Bad Wurzach - Mit der Ausstellung Wiesengeflüster von Valerie Forster bietet das Naturschutzzentrum bei seinen Wechselausstellungen: Bei der Moorfrosch Ausstellung lag der Fokus auf Biologie und Artenschutz, bei Valerie Forster liegt er auf der kreativ-künstlerischen Seite.
Dr. Siegfried Roth, der Leiter Naturschutzzentrums Wurzacher Ried begrüßte die Gäste und zeichnete in seiner Einführung ein kleines Portrait der Künstlerin: 1985 in Tettnang geboren, begleitet die Grafik-Designerin und Autorin die Liebe zur Natur, den kleinen Dingen des Lebens sowie zu kreativen Tätigkeiten schon ihr Leben lang. In Fernlehrgängen studierte sie zusätzlich verschiedene Naturwissenschaften und Philosophie.
Bei ihren Buchprojekten und Kalendern machte sie alles selbst: Von der Idee bis zum Manuskript, von den Illustrationen bis zu den Fotografien in den fertig gestalteten Werken stammt alles aus ihrer Feder.
Bei der neuen Ausstellung „Wiesengeflüster“ arbeitet Forster viel mit dem der Fotografie eigenen Gestaltungselement Unschärfe. „Damit erzielt sie unerwartete Effekte. Die überwiegende Reduktion auf Form und Farbe wirkt malerisch, fast abstrakt. Natur auf diese Weise zu fotografieren erfordert eine andere Auseinandersetzung mit den Motiven.“ Es gehe nicht um das Portraitieren von Arten, sondern zu den Wesenszügen der Pflanzen und Tiere vorzudringen. Dies gebe dem Betrachter viel raum für eigene Interpretationen.
Ein Musikstück mit einem Querflötentrio der Jugendmusikschule unter Leitung von Bernadette Vogt leitete über zu der Einführung der Künstlerin in ihre Ausstellung.
Valerie Forster nimmt normalerweise die Rolle der stillen Beobachterin ein. Um den Gästen ihre Arbeit näherzubringen, erzählte sie die Geschichte des ausgestellten Bildes „Die Notlandung des Schwalbenschwanzes“. An einem sonnigen, aber windigen Tag landete auf der Terrasse ein Schwalbenschwanz, vermutlich um sich vor dem Wind zu schützen auf dem Pflaster der Terrasse. „Und da saß er, ganz still, die Flügel weit geöffnet und wunderschön.“ Nur das Pflaster störte die Idylle.
Daher brachte sie ihn in der flachen Hand in ihre Blumenwiese und setzte ihn auf einen Dorst, um ihn gemeinsam mit der Blumenwiese abzulichten. Diese Vorgehensweise ist untypisch für die Arbeit der Fotografin, die nur im Notfall – etwa wenn ein Geschöpf z.B. ein Käfer in Gefahr ist – in die Welt der Tiere und Pflanzen eingreift. „Bei diesem Schwalbenschwanz hatte ich das Gefühl, er wolle mir dafür danken, dass ich in den letzten Jahren so viele Raupen seiner Art im Garten mit Futterpflanzen durchgefüttert und auch den Faltern Lebensraum geboten habe.“
Mit dem Lesen der Kurzgeschichte „Der Traum des roten Steines“ aus ihrem 2018 erschienen Buch „Die Krokuswiese“ beleuchtete sie auch noch die zweite Seite der Ausstellung. Denn neben den vielen Fotografien der Natur zeigt die Ausstellung auch mit vielen Kurzgeschichten das Schreibtalent von Valerie Forster.
Nach einem weiteren Musikstück von Delena, Ronja und Selina hatten die Besucher die Gelegenheit mit der Künstlerin über die Ausstellung ins Gespräch zu kommen.
Die Ausstellung „Wiesengeflüster“ von Valerie Forster ist während der üblichen Öffnungszeiten von MoorExtrem noch bis zum 17. Juli 2022 zu sehen.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

