Bad Wurzach - Seit dem 1. September ist Dr. Siegfried Roth Leiter des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried und damit Nachfolger von Horst Weisser. Er zieht eine erste Bilanz über die spannenden ersten beiden Monate.
Dr. Siegfried Roth hat Agrarwissenschaft studiert, mit einer Arbeit über Moore promoviert. Er war Schulleiter einer katholischen Bauernschule, Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbundes und Fachaufsicht des Pfrunger/Burgweiler Riedes. Zuletzt war er sechs Jahre Geschäftsführer des Unesco-Bioparkes Schwäbische Alb und damit zuständig für Natur-, Biotop- und Geotopschutz.
In dieser Zeit habe er viele Erfahrungen in Verwaltung und Personalführung sammeln können, die ihm jetzt zugute kommen.
„Die Arbeit hier in Bad Wurzach macht mir viel Spaß,“ sagt er. Ein Anfänger hätte als Leiter des Naturschutzzentrums größere Schwierigkeiten. „Ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit. Wir haben ein sehr gutes Team, das fachlich und menschlich gut passt.“ Auch zu Bürgermeisterin Alexandra Scherer, von Amts wegen Chefin der Stiftung Naturschutz, habe er einen guten Draht: „Sie ist eine tolle Bürgermeisterin mit Visionen.“ Naturschutz sei nur ein Aspekt seiner Arbeit, zu seinem Aufgabenbereich zählt auch die Landschaftspflege.
Während seiner ersten Monate bekam er viel Besuch: Staatsekretäre und Bundes- und Landtagsabgeordnete waren schon da. Aber auch sonst gebe es viel zu tun:
„Koordination von Naturschutz- und Landschaftsschutzmaßnahmen, eine neue Geschäftsordnung für das Naturschutzzentrum musste auf den Weg gebracht werden, das Jahresprogramm für das kommende Jahr zusammengestellt werden und das Positionspapier des BNO zum geplanten Biosphärengebiet Oberschwaben erarbeitet werden.“
Beim Biosphärengebiet stellt sich Roth eine führende Rolle von Bad Wurzach mit seinem Europa diplomierten Ried vor. „Ich finde es schade, dass die Landwirtschaft das Gebiet gleich so negativ sieht. Denn die Landwirte profitieren davon ja am meisten.“ Aber er ist optimistisch dass sich das Meinungsbild bald ändert, wenn die Leute erkennen, dass das Gebiet eine Bereicherung ist und sich eine Wertschöpfung daraus ergebe.
Er denkt da eine Regionalmarke „Was guat´s aus dem Moor“ wie zum Beispiel etwa Wasserbüffelmozzarella. Oder an die Imker, die einen ganz besonderen Honig anbieten können. Dies stärke auch die Identifizierung mit dem Ried: „Es ist wichtig dass die Bürger stolz sind auf ihr tolles Ried.“ Ein sehr positiver Aspekt auf diesem Weg ist auch der Bau des Turmes im Ried, denn es sei wichtig, das Ried nicht isoliert zu sehen, sondern als Teil der Kulturlandschaft.
Siegfried Roth bekennt sich auch als Fan des Blutrittes. Die Volksfrömmigkeit sei Teil des kulturellen Erbes, auch wenn sie, obschon ein Teil des Weltkulturerbes, heutzutage gegen den Ruch des Verdächtigen ankämpfen muss. „Meine Oma hat, als ich ihr meine erste Freundin vorstellte zuerst gefragt, ob sie katholisch ist, bevor sie nach dem Namen gefragt hat.“
Als Projekte für die Zukunft hat sich Roth einiges vorgenommen: Er möchte BNO und NaBu und andere Vereine näher zusammenführen. Die eiszeitlichen Moränen und Tobel sollen wie die Toteisseen mit auf die Beschilderungen der Rad- und Wanderkarten aufgenommen werden. Oder der naturgeschichtliche Hintergrund des Rohrsees solle in Form eines Flyers oder ähnlichem dargestellt werden.
Aber auch ganz profane Dinge werden Siegfried Roth zukünftig beschäftigen. Er komme gerade aus dem Ried, weil ein Biber mal wieder einen Kanal angestaut hat und nun überlegt werden musste, was zu tun ist, “ sagte er dazu, weswegen der Interviewtermin um einige Stunden verschoben werden musste.
Bericht und Bild Uli Gresser

