Bad Wurzach - Zugegeben, Beeren-Saison ist aktuell nicht. Doch die verholzten, vereinzelt kniehohen Beerensträucher stechen derzeit im Wurzacher Ried an vielen Stellen ins Auge. Allen voran die Rauschbeere, auch Moorbeere, Trunkelbeere oder Nebelbeere genannt.
Sie ist ein sommergrüner Strauch aus der Familie der Heidekrautgewächse, nahe verwandt mit der Heidelbeere und im Wurzacher Ried mitunter auch in deren Gesellschaft zu finden.
Von ihr unterscheiden lässt sich die Rauschbeere einerseits anhand der grau-blau überhauchten Blätter, die sich vom leuchtend grünen Laub der Heidelbeere absetzen.
Im Winter ist die Unterscheidung der blattlosen Sträucher anhand der Stängel möglich, die bei der Rauschbeere bräunlich und rund, bei der Heidelbeere hingegen grün und vierkantig sind. Am sichersten jedoch ist die Unterscheidung anhand des Zungentests: Färbt sich die Zunge nach Verzehr der Beeren auffällig lila-blau, so handelt es sich um Heidelbeeren.
Beim Verzehr der Rauschbeeren hingegen bleibt die Zunge farblos, denn das Fruchtfleisch der äußerlich blauen Früchte ist weiß. Vielleicht fragen Sie sich jetzt, ob der beschriebene Zungentest überhaupt gefahrlos durchgeführt werden kann? Schließlich steht die Rauschbeere im Ruf, rauschartige Zustände mit Erregung, Schwindelgefühl, erweiterten Pupillen und Erbrechen zu verursachen.
In der Literatur findet man hierzu widersprüchliche Angaben. Inzwischen geht man jedoch davon aus, dass derartige Vergiftungserscheinungen nur auftreten, wenn die Beeren mit einem bestimmten Schlauchpilz infiziert sind, der psychotrope Substanzen enthält. Zudem muss schon eine große Menge infizierter Beeren verzehrt werden.
Der Name Rauschbeere hingegen leitet sich mit ziemlicher Sicherheit nicht von einer möglichen berauschenden Wirkung ab. Wahrscheinlich ist die Herkunft vom lateinischen Begriff „ruscus“, der Gestrüpp bedeutet, oder aber vom mittelhochdeutschen Wort „rusch“, die Binse, was auf den nassen Standort der Pflanze hindeutet. Hierauf zielt auch der wissenschaftliche Artname der Rauschbeere „Vaccinium uliginosum“ ab, der mit sumpfliebende Beere übersetzt werden kann.
Dies ist jedoch irreführend, denn die Rauschbeere wächst nicht im Sumpf, sondern auf feuchten, torfhaltigen Böden in Hoch- und Waldmooren. Die Begriffe Sumpf und Moor wurden früher jedoch häufig nicht sauber voneinander getrennt. Im Wurzacher Ried ist die Rauschbeere verbreitet in den Hochmooren und Übergangsmooren zu finden und dort häufig mit der Moorkiefer vergesellschaftet.
Sie ist eine wichtige Futterpflanze der Raupe des Hochmoorgelblings. Diese Schmetterlingsart ist stark gefährdet und in ihrem Vorkommen von der Rauschbeere abhängig. Den Schmetterling zu entdecken ist ein wahrer Glückstreffer, die Rauchbeere hingegen begleitet den Riedbesucher an vielen Stellen. Ernten darf man die Beeren im Naturschutzgebiet natürlich nicht. Aber bei einer Führung mit dem Naturschutzzentrum dürfen Sie gerne mal eine Beere kosten – und sich dann von der Schönheit des Moores berauschen lassen.
Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.
Bericht Vaneska Ulmer

