Bad Wurzach - Seit dem Jahreswechsel liegt das aktuelle Veranstaltungsprogramm des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried im Naturschutzzentrum aus. Rund 200 Veranstaltungen – Wechselausstellungen, Seminare, Vorträge, Führungen – weist das 80 seitige Werk für Naturfreunde aus, insgesamt rechnen Dr. Siegfried Roth und sein Team mit rund 300 ( inklusive Führungen für Schulen und Fachgruppen)Veranstaltungen für dieses Jahr.
„Wir hoffen darauf, dass dieses Jahr wieder ein normales Jahr wird.Wir haben mit viel Zuversicht und Eifer das neue Jahresprogramm gestaltet und können unter Pandemie-Bedingungen derzeit auch mit den meisten Veranstaltungen starten“, sagt Dr. Siegfried Roth, seit September der Leiter des ältesten Naturschutzzentrums in Baden-Württemberg. „Das Naturschutzzentrum sieht sich als Umweltbildungsstätte in ganz besonderem Maße dem Erhalt der Biodiversität verpflichtet.
Deswegen steht auch in diesem Jahr das Programm ganz im Zeichen von Artenvielfalt, zumal der „Oberschwäbische Naturschutztag“ in den letzten beiden Jahren coronabedingt abgesagt werden musste.“ Dieser soll in diesem Jahr unter dem Motto: „Artenvielfalt fördern – Kleine Maßnahmen, große Wirkung“ Ende Mai in Leutkirch stattfinden in Kooperation mit dem Bund für Naturschutz in Oberschwaben e.V., der Stadt Leutkirch und dem Umweltkreis Leutkirch.
Bad Saulgau wird an diesem Tag ihr bundesweit ausgezeichnetes Biodiversitätskonzept vorstellen, daneben werden verschiedene Exkursionen sowie eine ornithologische Frühwanderung angeboten. Die bundesweit veranstaltete NaturErlebnisWoche findet in diesem Jahr von 30.April bis 08.Mai
mit diversen Führungen und Fortbildungsreihen wie „Faszinierende Farbenpracht“ oder „Natur rund ums Haus“, statt.
Für das Biologische Kolloquium in Zusammenarbeit mit dem Salvatorkolleg, das in den vergangenen beiden Jahren ebenfalls abgesagt werden musste, das am 19. März stattfinden soll, konnte Prof. Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum Halle gewonnen werden. Dessen Vortrag „Artensterben, Klimawandel, Pandemien: Warum wir dringend handeln müssen!“ knüpft somit an die aktuelle Diskussion zu den Themen Biodiversität und globale Krisenbewältigung unmittelbar an.
Nach der Eigenproduktion „Eiben – Hommage an eine uralte Baumart“ die in diesen Tagen endet, präsentiert der Landschaftserhaltungsverband Ravensburg (LEV) vom 9. Februar bis 8. Mai eine neu konzipierte, multimediale Ausstellung zum Moorfrosch-Projekt in Oberschwaben.
Die Freude darüber ist bei Siegfried Roth groß, denn „das Naturschutzzentrum unterstützt die Bemühungen des Landkreises Ravensburg , den Moorfrosch in Moorgebieten wie dem Wurzacher Ried durch Optimierung seines Lebensraumes sowie durch weitere Schutzkonzepte zu bewahren“. Begleitveranstaltungen sollen ein Vortrag über Amphibien im Landkreis Ravensburg sowie eine Exkursion zur Moorfrosch-Aufzuchtstation in Langenargen sein.
Von Mitte Mai bis Mitte Juli ist dann die poetische Fotoausstellung Wiesengeflüster von Autorin und Fotografin Valerie Forster aus Neukirch im Gewölbegang zu sehen. Die Künstlerin rückt dabei das Thema Blumenwiese in den Mittelpunkt.
