Bergatreute - Wallfahrt, Wunder, Blut – all das sind Begrifflichkeiten, mit denen sich die säkularisierte Welt im Kontext des christlichen Glaubens schwertut und doch wird bis zum heutigen Tag am 2. Juli im beschaulichen Bergatreute der 337. Jahrestag der Ankunft des im Hochaltar der Kirche verehrten und ursprünglich aus Oberitalien stammenden Gnadenbildes „Maria vom Blut“ gefeiert. Eine alte Tradition, die in diesem Jahr durch einen besonderen Festgast unterstrichen wurde: Weihbischof Matthäus Karrer.
Der hohe Besuch aus Rottenburg ist in Oberschwaben kein Unbekannter. Karrers heimatlichen Wurzeln liegen im nahen Deuchelried. Er war vor seinem Wechsel nach Rottenburg erster Dekan des 2008 neu gegründeten Dekanats Allgäu-Oberschwaben und leitet nun seit 2011 die Hauptabteilung Pastorale Konzeption im Bischöflichen Ordinariat.
Am 2. Juli, dem Fest der Heimsuchung Marias, fand der traditionelle Wallfahrtstag zu Ehren „Maria vom Blut“ in Bergatreute mit einem feierlichen Pontifikalamt statt. Der Kirchenchor unter der Leitung der jungen Dirigentin Caroline Forderer sang die Missa brevis in b des britischen Komponisten Christopher Thambling in frischem Klang und hervorragender Chorbesetzung. Begleitet wurden die Sänger von einem Bläserensemble des Bergatreuter Alexander Dreher sowie des Organisten Robert Häusle. Die liturgische Feier wurde ebenso auf den Kirchplatz übertragen, wo sich viele Gläubige versammelten, um die Worte des Weihbischofs zu hören.
Ein beeindruckendes Bild
Die anschließende Prozession durch Ort und Flur mit dem Gnadenbild bildete ein beeindruckendes Bild: Musikkapelle, Blutreiter, Bruderschaften und örtliche Vereine, Erstkommunionkinder und Franziskanerinnenschwestern aus Sießen zeigten für die Dauer einer knappen Stunde eine Demonstration gelebter Volksfrömmigkeit, bei der das Gnadenbild Maria vom Blut im Mittelpunkt unter dem Tragbaldachin stand.

Familie Wirbel seit Generationen dabei
Am Stationsaltar beim Pfaffenberg grüßte ein ebenso wundschön gefertigter Blumenteppich (Bild) mit verschiedenen biblischen Motiven, das Werk vieler fleißiger Familien. Unter anderem ist die Familie Wirbel seit Generationen mit dieser Aufgabe betraut und immer wieder ist es schön, die Vielfalt dieser künstlerischen Blumenmotive für diesen einen Tag betrachten zu können. Ortspfarrer Klaus Stegmaier erklärte die verschiedenen dargestellten Themen.
Mit dem anschließenden Wettersegen durch Weihbischof Karrer wurden Feld und Flur, Mensch und Tier gesegnet.
In diesem Jahr fiel der Wallfahrtstag ausnahmsweise auf einen Sonntag, was die Suche nach einem Festprediger erschwert hatte. Der Weihbischof eilte nach der Flurprozession noch zum nahen Kloster Reute zur dortigen Jubiläumsfeier und konnte deshalb nicht an der Bergatreuter Gemeindefeier teilnehmen.
Unter dem Dirigat von Anja Vincon
Bei der weltlichen Feier wurden die Wallfahrer von der Musikkapelle Bergatreute unter dem Dirigat von Anja Vincon gekonnt mit frischem Schwung unterhalten.
Die Bergatreuter Ministrantenschar hat durch ihren Kuchenverkauf den Pilgern den Aufenthalt versüßt.
Vielen fleißigen Händen ist zu verdanken, dass Häuser und Kirche mit Blumen und Fahnen, Girlanden und Sträußen geschmückt waren und so den Festtag zu einem besonderen Feiertag im örtlichen Kirchenjahr gemacht machen.
Text: Alexander Hepp / Fotos: Günter Brutscher
Neben Weihbischof Karrer Diakon Fluhr,
Bekränzt und ins Zentrum gerückt: das Gnadenbild.

