Bad Wurzach - Es zählt zu den beliebtesten Vogelarten Deutschlands und wurde im Jahr 2021 sogar zum Vogel des Jahres gewählt: Das Rotkehlchen. Es leuchtet ebenso aus den winterlich, kargen Büschen wie die Früchte des Pfaffenhütchens, von denen es gerne nascht.
Nicht nur die Kehle, sondern auch die Stirn und die Brust des kleinen Vogels sind rostorangerot gefärbt. Typisch sind auch seine Bewegungen: Hüpfen, Knicksen, kurz den Schwanz aufstellen und ruhig verharren – dann wieder Hüpfen.
Die Gründe, warum gerade das Rotkehlchen die erste öffentliche Vogelwahl für sich entscheiden und sich gegen mehr als 300 Mitbewerber durchsetzen konnte, sind wohl seiner großen Beliebtheit geschuldet. Die rundliche Gestalt und die dunklen Knopfaugen verleihen ihm ein drolliges Aussehen.
Auch die bisweilen große Zutraulichkeit bringt Sympathiewerte. Wenn bei der Gartenarbeit Erde frisch gelockert wird, nähern sich Rotkehlchen manchmal bis auf wenige Meter. Dabei durchsuchen sieden Boden nach Würmern, Asseln, Spinnen und Kleingetieren, die sie mit dem feinen, pinzettenartigen Schnabel greifen können.
Unter Artgenossen hingegen sind Rotkehlchen weniger gesellig. Im Sommer werden der Neststandort und das Nahrungsrevier mit weit vorgestreckter Brust von einer erhöhten Singwarte aus lautstark abgegrenzt und auch mal rabiat verteidigt.
Als eine von wenigen Vogelarten singen Rotkehlchen noch nach Einbruch der Abenddämmerung und verteidigen auch im Winter ihre Nahrungsgebiete mit ihrem perlenden Gesang. Und auch die Weibchen singen – eine weitere Besonderheit im Vogelreich. Fühlen sich Rotkehlchen gestört oder bedroht, stoßen sie kurze, schnelle Tick-Laute aus. Trotz der auffälligen Färbung können sie dann schnell in der Vegetation verschwinden.
Einer Legende nach war das Rotkehlchen übrigens ehemals einfarbig braun. Als Jesus Christus ans Kreuz geschlagen wurde, hatte das Vögelchen Mitleid und zog mit dem Schnabel einen Dorn aus seiner Krone. Dabei besprenkelte es sich mit Blut und erhielt so seine rötliche Färbung. In diesem Sinne – eine schöne Adventszeit.
Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.
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Foto NAZ
Bericht Valeska Ulmer

