Wangen - Die Landtagsabgeordnete Petra Krebs hatte den naturschutzpolitischen Sprecher der Grünen im Stuttgarter Landtag und NABU-Wolfsbotschafter Dr. Markus Rösler in einem Webgespräch zu Gast.
Die Wolfspopulationen in Europa wachsen und breiten sich wieder aus. Nachdem seit dem Jahr 2015 auch in Baden-Württemberg einzelne Wölfe nachgewiesen wurden, haben sich inzwischen zwei Wölfe im Schwarzwald niedergelassen. Auch in den Allgäuer Alpen gab es immer wieder Nachweise von Einzeltieren. Der Wolf ist eine nach nationalem und internationalem Recht streng geschützte Art. Zugleich stellt er aber eine Bedrohung für Weidetiere in Baden-Württemberg dar.
Markus Rösler klärte zunächst auf, dass der Wolf eine Tierart ist, die keine Wildnis braucht, um sich niederzulassen. Wölfe kommen überall dort zurecht, wo sie genug zu fressen finden und der Mensch sie leben lässt. Dies beinhaltet sowohl Naturschutzlandschaften wie z.B. Buchenwälder, als auch Kulturlandschaften, also eine vom Menschen geprägte Landschaft. Tatsächlich findet sich in jedem Bundesland, mit Ausnahme der Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen, Lebensraum für den Wolf, jedoch zeigt eine aktuelle Studie des NABU auch, dass es viele Gegenden in Deutschland gibt, in denen wahrscheinlich nie Wölfe leben werden, da es z.B. zu wenig Nahrungsangebot oder zu viele Straßen gibt.
Rösler sprach außerdem die Angst der Menschen vor dem Wolf an und erklärte dies damit, dass ein Wolf, der vor hunderten Jahren ein Schwein, eine Ziege oder ein Kalb riss, damit die Existenz einer Familie bedrohen konnte. Heute trifft dies nicht mehr zu, da Schäfer und Landwirte oft viele hundert Tiere auf einmal mit sich führen. Dennoch kann es passieren, dass Menschen einem der rund 1000 Wölfe in Deutschland begegnen, da ein Wolf tausende Kilometer pro Jahr zurücklegen kann und demnach überall in Deutschland sein kann. Wölfe sind aber scheue Tiere, die zudem durch ihre aufmerksamen Sinne kaum vom Menschen überrascht werden können. Sollte ein Mensch einen Wolf trotzdem überraschen, wird das scheue Tier fliehen.
In der Diskussion wurde aber auch die Gefahr angesprochen, dass Wölfe Schäden anrichten können. Wölfe sind Raubtiere und können, wenn sie eine Herde in die Enge getrieben haben mehr töten als sie als Nahrung nutzen können. Wenngleich dies Ausnahmen sind ist den Grünen die Zusammenarbeit mit Jägern, Schäfern und Landwirten sehr wichtig, um unbürokratische, effektive Lösungen für ausreichende Schutzmaßnahmen zu finden. Jedoch betonte Dr. Rösler, dass in einer Untersuchung herausgefunden wurde, dass Wölfe nur zu sehr kleinen Teilen Haustiere oder Kälber und Pferde anfallen, da sich Wölfe vor allem von Rehen (50%), Rothirschen (25%) und Wildschweinen (16.6%) ernähren. Die Angst vor Wölfen, die ganze Herden reißen wird vor allem durch viele, emotionsgeladene Falschinformation im Internet propagiert. Grundsätzlich schlägt Markus Rösler zwei Lösungen vor, zum einen höhere Zäune und zum anderen mehr Herdenschutzhunde, die die Wölfe vertreiben können.
In der darauffolgenden Diskussion mit den knapp 40 Teilnehmern wurde klar, dass der Wolf weiterhin ein wichtiges Thema in der Landwirtschaft ist. Dabei wurden auch komplizierte Regelungen für Herdenschutzhunde angesprochen, da die Haltungsvorgabe an die der Haustiere angepasst ist, was in der Realität oft nicht umsetzbar ist. Auf eine Frage einer Teilnehmerin, bezüglich dem Mehraufwand zum Schutz von Kulturflächen vor dem Wolf, antwortete Markus Rösler, dass er nicht versprechen kann, dass mehr Kulturfläche eingezäunt wird, da hier erhebliche finanzielle Mittel benötigt werden.
Pressemeldung Wahlkreisbüro Petra Krebs MdL

