DBSZ DBSZ BadWurzach 1200v01

Ahrtal/Bad Wurzach - „Wir können nicht sagen, das ist jetzt vorbei“ sagen Marina Binzer und Monika Brugger über das vom Hochwasser zerstörte Ahrtal.

Um den Menschen dort zu helfen, haben die Beiden beschlossen, eine Spendenaktion zu starten, um bei ihrem nächsten Einsatz im November den Betroffenen, zu denen sie im Laufe ihres Einsatzes Freundschaften entwickelt haben, wirklich benötigte Sachen mit zubringen.

In Arnach können im Dorfmarkt bei Elmar Würzer, der sich sofort zum Mitmachen bereit erklärt hatte, die Artikel erworben werden und in bereitgestellten Kisten bei der Kasse abgegeben werden. In Eintürnen können die Artikel in der Grundschule abgegeben werden, deren Leiterin Daniela Brillisauer ebenfalls von der Idee begeistert war.

Die beiden DRK´lerinnen waren vor kurzem – vom 09.-17. Oktober – als Vertreterinnen des DRK-Kreisverbandes in dem Katastrophengebiet, um am Wiederaufbau der Wasserversorgung mitzuarbeiten. Was sie dort sahen, können die beiden kaum in Worte fassen: „Wer nicht dort war, kann da nicht mitreden. Das Hochwasser hat den Leuten buchstäblich alles weggespült.“ Und das auf einer Strecke, die etwa von Bad Wurzach bis nach Ulm reicht. 12.000 Häuser seien beschädigt bzw. zerstört worden. „Was war unfassbar, wie hoch das Wasser stand,“ sagen die Beiden, die allein schon die Erinnerungen an das Gesehene sehr anfasst.
Der Abschied war ihnen damals schwer gefallen, zum einen von den Kollegen, einer zusammengewürfelten Truppe aus ganz Deutschland, die alle der Wille zu helfen angetrieben hatte, zum anderen aber auch von den Betroffenen selbst, denen es unheimlich geholfen hatte über ihre schreckliche Situation zu reden.
Da war zum Beispiel die Familie, die zwar im Obergeschoss ihres Hauses weiter wohnen konnte, aber ohne irgendwelche sanitäre Einrichtungen...
Elmar Würzer, der Inhaber von Elmar´s Dorfladen, kann als Selbstständiger gut nachvollziehen, wie viele Existenzen von dem Hochwasser zerstört wurden. Und wie schwierig- es für sie ist, weiterzumachen, denn alles was ihnen als Nachweis für ihre Tätigkeit dienen konnte, war ja davongeschwemmt worden. Zumal er selbst wenige Wochen zuvor, als es im Juni auch bei uns zu mehreren Starkregenereignissen kam, gebetet habe, dass das Wasser, das den Arnacher Kirchberg herunter geschossen kam, nicht in seinen Laden eindringen möge. Daher findet er die Aktion sehr gut.
Binzer und Brugger fragen sich auch jetzt noch, drei Monate nach jener verhängnisvollen Nacht zum 15. Juli, wo das viele Wasser herkam: Die Ahr und die Saar sind normalerweise kleine Rinnsale, „so wie unser Schmidebach in Arnach“.
Welche Urgewalt dort wütete, zeigt ein weiteres Beispiel: Das Hauses eines Mannes wurde derart unterspült, dass er, erst nachdem er 20 Kubikmeter Beton zur Stabilisierung eingebracht hatte in der Nacht wieder gut schlafen konnte.
Aber auch nette Anekdoten können Brugger und Binzer erzählen: Mit zwei Beilen, die sie zufällig auftreiben konnten, haben sie einige Betroffene glücklich machen können, weil die damit Holz für die kältere Jahreszeit machen konnten.
Auf der Liste, der Dinge die im Ahrtal am dringendsten benötigt werden, stehen unter anderem Waschpulver, Rasierzeug, Sprüh-Deo für Männer, aber auch Ofenanzünder, Stabfeuerzeuge oder lange Streichhölzer. Und natürlich Schokolade und Schokoriegel als Stimmungsaufheller.
„Die Eindrücke nimmt man mit Nachhause,“ sagen Binzer und Brugger, die schon beim Abschied vor wenigen Tagen den Drang verspürt haben, wieder zu kommen.
Tief beeindruckt hat sie der Zusammenhalt der Leute und der Helfer, woraus viele Freundschaften entstanden sind.

 

Bericht und Bild Uli Gresser

 

29bild1908 kl

 

--------------------------------------------------

halloRV

­