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Bad Wurzach (Kommentar) - Die Frage sei erlaubt: Wer ist und war die treibende Kraft im Landkreis hinter der Entscheidung, die Gelbe Tonne einzuführen? Nach dem veritablen Fehlstart, den die Entsorgungsfirma nicht nur in Bad Wurzach hingelegt hat, sollte diese Frage rasch geklärt werden.

Dass es laut Aussage der Pressestelle des Landratsamtes keine Vertragsbeziehung zwischen dem Landkreis und der Firma gibt, die solche Fälle regelt, stellt schon eine Verantwortungslosigkeit gegenüber den Bürgern dar. Niemand – weder Kommunen, Landkreisverwaltung, Kreisräte, Gemeinderäte und natürlich die Firma selbst, dürfen sich der Verantwortung für diesen Fehlstart entziehen.

Zum Teil wochenlang standen die ungeleerten gelben Tonnen am Straßenrand. Und das in einem Land das sich soviel auf seine Infrastruktur einbildet? In Thailand gibt es nichts dergleichen, dort kommt die (staatliche!) Müllabfuhr zweimal täglich(!). Oder die Tonnen verteilen – wie in einer Landgemeinde Bad Wurzachs geschehen –vom Winterwind umgestürzt, ihren Inhalt großzügig auf die Grundstücke des Nachbarn. Soviel zum Thema Privatisierung kommunaler Aufgaben.

Denn über die Privatisierung (im Falle der gelben Tonnen) versuchen sich die Kommunen, in diesem Fall die Städte und der Landkreis mit Berufung auf die Bundesverpackungsverordnung laut der der Handel für die Entsorgung zuständig ist, aus der Verantwortung herauszureden. Unstrittig ist aber, dass die Initiative die Tonnen einzuführen, mit vom Landkreis (wohl auf Druck der Entsorgungsunternehmen) ausgegangen ist .

Die Gewichtung der Verantwortung, Verpackungsmüll zu sparen, wird dem Bürger zugeschoben, der Handel versteckt sich hinter dem Dualen System – und das hat logischerweise wenig Interesse daran, sich das eigene Geschäft zu ruinieren. Anscheinend waren sich die Kreis- und Gemeinderäte, die diesem Systemwechsel ihre Zustimmung gaben, der Tragweite ihres Handelns und ihrer Verantwortung den Bürger gegenüber nicht in ausreichendem Maße bewusst.

Ein Reduktion des anfallenden Verpackungsmülles ist auf diese Art und Weise mit Sicherheit nicht zu erwarten. Für den Bürger ist es vorgeblich noch bequemer, denn beim „Gelben Sack“ wurde den Leuten noch sehr viel deutlicher vor Augen geführt, wie viel Müll da täglich und wöchentlich zu entsorgen war. Nun heißt es: Deckel zu und weg (=aus den Augen aus dem Sinn!). Abgesehen auch von der den Bürgern entzogenen Selbstbestimmung, wann sie ihren RaWeg-Sack zum Wertstoffhof bringen.

Dumm nur, wenn es wegen gröberer Indisponiertheit der beauftragten Firma, sowie deren mangelhaften Transparenz in der Kommunikation, dazu führt, dass die Tonne lange Zeit unberührt am Straßenrand steht. Denn während in einem Teil der Stadt pünktlich geleert wurde, schaute der Rest sauber in die Röhre.

Da sind die Tipps der Entsorgerfirma, die leeren Lebensmittelverpackungen ungespült und ohne „Umverpackung“ durch einen entsprechenden Müllsack in die Tonne zu werfen, noch das kleinste Problem für die Bürger. Obwohl auch hiermit der Umweltgedanke ad absurdum geführt wird: Der Reinigungsaufwand (für den Bürger) und damit der Wasserverbrauch erhöht sich damit enorm und steht dann in keinem Verhältnis zum angeblichen Gewinn für die Umwelt.

Dass Bad Wurzach kein Einzelfall ist zeigen die Beispiele von Ravensburg, wo OB Rapp laut Zeitungsbericht „bereits der Kragen geplatzt ist.“ Und Isny, wo selbst Bürgermeister Rainer Magenreuter persönlich betroffen war.

Das Argument der Entsorgungsfirma, die Fahrer würden sich nicht auskennen, zieht nicht: Die Firma hatte lange genug Zeit, sich auf diesen Einsatz vorzubereiten, das geht klar auf das Konto der Firma, zumal die Fahrer ja beim Verteilen der Tonnen sich bereits mit den Gegebenheiten hätten vertraut machen können! Das sich der Landkreis für einen solchen Fall nicht abgesichert hat, grenzt an (grobe) Fahrlässigkeit.

Mit einem Ansprechpartner im Landratsamt, der den ganzen Ärger der Bürger abbekommt, wie es Ravensburgs OB fordert, wird es leider nicht getan sein. Zumal, wie meist in solchen Fällen, Anrufer in der Warteschleife landen werden. Da müssen sich die Kreisverantwortlichen schon vertraglich und juristisch absichern....

Ach ja, und obwohl es über Nacht Neuschnee gab, war die „normale“ Müllabfuhr an diesem Dienstagmorgen wie an jedem Abfuhrtag pünktlich zur Stelle.

 

Uli Gresser

 

 

02UG Portrait gelbe Tonne

 

Bericht und Bild Uli Gresser

 

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halloRV

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