Bad Wurzach - Wind wurde uns in letzter Zeit ja zur Genüge beschert. Dies mag für manche Menschen eher unangenehm sein, für die Windbestäuber unter den Bäumen jedoch ist Wind ein nötiges Transportmittel zur Verbreitung ihrer Samen. Diese haben von den noch blattlosen Zweigen einen freien Abflug und können weit in andere Gebiete verteilt werden.
Die Hasel ist ein Vertreter dieser Gehölze. Die männlichen Blütenstände hängen jetzt üppig als leuchtend gelbe, bis zu 10 cm lange Kätzchen an den Ästen. Zur Freude der Bienen, für die der Pollen eine erste Nahrungsquelle im Jahr ist. Für die Bestäubung spielen Insekten hier allerdings keine Rolle. Der Blütenstaub gelangt mit dem Wind zu den weiblichen Blüten.
Typischer für feuchte Standorte wie Niedermoore sind die Erlen, die sogar zeitweise im Wasser stehen können. Auch bei ihnen werden noch vor dem Austrieb der Blätter die Pollen vom Winde verweht. Sie sind daher gefürchtete Heuschnupfenauslöser. Im reifen Zustand verholzen die weiblichen Blüten, so dass Erlen die einzigen heimischen Laubbäume sind, die Zapfen bilden. Im Wurzacher Ried kommen zwei Arten vor.
Bei der Schwarz-Erle ist die Borke im Alter schwarz und längsrissig. Die Blätter sind oval oder rundlich und am Ende gestutzt, so dass sie manchmal beinahe herzförmig erscheinen. Bei der Grau-Erle ist die Rinde der alten Stämme grau, die Blätter sind unterseits graugrün und besitzen eine deutliche Spitze.
Die Wurzeln von Erlen können bis zu vier Meter in die Tiefe reichen. Als Anpassung an nasse Standorte verfügen die Bäume über ein Durchlüftungssystem, das Luft bis in die Wurzeln und den angrenzenden Boden leitet. An den Wurzeln befinden sich Knöllchen, in denen Pilze große Mengen an Luftstickstoff binden und dem Baum als Nitrat zuführen. Durch diese gute Stickstoffversorgung müssen Erlen den im Blattgrün gebundenen Stickstoff nicht zwingend vor dem Blattwurf abziehen, wodurch die Blätter keine herbstlichen Verfärbungen aufweisen.
Die abgefallenen Blätter der Schwarz-Erle färben sich aber durch eine Reaktion mit Eisen schwarz, und wurden daher, genau wie die Borke, früher zum Schwarzfärben verwendet. Das Holz nutzte man für Wasserbauten und zur Herstellung von Holzkohle und Schießpulver. Heute ist es für die Möbelherstellung und zum Drechseln in Gebrauch.
Frisch geschlagenes Holz der Schwarz-Erle ist leuchtend organge-rot. Dieses „Bluten“ lieferte ausreichend Stoff für Schauergeschichten. Vom Weg abgekommene Wanderer fürchteten das Erlenweib, das im Morast wohnte und Menschen in die Tiefe zog. Es galt als Verkörperung der Erle und wurde mit Hexerei in Verbindung gebracht. „Erlenholz und rotes Haar, sind aus gutem Grunde rar“ lautet ein altes Sprichwort. Die große Berühmtheit der Erle in der Literatur beruht allerdings auf einem Übersetzungsfehler. Dieser machte aus einem Elfenkönig den Erlkönig.
Die männlichen Blütenstände der Schwarzerle vertrauen ihre Samen dem Wind an. Die weiblichen Blüten verholzen nach der Bestäubung zu kleinen Zapfen.
Presseinformation und Bild Naturschutzzentrum Wurzacher Ried