Seine Objekte und Skulpturen aus Flusssteinen zeigt Künstler und Allgemeinarzt Dr. Dietmar Hawran aus Ravensburg unter dem Titel „Migranten – Die 2. Welle“ von Ende Juli bis Anfang Oktober. Er thematisiert damit die Wanderungsgeschichte der Steine, aber auch die Wandlungsprozesse von Flora und Fauna.
„Tarnen und Täuschen“ lautet zum Jahresabschluss lautet der Titel der Fotoausstellung der Fotografenfamilie Hofmann aus Kempten. Die Bilder zeigen eindrucksvoll wie faszinierend und unglaublich die Tarnung und Täuschung in der Tierwelt sein kann.
In dem Seminar „Lokaler Klimaschutz und Erhalt der Artenvielfalt durch nachhaltiges Grünflächenmanagement“ können Mitarbeiter/innen von Bauhöfen, Stadtgärtnereien und Straßenmeistereien lernen bei der Anlage, Pflege und Entwicklung öffentlicher Grünanlagen Lebensräume zu schaffen und damit aktiv zum Erhalt der Artenvielfalt bei zu tragen.
Weitere Seminare, etwa der Gräser-Bestimmungskurs „Grasartige am Beispiel Oberschwabens“ sowie das Grundlagenseminar „Heuschrecken – Arten und Habitate zur Erfassung, Bestimmung und Bewertung von Populationen im Wurzacher Ried“ bieten Fortbildungsmöglichkeiten, um bei Kartierungen präzisere Artenbestimmungen zu erreichen.
Neben den klassischen naturkundlichen Führungen ins Obere und Untere Ried, den Wanderungen ins ehemalige Torfabbaugebiet oder den Touren ins Haidgauer Quellseegebiet werden auch Führungen mit botanischen und pflanzenkundlichen Schwerpunkten angeboten.
Wer mehr über die Tierwelt im Wurzacher Ried erfahren möchte, kann sich einer Biber-Spurensuche im Winter anschließen oder sich im Sommer auf Entdeckungsreise in die Welt der Fledermäuse begeben. Ob zu Bibern, Fledermäusen oder Vögeln, das Naturschutzzentrum hat ein großes Angebot an Führungen zu bieten.
Ebenfalls im Programm sind Führungen mit literarischem Rahmenprogramm. Bei der Riedführung Pfeifengras und Poesie liest Autorin Valerie Forster Geschichten und Gedichte aus ihren Naturinterpretationen. Neu im Programm ist der schaurig, schöne Märchenspaziergang „Geschichten und Märchen im Moor“ mit der Märchenerzählerin Elvira Mießner.
Dr. Nicole Jüngling, gemeinsam mit Sabrina Schiller zuständig für den Bereich Umweltbildung, weist auf die zahlreichen Angebote für Familien und Kinder hin. so habe man das Angebot des Moorerlebnisrucksackes während der letzten beiden Jahren erweitern können.
Auch in den Ferien bietet das Naturschutzzentrum Möglichkeiten an: In den Osterferien gibt es z.B. einen Wildbienenaktionstag, in den Sommerferien einen Naturerlebnistag und Open-Air-Kino. Sehr beliebt sind auch die Moorerlebnis Geburtstage.
Auch Dr. Siegfried Roth wird sich aktiv am Programm beteiligen: Mit dem Vortrag und der Exkursion „Aus der Landschaft lesen lernen“ befasst er sich am 17. September damit, wie der Mensch seit 7.000 Jahren das Gesicht des Naturraumes prägt, etwa durch Ackerraine, Streuwiesen und Weiher. Eine weitere neue Aufgabe des Zentrums sie Roth in der Unterstützung des Landkreises bei der Einrichtung des Biosphärengebietes, zu dem er einige Infoveranstaltungen plant. „Das ist eine Riesenchance für die Region. Dazu wollen wir unseren Beitrag leisten.“
Wegen Corona machen sich Jüngling und Roth keine Sorgen: „Mit 2G und kleinen Gruppen draußen, kann kaum etwas passieren.“

Bericht Uli Gresser

