Seibranz - Nur durch Zufall – auch wenn Pfarrer Stefan Maier nicht an Zufälle glaubt – kam er darauf, dass an diesem Sonntag die Weihe der Pfarrkirche St. Ulrich in Seibranz sich zum 150. Mal jährt. Mit einem schönen – nach den Corona-Regeln der Diözese vollbesetzten – Festgottesdienst beging die Gemeinde Seibranz dieses Jubiläum.
Denn beim Religionsunterricht vor eineinhalb Wochen fragte er seine Schüler, wie alt denn die Kirche sei, berichtete er in seiner Kirchweihfestpredigt. Die Antworten der Schüler lagen dabei zwischen 10 und 1.000 Jahren. Ein Blick in die Pfarrchronik ließ den Pfarrer dann stutzen, denn am 17. Oktober 1871 war der Tag der Weihe durch den Diözesanbischof Carl-Josef Hefele gewesen. Nun war Eile geboten: Gemeinsam mit dem gewählten Kirchengemeinderatsvorsitzenden Franz Gropper musste für den Festtag noch eine adäquate Feier organisiert werden.
Alle halfen mit: Der Kirchengemeinderat organisierte nach dem Gottesdienst an Stehtischen auf dem Kirchplatz einen Kaffee-Empfang (auf abstand) aber mit Gebäck, der Musikverein spielte in kleiner Besetzung nach dem Gottesdienst ein kleines Geburtstagsständchen und der Seibranzer Trompetenvirtuose Hermann Ulmschneider und der Organist Gregor Simon und auch die Ministranten trugen zu fünft ihren Teil zum Gelingen des Festtages bei. Die Kirchenportale und das Tabernakel wurden bekranzt und die Fahne des Kirchenpatrons, des heiligen Ulrich verkündete den Autofahrern, dass an diesem Sonntag ein hoher Festtag gefeiert wurde.
„Als die Seibranzer Gott baten: ,Bitte komm in unsere Mitte', haben sie ihm dieses Haus gebaut und geschenkt!“ Dieses Haus sei ein Haus Gottes, sagte Pfarrer Stefan Maier weiter, auch wenn der Heilige Stephanus einst sagte: „Gott wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind.“ Denn Gott wohnt als Jesus Christus mitten unter uns. Was für das Volk Israel einst das Allerheiligste, die Bundeslade war, die in einem Zelt aufbewahrt wurde, ist für die Christen das Tabernakel (benannt nach dem lateinischen Wort für Zelt). Er ist der Ort, an dem für die Menschen die Gegenwart Gottes erfahrbar wird.
„Als vor 150 Jahren die Kirche an 12 Stellen (für die 12 Apostel) gesalbt wurde, wurden nicht nur die Wände des Gotteshauses mit Weihwasser besprengt, sondern alle Gläubige. Wir die wir die Dankbarkeit all der Menschen, die vor uns dieses Gotteshauses auf unseren Schultern spüren, sind dankbar, dass er unter uns wohnt.“
Trotz der sehr kurzen Vorbereitungszeit befand Pfarrer Stefan Maier, „war es ein sehr schöner und würdevoller Gottesdienst,“ zumal neben der gewählten Vorsitzenden des Gesamtkirchengemeinderates, Marianne Schönball auch noch andere KG-Vorsitzende nach Seibranz gekommen waren. Und auch der Herrgott zeigte sich wettermäßig großzügig: War um 9.00 beim Beginn der Eucharistiefeier Seibranz und die Kirche noch in dichten Nebel gehüllt, konnten die Kirchweihbesucher den kredenzten Kaffee und die Musik des Musikvereines auf dem Kirchenvorplatz bei schönem Sonnenschein genießen.
Bericht und Bilder Uli Gresser

