ARNACH - Die vom Dekanat Allgäu-Oberschwaben am 23. Oktober veranstaltete Kapellenradtour rund um Arnach konnte bei bestem Herbstwetter durchgeführt werden. Tourenführer waren Gebhard Baumann und Gerhard Reischmann.
Beim Start am Arnacher Gemeindehaus St. Ulrich waren es ein Dutzend Personen; während der Tour gesellten sich etliche Kapellenfreunde dazu. Von Arnach ging es nach Rahmhaus, dann weiter über Übendorf und Hünlishofen nach Riedlings, dann an Brugg vorbei nach Geboldingen und von hier zurück nach Brugg, wo der Abschluss war.
Die Tourenführer und die örtlichen Kapellen-Liebhaber boten den Teilnehmern ein schönes Programm: eine Fülle an Infos rund um die kleinen Gotteshäuser und stets auch einen meditativen Impuls. Gebhard Baumann übernahm hierbei die Gebets- und Gesangsführung. Die Erläuterungen in den jeweiligen Kapellen machten Maria Rief (Rahmhaus), Steffi Ludescher (Übendorf), Sieglinde Gresser (Hünlishofen), Gerhard Fimpel (Riedlings), Gerhard Reischmann (Brugg) und in Geboldingen Gebhard Baumann mit Manfred Miller.
Baugeschichtliches, stets etwas zum Läuten, zur Ausstattung, zu den Patrozinien, zur örtlichen Andachtspraxis - all das wurde engagiert und mit spürbarer Liebe zum Objekt dargestellt. Interessante Details und Begebenheiten kamen zum Vorschein. So wusste Maria Rief von der Weihe der Rahmhauser Kapelle anno 1870 Folgendes zu berichten: Die Pfarrgemeinde Arnach, zu der Rahmhaus gehört, sei mit Kreuz und Fahne hergepilgert. Kreuz und Fahne verblieben seinerzeit in der Kapelle - als Gastgeschenk. Das Vortragskreuz ist heute noch vorhanden; die im Laufe der Zeit unansehnlich gewordene Fahne kam vor Jahrzehnten abhanden (Maria Rief hat das Textil noch vor Augen).
Und Manfred Miller (Jahrgang 1942) wusste noch von der glockenlosen Zeit, nachdem man im Krieg (wohl 1942) das alte Geboldinger Glöcklein hatte abliefern müssen; bis 1950, bis zur Anschaffung der neuen Glocke, läutete man behelfsmäßig mit einer Schepp'r-Bimmel, er meint, es sei eine Kuhglocke gewesen.
Einige Stichworte zu den einzelnen Kapellen: In Übendorf wechselt der Mesnerdienst stets auf Martini (11. November). In Hünlishofen musste man wegen des Brandunglücks die Zusammenkunft vor der Kapelle abhalten. Die Riedlingser Statue der Himmelskönigin mit dem Jesuskind stammt ursprünglich aus Altmannshofen, war vermutlich zum Bau der Kapelle anno 1817 nach Riedlings übertragen worden. Die Geboldinger Kapelle ist schon auf der Urkarte von 1825 eingezeichnet - damals noch kleiner als heute. Das Holz für die Brugger Kapelle wurde im Winter 1693/1694 geschlagen.
In Ergänzung zu den Ausführungen von Gerhard Fimpel verlas Gerhard Reischmann in Riedlings zusammen mit einer Teilnehmerin das Lebensbild der von dort stammenden Klosterfrau Theresia Dorn (Sr. Redempta, 1918 – 1998); er vermutet, dass Sr. Redempta, eine Steyler Missionsschwester, den Anstoß für das Anbringen der würdigen Gedenktafel gegeben hat, die an die drei Riedlingser Gefallenen des Zweiten Weltkrieges erinnert, jeder von ihnen der einzige Sohn der jeweiligen Bauersfamilie (Ulrich Dorn, gefallen 1942 in Russland im Alter von 19 Jahren - heute Hof Engler / Bruder von Sr. Redempta; Max Dorn, gefallen 1943 in Russland im Alter von 20 Jahren - heute Hof Hummel; Karl Rast, gefallen 1944 in Russland im Alter von 32 Jahren - heute Hof Fimpel).
In Brugg wurde das Gemälde „Sebastian und Rochus“ betrachtet, das von der Besitzergemeinschaft unter Mithilfe vieler Spender im Jahre 2017 restauriert worden ist. Restaurator Erwin Roth (Ausnang) hatte damals im Bilderrahmen eine abgeplättete Kugel vorgefunden. Gerhard Reischmann vermutet, dass das Gemälde einst in einem Schützenhaus oder einer Schützen-Wirtschaft gehangen hatte und dort einen Querschläger eingefangen hat (Sebastian ist Patron auch der Schützen).
Dass das Bild eigens für die Brugger Kapelle angefertigt worden sein könnte, ist nicht anzunehmen. Wo sollte die Kugel herkommen? Beschuss in der Kapelle? Außerdem passt die Anordnung der beiden Heiligen auf dem Bild nicht zur Brugger Heiligenhierarchie: Sebastian, in Brugg der Nebenpatron, ist links im Erstblickkontakt abgebildet, Rochus, der Hauptpatron, auf dem Gemälde optisch gleichrangig und eben nicht vorrangig, kommt beim „Lesen“ des Bildes an zweiter Stelle.
Weiter wurde viel Geschichtliches und auch Anekdotisches zur Brugger Kapelle berichtet und es wurde, weil Rochus ja ein himmlischer Helfer in Seuchenzeiten ist, ein Corona-Gebet gesprochen. Bevor es zur Hockete auf den Vorplatz ging, stimmte Gebhard Baumann das „Großer Gott“ an. Margit Reischmann und Agnes Ringer sorgten im Freien für die Bewirtung.
Gebhard Baumann hat bekundet, die Arnacher Kapellenradtour Teil 2 (Humberg ...) nächstes Jahr anzubieten; Gerhard Reischmann würde da auch mitwirken. Auch die diesjährige Tour soll gelegentlich wiederholt werden.
Die Bilder von den Kapellenführerinnen und -führern zeigen (in dieser Reihenfolge): Maria Rief (Rahmhaus), Steffi Ludescher (Übendorf), Sieglinde Gresser (Hünlishofen), Gerhard Fimpel (Riedlings), Gebhard Baumann (Geboldingen), Manfred Miller Geboldingen) und Gerhard Reischmann (Brugg; mit Teilnehmer Günter Brutscher / rechts und Gerhard Fimpel) sowie die Brugger Kapelle, wo soeben die Radpilger eingetroffen sind.
Der Förderverein „Freunde der Brugger Kapelle“ e.V. bedankt sich bei den Teilnehmern für die Spenden.
Text: Gerhard Reischmann / Fotos: Gebhard Weber


