Laupheim/Bad Wurzach (Kommentar) - Enttäuschendes Ergebnis für Alexandra Scherer: Bei der Oberbürgermeisterwahl in Laupheim hat sie im ersten Wahlgang mit 21,2 Prozent nur Rang drei erreicht. Und das mit deutlichem Abstand zu Ingo Bergmann (34,9 Prozent) und Kevin Wiest (33,1 Prozent). Beim zweiten Wahlgang muss sie nun eine Aufholjagd starten. Ganz aussichtslos ist das nicht, denn die zwei Führenden sind durchaus in Sichtweite. Ob Alexandra Scherer, die amtierende Bürgermeisterin von Bad Wurzach, zum zweiten Wahlgang am 24. April wieder antritt, darüber war am Wahlabend noch nichts zu erfahren.
Der 44-jährige Ingo Bergmann aus Ulm hatte sich bereits 2017 um die Nachfolge von Rainer Kapellen beworben und seinerzeit beachtliche 41 Prozent der Stimmen geholt hatte (Sieger war Gerold Rechle). Bergmann ist SPD-Mitglied und derzeit Projektleiter beim Aufbau des Einstein-Museums in Ulm. Kevin Wiest, 42, ist derzeit Bürgermeister von Oberstadion.
Wie allgemein erwartet, hat es keiner der sechs Kandidaten geschafft, im ersten Wahlgang 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich zu vereinen. Dass es für die hochgewettete Alexandra Scherer ein solch schwaches Ergebnis geben wird, damit hatten Beobachter der OB-Wahl in der Großen Kreisstadt Laupheim nicht gerechnet.
Dabei war die 51-jährige Verwaltungsfachfrau Scherer mit so viel Hoffnungen, mit so viel Elan in den Wahlkampf gegangen. Und mit viel Mut zum Risiko: „Ich hoffe, meine Wurzacher können mich verstehen und nehmen mir diese Entscheidung nicht übel“, hatte Alexandra Scherer bekundet, als sie am 21. Februar im Gemeinderat die Bombe ihrer Kandidatur platzen ließ. In der Tat war in der Riedstadt viel Verständnis zu vernehmen für den überraschenden, aber nachvollziehbaren Schritt der Bürgermeisterin, die sich in den vier Jahren ihres Amtens viel Anerkennung in Stadt und Land erarbeitet hat und der man den Wunsch, in ihrer Heimat den überraschend freigewordenen OB-Sessel zu erklimmen, nicht verübelt.
Das hat sie gut kommuniziert in Bad Wurzach, dass sie mit 51 Jahren eine Lebenschance wahrnehmen möchte, mit deren Eröffnung nicht zu rechnen war. 2017, als Gerold Rechle zum Nachfolger des glücklosen Laupheimer OB Rainer Kapellen gewählt wurde, war davon auszugehen, dass der damals 53-jährige Rechle zwei Perioden, also 16 Jahre amtieren würde – eine Wiederwahl vorausgesetzt. Es kam anders. Gerold Rechle erlag am 28. Dezember letzten Jahres einer schweren Krankheit.
Schon lange gibt es eine Liebe zwischen Alexandra Scherer und Laupheim, der Perle im Norden des Landkreises Biberach. Von 2004 bis 2012 war die Verwaltungsfachfrau Ortsvorsteherin in Obersulmetingen, einem Teilort der Großen Kreisstadt. „Laupheim ist die Stadt, die für unsere Kinder die Heimatstadt ist, der Ort ihrer Kindheit und Schulzeit“, hatte Scherer am 21. Februar ihren Schritt erklärt. Hier habe ihre Familie ihren Lebensschwerpunkt, hier gebe es einen gewachsenen Freundeskreis.
Im Wahlkampf hatte sie mit ihrer Wirtschaftskompetenz und mit familienpolitischen Schwerpunkten – die Boomtown Laupheim wächst nach wie vor – gepunktet und auch mit dem Pfund der Stadt-Land-Versteherin gewuchert, steht sie doch in Bad Wurzach einer Flächengemeinde mit neun Ortschaften vor, was in den vier Teilgemeinden Laupheims sicherlich wohlwollend vermerkt worden ist.
Dennoch hat es nicht gereicht. Und zwar deutlich.
Was ist, wenn sie am 24. April geschlagen ans Ried zurückkehrt? Oder jetzt gleich erklärt, zum zweiten Wahlgang nicht mehr antreten zu wollen?
Dann hat die Riedstadt ihre tüchtige Frontfrau wieder und sollte weitermachen, als sei nichts geschehen. Frau Scherer hat sich in ihren bisherigen vier Jahren bewährt, hat Einiges angeschoben, unter Bürkle Begonnenes zu Ende gebracht und sich als bürgernah und zugänglich gezeigt.
Und: Nachdem Hauptamtsleiter Frank Högerle vor einer Woche in der Laupheimer Landgemeinde Burgrieden die Bürgermeisterwahl gewonnen hat, braucht Bad Wurzach seine Nummer eins dringender denn je.
Kommentar Gerhard Reischmann
Der Kommentar stammt vom Abend des Wahlsonntags (19.00 Uhr). Am Montagabend (28.3.) hat Bürgermeisterin Alexandra Scherer in der Sitzung des Bad Wurzacher Gemeinderates ihren Rückzug von der Kandidatur in Laupheim erklärt.

