Bad Wurzach - Bunte Farben machen sich derzeit noch rar im Wurzacher Ried. Nicht so bei manchen Vogelmännchen, die sich in ihrem Bemühen, ein Weibchen zu gewinnen, bereits mächtig in Schale werfen. Allen voran die männlichen Stockenten, Erpel genannt. Sie präsentieren ihr leuchtendes Farbenspiel aus gelbem Schnabel, metallisch grünem Kopf, purpurbrauner Brust und blau-weißem Flügelfeld.
Viele Erpel hatten mit ihrem Werben schon Erfolg, denn es schwimmen bereits einige Stockentenpaare gemeinsam auf der Wurzacher Ach. Die Männchen zeigen dabei ihre ringelförmig aufwärts gebogenen Steuerfedern, die sogenannten Erpellocken. Konkurrenten werden vehement verjagt. Auch die Paarfindung ist bei Stockenten häufig wenig romantisch. Nicht selten konkurrieren mehrere Erpel um eine Ente, stürzen sich auf sie und können sie dabei mitunter sogar ertränken.
Hat sich ein Paar gefunden, sucht es gemeinsam einen Nistplatz. Dieser liegt häufig direkt an der Uferböschung, manchmal auch abseits der Gewässer oder sogar an Gebäuden. Da gelegentlich auch auf den Stock gesetzte Weiden als Niststandort dienen, wird die Art seit dem 20. Jahrhundert Stockente genannt. Zuvor wurde sie, in Anlehnung an die Brutzeit, als März-Ente bezeichnet. Der Erpel verlässt nach dem Nestbau die Ente, die das Gelege mit bis zu 16 Eiern alleine bebrütet. Mit ihrem dunkelbraun gefleckten und gestrichelten Federkleid ist sie dabei in der Vegetation kaum zu erkennen. Auch die Männchen legen nach der Paarungszeit ein unauffälligeres und somit besser vor Feinden schützendes Federkleid an.
Damit sehen sie den Weibchen im Sommer täuschend ähnlich. Doch der einfarbig gelbe Schnabel verrät ihre zeitweise Tarnung im Frauenkleid. Bei den Weibchen ist der Schnabel orange mit dunkler Färbung auf dem First und an den Seiten. Neben reinfarbigen Vögeln lassen sich bei Stockenten häufig auch weitere Farbkombinationen, bis hin zu rein weißen Individuen, beobachten. Das liegt daran, dass die Stockente die Stammform der Hausente ist und sich sowohl mit dieser als auch mit anderen Entenarten verpaaren kann. Achten Sie beim nächsten Spaziergang entlang der Ach doch mal auf die unterschiedlichen Färbungen.
Sollte trotz aller Frühlingsgefühle bei den Stockenten ein erneuter Wintereinbruch die Gewässer zufrieren lassen, sind die Tiere gut gerüstet. Die dicht am Körper liegenden Daunenfedern schließen viel Luft zwischen sich ein und schützen so vor Kälte. Außerdem verhindert ein sogenanntes „Wundernetz“ im Körper das Festfrieren der Entenfüße auf dem Eis: Die feinen Blutgefäße in den Beinen liegen sehr dicht beieinander und funktionieren wie ein Wärmetauscher.
Das etwa 40 Grad warme Blut in den Arterien gibt auf dem Weg in die Füße seine Wärme an das kalte, aus den Füßen kommende Blut in den Venen ab. In den Füßen der Vögel kommt also nur kaltes Blut an. Dadurch geht einerseits kaum Wärme aus dem Körper verloren. Andererseits schmilzt das Eis unter den Entenfüßen nicht und friert somit auch nicht wieder fest. Eine faszinierende Anpassung, die neben Stockenten auch andere Wasservögel besitzen. Dicke Winterschuhe brauchen eben nur wir Menschen.
Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.
Presseinformationen und Bild Naturschutzzentrum Wurzacher Ried

