Bad Wurzach (Kolumne) - Jetzt haben wir den Salat, den wir sinnvollerweise gleich zu Beginn nächster Woche kaufen, denn Ostersamstag trifft sich die Nation bei Aldi, Lidl, Rewe und Edeka. Wenn dort noch ein paar Strandplakate aufgestellt werden, kommt richtiges Urlaubsfeeling auf, während sich so mancher an seine DDR-Einkaufszeiten erinnern wird.
Die Beratungszwischenmeldungen ließen gestern Abend schon eher Befürchtungen als Erfreuliches erahnen. Noch vor der Bund-Länderberatung mussten sich Kanzlerin Merkel und Finanzminister Scholz mit Berlins Bürgermeister Müller und Bayerns Ministerpräsident Söder abstimmen. Wofür über 700 Bundestagsabgeordnete gewählt sind, erweist sich für den Wähler als immer weniger durchschaubares Rätsel.
Wenige Stunden zuvor wird aus dem Finanzministerium die Beantragung eines Nachtragshaushaltes über ca. 60 Milliarden Euro für 2021 und ein zusätzlicher Bedarf von ca. 80 Milliarden Euro für 2022 vermeldet. Finanzminister Scholz greift bei 40 Millionen Haushalten mit 3.500 € in die Geldtaschen jeden Haushaltes. Die schon verplanten Milliarden seit 2019 sind dabei nicht berücksichtigt.
Die Fragezeichen häufen sich mit Söder´s Begründung zur zuletzt angeordneten Öffnung der Friseurläden: Mit einer ordentlichen Frisur wird die Würde des Menschen wieder hergestellt. Wie weit ist die Politik von der Bürgerschaft zwischenzeitlich entfernt?
Ein 5-tägiger Hard-Lockdown wird so effizient in die Corona-Entwicklung eingreifen wie der Soft-Lockdown zum 01. November. Vorbildliche Entwicklungen wie in Rostock und Tübingen werden bestenfalls in nächtlichen TV-Diskussionsrunden besprochen und dringen anscheinend nicht ins Parlament vor, obwohl Politiker in den Sendungen oftmals eifrig mitdiskutieren.
Das Ringen und Stammeln der Politiker um Erklärungen für die Maßnahmen wird mit jedem Lockdown peinlicher.
Seit fast einem ganzen Jahr sind Künstler und Kulturschaffende ohne Perspektive. Seit fast einem halben Jahr sind die Restaurants geschlossen, müssen Heim-Omis auf die Enkel verzichten, darbt der Einzelhandel vor sich hin. Das exponentielle Wachstum trifft auch auf den Frust in der Bürgerschaft zu.
Ein Fünkchen Hoffnung keimt auf, wenn ein CDU-Bundestagsabgeordneter mit einem offenen Brief die Kanzlerin zur Besinnung bringen möchte: „Wir leben seit einem Jahr in der Pandemie, doch Sie haben anscheinend nicht viel dazugelernt“ „Es ist Ihre Aufgabe, auf die Menschen zuzugehen und zu versöhnen, statt weiter zu Bevormunden, zu Verbieten und zu Gängeln.“
Einer der wenigen unter 700 - und zu spät.
Es ist ja mehr als sarkastisch, schöne Ostern mit bestem Frühlingswetter zu wünschen. Bleiben Sie negativ!
Wolfgang Weiß
dieBildschirmzeitung

