Bad Wurzach - Mit einer Postkartenaktion feiern die Aktion „Herz & Gemüt“, die Gemeinwesensarbeit der Lebensräume für Jung und Alt, der Verein Füreinander-Miteinander, die katholische Seelsorgeeinheit, die evangelische Kirche, der Stadtseniorenrat und die Stadt Bad Wurzach den Tag der Nachbarschaft.
Vier ansprechende Motive sind auf den Postkarten zu sehen, die auf dem Wochenmarkt am kommenden Donnerstag, 19. Mai, und während der Gottesdienste am 20. und am 29. Mai verteilt werden. Anlass ist der internationale Tag der Nachbarschaft am 20. Mai. Mit den dann bei den Nachbarn eingeworfenen Karten kann man diesen damit mit einem Gruß, einem kleinen Dank, einem kleinen Hilfsangebot oder einer nachbarschaftlichen Einladung eine kleine Freude machen.
Bei einem Treffen in den Lebensräumen bei Susanne Baur legten Vertreter der verschiedenen Organisationen und Gruppierungen ihre Meinungen zu diesem Tag der Nachbarschaft und grundsätzlich zum Thema dar. Susanne Baur glaubt, dass die Postkartenaktion gut ankommen wird. Die Aktion wurde gemeinsam von den Lebensräumen und der Stadt finanziert.
Waltraud Heine vom Stadtseniorenrat denkt, dass sich über diese Achtsamkeits-Aktion Jung und Alt ein wenig annähern werden, ältere Menschen mehr in Gespräche eingebunden werden, Kontakte gefördert werden und die Leute aus der Anonymität herausgeholt werden können.
Das glaubt auch Marlene Kolb, die in Hauerz fast jeden kennt und die seit vielen Jahren bei der Aktion „Herz und Gemüt“ dabei ist. „Manche muss man rauslocken, aber dann sind sie dankbar dafür.“ Von alleine kommt zum Beispiel die Frau deren Mann vor kurzem gestorben ist, da nicht raus. Da bedürfe es schon eines Impulses von außen, dass sie wieder unter Leute kommt. Das gelte auch für Neuzugezogene, die man mit einem Besuch aus der Anonymität holen kann. Oft bleibe sie dann bei Besuchen viel länger als geplant. Für sie ist das ein gutes Zeichen. Und diese Besuche geben ihr selbst auch etwas zurück.
Sandra Göttel vom Pflegstützpunkt ging in ihrem Statement auf die Strukturverschiebungen in den Familien ein. „Manche Menschen leben alleine, weil die Angehörigen weit weg wohnen oder es sind keine Angehörigen mehr vorhanden. Ohne die sorgsame Unterstützung der Nachbarn könnten sie nicht mehr alleine zu Hause leben.
Robert Stützle, der Vorsitzende des Vereines Füreinander-Miteinander, bei dem rund 70 Ehrenamtliche in der Nachbarschaftshilfe tätig sind, sagte, die Nachfrage sei größer als das, was die Helfer leisten können. „Die Arbeit geht uns bestimmt nicht aus.“ Er und seine Mitstreiter würden sich daher freuen, wenn noch Leute dazu stoßen würden, auch jüngere. Die Postkartenaktion sieht er als Anstoß, wahrzunehmen, was in der Nachbarschaft passiert.
Für Pastoralreferent Matthias Winstel ist bei Kontaktaufnahmen mit den Nachbarn oft der Kopf im Weg: „Vielleicht passt es dem Nachbarn ja jetzt gerade nicht?“ Es sei keine falsche Zurückhaltung angebracht, man solle dabei auf sein Herz hören, denn verlieren könne man ja nichts. „Man kann nur gewinnen.“ Denn im Falle einer Ablehnung gehe es zurück zur Ausgangsposition.
Susanne Baur sieht in den „Lebensräumen“ eine offene Nachbarschaft praktiziert. Die Achtsamkeit für den Nachbarn sei keine Kontrolle, sondern Fürsorge. „Man kennt die Gewohnheiten und fragt dann nach, wenn etwas anders ist.“ Der Prozess, der jetzt mit den Postkarten angestoßen wird, höre damit ja nicht auf, Ziel sei es ja, sich auf den Weg zu den Menschen zu machen.
„Die Vereinsamung der Menschen betrifft ja nicht nur Ältere“, weiß Pastoralreferent Matthias Winstel. Die Vereinsamung betreffe auch Leute, die arbeiten, etwa wenn sie durch einen Schicksalsschlag den Partner verlieren. „Da ist es wichtig, als Nachbar den Blick für den Menschen zu haben.“
„Gute Nachbarschaft ist ein Kulturgut, das wie andere Kulturgüter auch an Kinder und junge Familien weitergegeben werden soll“, sagt Susanne Baur, die sich freut, dass die Aktion von so vielen Gruppierungen und Menschen mitgetragen wird.
Text: Uli Gresser

Die Initiatoren der Postkarten-Aktion: vorne, von links: Susanne Baur (Lebensräume), Marlene Kolb (Herz & Gemüt), Waltraud Heine (Stadtseniorenrat) und (hinten, von links) Matthias Winstel (Seelsorgeeinheit Bad Wurzach) und Robert Stützle (Füreinander-Miteinander). Nicht auf dem Foto Silke Kuczera (evangelische Kirche), Sandra Göttel (Pflegestützpunkt) und Stefanie Heinrich (Koordinatorin Füreinander-Miteinander). „Gute Nachbarschaft ist ein Kulturgut, das wie andere Kulturgüter auch an Kinder und junge Familien weitergegeben werden soll“, ist ein Leitmotiv der Initiatoren. Foto: Uli Gresser

