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Bad Wurzach - Genau 60 Jahre ist es am 17.05. her, dass sich Rosemarie und Friedemann Stäbler in Wilhelmsdorf das Ja-Wort gegeben haben – und die Mutter von Friedemann Stäbler einen heimlichen Erfolg feiern konnte.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Rosemarie Stäbler die Organisatorin der Kunstausstellungen in der Städtischen Galerie, mit ihrem Mann Friedemann immer an ihrer Seite. Sehr häufig hatte sie dabei mit Klaus Schütt zu tun, der häufig als Vertreter der Stadt in seiner Funktion als Bürgermeisterstellvertreter die Vernissagen miteröffnete. Daher war es für ihn selbstverständlich, die angenehme Aufgabe zu übernehmen, den Stäblers an ihrem 60. Hochzeitstag die Urkunde und das Geschenk des Ministerpräsidenten zu überreichen.

Es war 1961, als das Paar sich in Wilhelmsdorf kennenlernte. Rosemarie Stäbler hatte damals in einem Kinderheim „geschafft“, gemeinsam mit einer der Schwestern von Friedemann und dessen Mutter. Der gelernte Maler besuchte zu der Zeit gerade die Meisterschule in Reutlingen. Die Mutter hatte ein Treffen im Hause Stäbler arrangiert, wo Friedmann „schöne Lichtbilder“ zeigen sollte. Dumm nur, dass dieser davon keine Ahnung hatte und erst später dazu stieß und überhaupt „not amused“ war, weil er gerade vom Skifahren zurückkam...

Die Beiden fanden dann doch noch zusammen und nach einem Jahr wurde bereits geheiratet, aber auch das ging nicht ohne Komplikationen ab: Eigentlich sollten am selben Tag standesamtliche und kirchliche Trauung sein, doch an besagtem Termin hätte sich der damalige Bürgermeister und Standesbeamte von Wilhelmsdorf bereits im Urlaub befunden. So kam es dann, dass Standesamt am 17.05. und die kirchliche Trauung am 19.05. stattfand, damals ein unüblicher Vorgang.

Friedemann arbeitete zu der Zeit in Adelboden in der Schweiz und wäre gerne dort geblieben um seiner Liebe zu den Bergen zu fröhnen, aber die Erkrankung seines Onkels, der ein Malerfachgeschäft betrieb, zwang ihn zur Rückkehr nach Wilhelmsdorf. Nach dessen Tod musste er das Geschäft gemeinsam mit seinen Schwestern und seinem Bruder übernehmen.

Ein Augenleiden führte ihn kurz darauf zu einer langen Kur wieder in die Schweiz, nach Davos. Schlimmer noch: er musste das Geschäft auf ärztlichen Rat hin aufgeben. Rosemarie folgte ihrem Friedemann dann für die vier Monate nach Davos, um ihm nahe zu sein.

In Freiburg erfolgte die Umschulung zum Masseur, während dessen arbeite Rosemarie in einem Blindenheim. Das Paar lebte gern in Freiburg und wäre dort auch geblieben, hätte Friedmann nicht einen Praktikumsplatz gebraucht. Da kam dann Bad Wurzach ins Spiel. „Bei einem richtigen Sauwetter“ erinnert sich Rosemarie Stäbler, fuhr man im geliehenen Auto also nach Wurzach, aber dass das nichts sein würde, sah sie ihrem Mann gleich an. „Des isch it mei Ding“ sagte er und so machte man sich auf den Rückweg nach Freiburg.

Der Tipp, der das Paar dann 1969 doch noch nach Bad Wurzach brachte, war das evangelische Mütterkurheim, das dringend einen Masseur suchte. 25 Jahre bis zur Rente arbeitete er als Masseur, danach noch einmal 25 Jahre gab er Aquarellmalkurse.

Und dann fanden sie das Haus, in dem sie noch heute Leben. Aber auch das war nicht von Liebe auf den ersten Blick geprägt: „Das Haus war in einem furchtbaren Zustand.“ Erst im Sommer bei Kaffee und Kuchen in dem schönen Garten wurde das Angebot verlockend, für wenig Miete dort zu wohnen, die einzige Bedingung war, sich um den großen weitläufigen Garten zu kümmern. Naja, und natürlich das Haus herzurichten. Am 1. Dezember 1973 konnten sie einziehen: „ Bei 1 Meter Schnee, und einen Teil der Möbel mussten wir, weil das Haus sehr verwinkelt ist, durchs Fenster hereinbringen,“ erinnern sich die beiden mit einem Schmunzeln.

Eines Tages – Rosemarie und Friedemann befürchteten schon das Schlimmste –erschien die Vermieterin im Sonntagsstaat bei ihnen und fragte, ob sie Paten für das sich ankündigende Enkelkind werden wollten. Was sie natürlich mit Freuden taten (es wurden dann sogar Zwillinge), seitdem gehören sie quasi zur Familie.

Rosemarie Stäbler engagiert sich seit vielen Jahren in der evangelischen Kirche, war dort sogar eine Zeit lang Mesnerin. Doch auch dieser Start verlief nicht ganz einfach: Mit dem damaligen Pfarrer Schmidt-Kessler legte sie sich an, als dieser ein Pflegekind der Stäblers zusammenstauchte, weil es nicht zur Sonntagschule erschienen war. Bei dessen Nachfolger Pfarrer Moser gingen die Stäbler später ein und aus, waren mit dessen Frau befreundet.

Am bekanntesten sind die Stäblers in Bad Wurzach, die auch viele Jahre im Liederkranz aktiv waren, für die Organisation der Ausstellungen der städtischen Galerie.

„Im August werden es 25 Jahre, dass ich das Ehrenamt von Henning von Zadow übernommen habe“, erzählt Rosemarie Stäbler, die in ihrer Freizeit gerne Seidenmalerei betreibt. Aber auch dieser Start war nicht ganz einfach: „Eines Tages hat mich Herr von Zadow angerufen und gesagt, er schaffe das nicht mehr. Auf meinen Einwand, ich hätte doch keine Ahnung von der Organisation von Ausstellungen, meinte er nur, er habe mich schon bei der Stadt als seine Nachfolgerin angegeben,“ schüttelt Stäbler noch heute den Kopf über diese Chuzpe ihres Vorgängers.

Aber sie hat das Beste aus dem Ehrenamt gemacht, wie die jüngste Ausstellungseröffnung in der vergangenen Woche zeigte.

Am Samstag werden die Stäblers, die man täglich auf ihren ausgiebigen Spaziergängen in der Stadt antreffen kann, um 17 Uhr ihre Diamantene Hochzeit in der evangelischen Kirche mit einem Gottesdienst feiern.

 

Bericht Uli Gresser

 

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halloRV

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