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Bad Wurzach - Spinnen gehören nicht gerade zu den Sympathieträgern der heimischen Tierwelt. Doch viele Arten haben faszinierende Lebensweisen entwickelt, so dass es sich durchaus lohnt, sie einmal genauer zu betrachten. Eine davon ist die Gerandete Jagdspinne.

Namensgebend für diese Spinnenart aus der Familie der Jagdspinnen sind die auffälligen weißen oder gelblichen Längsstreifen, die sich seitlich über den gelbbraunen bis schwarzbraunen Vorder- und Hinterkörper ziehen. Sie ist eine der größten heimischen Spinnenarten: Die Männchen können bis zu 15 Millimeter groß werden, Weibchen sogar bis zu 25 Millimeter. Die Gerandete Jagdspinne lebt vorzugsweise an den Ufern stehender oder langsam fließender Gewässer in Mooren und Sümpfen, auf Feuchtwiesen oder in Au- und Bruchwäldern.

Sie ist perfekt an diesen, für Spinnen eher ungewöhnlichen, Lebensraum angepasst. Mit ihrer dichten Körperbehaarung nutzt sie die Oberflächenspannung und kann sich geschickt auf dem Wasser bewegen. Dabei rudert sie mit dem zweiten und dritten Beinpaar und bewegt sich wie ein Wasserläufer. Bei Störungen oder zum Beutefang kann sie sogar abtauchen. Um den Körper bildet sich eine Luftblase, die nach dem Auftauchen platzt und eine trockene Spinne aus dem Wasser entlässt.

Nahrungstiere werden frei jagend ohne Fangnetz überwältigt. Zum Beutefang sitzt die Spinne im dichten Gewirr der Verlandungszone und hält die Vorderbeine ins Wasser. Bei Vibrationen ergreift sie blitzschnell die Beute und beißt zu. Dabei stehen neben Insekten und Kaulquappen auch kleine Frösche und sogar Fische auf dem Speiseplan. Durch den Giftbiss werden die Tiere in wenigen Sekunden getötet, an Land gezogen und dort verzehrt. Hierzu wird die Beute durch Verdauungssäfte zunächst verflüssigt und dann aufgesogen.

Bei vielen Spinnenarten leben die Männchen zur Paarungszeit besonders gefährlich, denn schnell werden auch sie selbst zur Beute der Weibchen. Oft wird die Auserwählte daher mit einem nahrhaften Brautgeschenkt beschwichtigt. Das Männchen der Gerandeten Jagdspinne jedoch wartet darauf, dass sich das Weibchen selbst etwas fängt und nähert sich, während es frisst. Das Weibchen umgibt seine Eier mit einem kugeligen Kokon, den es mit den Kieferklauen transportiert. Kurz vor dem Schlüpfen wird der Kokon in einem glockenförmigen Gespinst in der Ufervegetation befestigt und dort bis zum Verlassen der Jungspinnen bewacht.

Durch die Zerstörung von Feuchtgebieten ist die Gerandete Jagdspinne vielerorts selten geworden und gilt als besonders geschützte Art. Im Wurzacher Ried kann sie von März bis Oktober in den Hoch- und Niedermoorbereichen noch regelmäßig beobachtet werden. Nutzen Sie jetzt die Zeit, in der die Ufervegetation nur spärlich ausgeprägt ist und halten Sie auf Wasserflächen Ausschau nach der faszinierenden Fischfängerin.

 

Foto NAZ

Bericht Valeska Ulmer

 

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halloRV

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