen Strabag und insofern sichere der Kiesabbau auch den Fortbestand des Asphaltwerks. „Nehmt ihr uns die Wälder, nehmen wir Euch die Straße.“, schließt er seine Rede, die lange beklatscht wird. Ihm folgte Jens von Parents for Future, der sich bei allen bedankte .Er sprach als besorgter Vater und wünschte seinen Kindern eine autofreie Innenstadt Ravensburg, die er in Zukunft als ebenso selbstverständlich erachtete wie einst das Rauchverbot, das heute kein Gastwirt zurückwünscht. So werde es künftig auch beim Einzelhandel sein, wenn er an die Belebung durch eine autofreie Innenstadt denke.

Eine abwechslungsreiche, etwa einstündige Kundgebung war gemischt durch ein neues Lied der Weingärtner Sängerin Franziska Groß und schloss mit einem Lyrikbeitrag. Markus von Critical Mass kündigte künftig wieder jeden Freitag Radfahrten zwischen Ravensburg und Weingarten oder umgekehrt an. Schon nächstes Wochenende findet erneut eine Fahrraddemo, dieses Mal in Friedrichshafen anlässlich des Parteitags der Grünen statt. Für die Gegner des Regionalplans kündigte eine Sprecherin weitere Aktionen an, schließlich wird darüber noch diesen Monat öffentlich in Horgenzall darüber beraten und abgestimmt.

Mehr Hoffnung als Realität, dass noch viel Verbesserungen folgen werden. So weiß der Aulendorfer Kreistagsabgeordnete Sing zu berichten, dass von 15 km geplanten Radweg an Kreisstraßen nur 0,1km gebaut wurden. Letzte Aktionen vor der Abstimmung sind am 10. Juni eine Demonstration zu Fuß von Vogt nach Eintürnen, sowie am 13. Juni eine Wanderung zu einer Messe am Höchsten oben.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

 

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halloRV

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