Bad Wurzach - Acht Tage, 1.500 Kilometer gefahren und viel Dankbarkeit erfahren durften die beiden Vertreterinnen des DRK-Kreisverbandes, die im Ahrtal Hilfe leisteten und mit ihrer Spendenaktion den Flutopfern ein wenig helfen konnten.
Fast hätten sie nicht alle Sachspenden mitnehmen können, so großzügig haben die Arnacher und Eintürner bei ihrer Spendenaktion „Hilfe fürs Ahrtal“ unterstützt.
Da kam Marina Binzer noch auf die Idee, die hinteren Sitze bei dem VW-Caddy des DRK-Kreisverbandes auszubauen, um die Ladefläche nochmals zu vergrößern. Das Auto war brechend voll bis unters Dach: „Die Kollegen von der Polizei hätten uns nicht anhalten dürfen,“ lachen die Beiden. „Aber sie haben stattdessen immer freundlich gewunken.“
Für diese riesige Spendenbereitschaft bedanken sich die Beiden jetzt am Tag nach ihrer Rückkehr nochmals ausdrücklich im Namen der zahlreichen namenlosen Empfänger.
Sehr berührt hat sie, als sie in einem Kindergarten gespendete Adventskalender und Schokonikoläuse ablieferten, die ein Kollege aus Nürtingen gespendet bekommen hatte. Die Dankbarkeit der Kinder und ihrer Betreuerinnen hat sie zu Tränen gerührt.
Ein Nachbar des Versorgungscamp Attenburg erzählte ihnen, wie er die Flut kommen sah, als nämlich das Wasser die leichte Steigung in seiner Straße bergauf floss. Wenigstens konnten er und seine Frau auf dramatische Weise noch ihr Auto und ihren Hund in Sicherheit bringen.
Ein anderer Nachbar war so damit beschäftigt, sein Hab und Gut ins obere Stockwerk zu bringen, dass er das Auto vergaß und dieses von den Wassermassen weggeschwemmt wurde.
Um wenigstens ein wenig „Normalität“ zu simulieren, steht vor jedem Gebäude ein Weihnachtsbaum. An vielen Brückengeländer flattern bunte Bänder um wenigstens etwas Farbe in die eh schon graue Jahreszeit zu bringen.
Binzer und Brugger haben eh den Eindruck, dass sich die Situation – ihrer Wahrnehmung nach – eher verschlechtert hat: Weil so viele Lkw´s mit Boden und Bauschutt beladen durch die Gegend fahren, haben sich die Straßen in schmierige Pisten verwandelt. Auch ist das nasskalte Wetter – in den Höhenlagen pfiff der Wind schon gewaltig – für die Helfer keine sehr schöne Erfahrung, weil es für sie keine Möglichkeit zum Aufwärmen gibt.
Herzerwärmend sind für die beiden DRK-Mitarbeiter die spontanen Dankesbekundungen der Leute. Sehr oft wurden sie in diesen acht Tagen als Engel bezeichnet Eine wildfremde Frau hat ihnen eine kleine Tüte durchs Autofenster zugesteckt: Sie bekamen ein handgestricktes Engelsöckchen mit folgender Widmung: „Weil Engel nicht überall sein können, gibt es Engel wie dich. Danke für deine wunderb„ahr“e Hilfe.“
Natürlich haben die beiden auch nette Anekdoten parat: Weil sie auf ihren Touren viele Sachen dabei hatten, das an diesem Tag nicht gebraucht wurde, blieb diese über Nacht im Auto. Und so kam es, dass ihnen schon mal das Spülmittel eingefroren ist. Darauf aufmerksam wurden sie, als eine Frau meinte, sie bräuchte dringend Spülmittel: „Haben wir, aber das musst Du halt erst auftauen,“ sagten sie zu der Frau.
Aus ihren jetzt gemachten Erfahrungen wissen Marina Binzer und Monika Brugger, dass, wenn jemand der eventuell selbst eine ähnliche Aktion plant, das nur funktioniert, wenn derjenige Jemanden vor Ort kennt.
An dem „Haus der Helfer“ an dem sich auch Binzer und Brugger mit ihren Handabdrücken verewigt haben, steht: „Alle elf Minuten verliebt sich ein Helfer in das Ahrtal“. Die beiden können das nur bestätigen: „Wir werden wieder hinfahren.“ Privat und um den Tourismus, von dem die Region bis zur Flut gelebt hat, wieder anzukurbeln, wollen sie wiederhinfahren.
Auch wenn sie überzeugt sind, dass es noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauert, bis sich das Leben in den Orten und Dörfern wieder normal anfühlen wird.
Bericht Ulrich Gresser




