Bad Wurzach - COACHING4FUTURE ist eine Initiative der Baden-Württemberg Stiftung gemeinsam mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall und der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit. Damit wollen diese dem Fachkräftemangel in den MINT-Berufen entgegenwirken und die zukünftigen Schulabgänger für diese Berufe zu begeistern.
Bei den Neunt - und Zehntklässlern der Werkrealschule Bad Wurzach versuchten dies die Neurobiologin Victoria Schöffler und der Nanowissenschaftler Heiko von der Heide.
Auf ihrer Tour durch Süddeutschland machten die beiden jungen MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften u. Technik)-Akademiker in der Werkrealschule Bad Wurzach Station. Das Team zeigte in den vier jeweils 90 Minuten dauernden Coaching-Einheiten anhand eines multimedialen Vortrages und vielen anschaulichen Technik-Beispielen „zum Anfassen“, welche Berufsbilder hinter diesen zukunftsweisenden Entwicklungen stecken.
Aus fünf Themenbereichen wählte die Klasse 9g bei der ersten Einheit zwei aus und so befassten sich die Schüler und die beiden Coaches in dem rund eine Stunde dauernden Vortrag mit dem Thema „Menschen Helfen“ und hier insbesondere mit der Entwicklung von modernen Prothesen und dem Thema „Die Welt retten“ sowie den jeweils damit zusammenhängenden Berufsbildern.
Als Einstieg zum ersten Thema zeigten die Coaches Bilder von paralympischen Profisportlern mit ihren „Lauffedern“.
Diese sind wie viele Entwicklungen des Menschen dem Körperbau von Tieren, in diesem Fall den Hinterläufen der schnellsten Raubkatze, nämlich des Gepard, nachempfunden. Moderne Beinprothesen bestehen aus Carbon und Titan sowie elektronischen Bauteilen und werden individuell für den Nutzer hergestellt. Berufsbilder sind neben dem Orthopädiemechaniker, der am Ende die einzelnen Teile zusammensetzt und die Feinabstimmung durchführt, so dass die Träger „damit Bewegungen machen können, die wir nicht einmal mit unseren gesunden Beinen machen können,“ Zitat: Victoria Schöffler, auch der des Mecatronikers, bei dem Physik eine große Rolle spielt.
Nanowissenschaftler Heiko von der Heide führte die sehr interessierten Schüler in die Welt der Nanopartikel ein. Um den Kids einen Größenanhaltspunkt zu geben brachte er folgenden Vergleich: „Ein Nanopartikel, dessen Anwendungsgebiet in der Medizin bereits in der Bekämpfung von Tumoren liegt, verhält sich größenmäßig zu einem Fußball wie dieser zur gesamten Erdkugel.“ Eine ganz besondere Flüssigkeit, Ferrofluid, von der die beiden Wissenschaftler eine kleine Menge mitgebracht hatten, spielt dabei ein ganz besondere Rolle. Die Berufsbilder, die für die Schüler hierbei interessant sind: Biologisch-technisch Assistent(in), Produktionstechnologe bzw. -technologin sowie Pharmakant(in).
Bei dem zweiten Thema, das sich die Schüler ausgesucht hatten, „Die Welt retten“ drehte sich vieles um die Technologien, mit denen der Plastikmüll aus den Weltmeeren entfernt werden kann. Schöffler und von der Heide hatten dazu alarmierende Zahlen parat: Die größte „Plastikinsel“ die – als eine von vielen – auf den Weltmeeren treibt, hat eine Größe, die viermal so groß (!) ist wie die Bundesrepublik.
Dazu kommen noch die ewig langen Zeiten bis Müllteile aus verschiedenen Materialien vollständig verrottet sind: Eine Einwegwindel oder eine Plastikflasche brauchen 450 Jahre, eine Alugetränkedose 200 Jahre, ein Styroporbecher immer noch 50 Jahre und selbst eine Zigarettenkippe braucht zwischen ein bis 5 Jahre bis sie vollständig verschwunden ist.
Zumal bis heute nur etwa 9% des Plastikmülls recycelt wird. Zwar gibt es bereits Technologien, wie der Müll aus den Meeren geborgen werden kann, ein sinnvollerer Ansatz aber ist derjenige der Müllvermeidung: Eine Brauerei in den USA hat die Sixpackringe aus Plastik durch Ringe hergestellt aus der Braumaische, einem Abfallprodukt beim Bierbrauen, ersetzt.
Eher zufällig wurde auch ein Stoff mit ganz speziellen Eigenschaften entdeckt: Die Watt-Watte. Mit dieser Wunderwatte ist kann man z.B. bei Ölhavarien das Öl auffangen, von der Watte trennen und diese auch wiederverwenden. Sehr nachhaltig und per Zufall entdeckt, hilft sie heute vor allem, an Lecks bei Ölpipelines in Afrika das ausgelaufenen Öl zu separieren. Interessante Berufsbilder sind etwa der des Umweltschutztechnischen Assistenten/ Assistentin, Produktionstechnologe/ -technologin oder Pharmakant/in.
Damit die Vorträge nicht zu trocken daherkamen, hatten die jungen Referenten viele Beispiele mit gebracht: Mit am meisten beeindruckte die Schüler das T-Shirt mit einer Art aufgedrucktem Code, dem menschlichen Skelett nachempfunden. Beim Einlesen in das Smartphone erschienen plötzlich auf dem Display das komplette menschliche Innenleben, die Organe, das Skelett etc. per „Augmented Reality“.
Nach wie vor ist es so, dass zu wenige Jugendliche eine Ausbildung oder ein Studium im MINT-Bereich ergreifen, häufig aufgrund von Vorurteilen und mangelndem Hintergrundwissen über die vielen Möglichkeiten, die technische Berufen bieten. Mit der COACHING4FUTURE Initiative leistet die Kooperation mit ihren Informationsmöglichkeiten einen wichtigen Beitrag für die Berufsfindung von Schülern.
Auf der Website www.coaching4future.de kann jeder mit dem Karriere-Navigator kostenlos testen, welcher MINT-Beruf eventuell für ihn in Frage kommt.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

