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Bad Wurzach - „Eiben – Hommage an eine uralte Baumart“ lautet der Titel der Ausstellung, zu deren Eröffnung in den Gewölbegang von Maria Rosengarten viele Interessierte, darunter auch eine große Abordnung der Vereinigung der Eibenfreunde kamen.

Und sie ist etwas ganz Besonderes, weil der Löwenanteil unter Mitwirkung der Eibenfreunde vom Team um Siegfried Roth mit Sabrina Schiller, Dr. Nicole Jüngling, Valeska Ulmer und Horst Weisser prodziert wurde, die Texte recherchiert und geschrieben, die Infotafeln gestaltet und die Ausstellungsobjekte organisiert wurden.

Dr. Siegfried Roth konnte am Mittwochabend unter den vielen Besuchern auch MdB Josef Rief im Gewölbegang von Maria Rosengarten begrüßen. Einst weit verbreitet, ist die Eibe heute aus unseren Wäldern fast vollständig verschwunden. Heute ist die Eibe ein seltener und gefährdeter Baum in unseren Wäldern. Viele kennen die Eibe heute deshalb nur noch als Ziergehölz in Gärten und Parks.

Eiben waren bereits vor 150 Millionen Jahren bei uns heimisch und gehören somit zu Europas ältesten Baumarten. Ihr wertvolles Holz fand schon früh Verwendung als Bogenholz und war wegen seiner hohen Haltbarkeit auch im Wasserbau oder für Musikinstrumente gefragt. Gerade die Laute, ein mittelalterliches Instrument wurde häufig aus dieser Holzart hergestellt. „Und wie der Baum im Wald ist auch das Instrument fast vollständig aus der heutigen Musikszene verschwunden,“ berichtet Ernst Greinacher, der gar mit zweien dieser heute sehr seltenen Instrumente die musikalische Seite der Ausstellungseröffnung bestritt.

Die Ausstellung, für deren Zustandekommen sich Roth bei den Eibenfreunden, beim Bund Naturschutz Oberschwaben, seinem Team und der Kreissparkasse Ravensburg für das Sponsoring bedankte, zeigt ihre Biologie, Kulturgeschichte und Verbreitung in Oberschwaben sowie die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Eibenholz im Alltag und in der Kunst.

Agrarbiologe Hubert Fischer aus Fronreute, der sich seit Jahrzehnten um die letzten natürlichen Eibenvorkommen in der Region kümmert, ging in seiner Ansprache auf die Entstehungsgeschichte der Ausstellung ein. Er habe die Idee dafür Horst Weisser vorgetragen, die dieser gerne aufgenommen hatte. Corona und Lockdown seien dabei der Entwicklung der Ausstellung entgegen gekommen. 1980 wurde angenommen, die Eibe sei hierzulande nicht mehr heimisch, da Eibenholz damals nur noch aus England importiert werden konnte.

Diese Annahme konnte inzwischen widerlegt werden, denn hierzulande sind auf dem Höchsten, dem Bodanrück oder auf der Adelegg vereinzelt Eiben zu finden. 1994 war die Eibe zum Baum des Jahres erklärt worden,im selben Jahr habe sich die Vereinigung der Eibenfreunde gebildet, die sich dafür einsetzen, dass die Eibe aktiv angebaut und in einen forstwirtschaftlichen Anbau integriert werden.

Die Eibe braucht ein eher feuchtes Klima und viel Regen um zu wachsen, wie er aus eigener Erfahrung weiß. Bei seinen Kontrollgängen, wie beispielsweise im Zußdorfer Wald, hält er Ausschau nach Eibenkeimlingen, die nicht immer leicht zu finden sind und oft in unwegsamen Gelände stehen. Mit einem Drahtgeflecht schützt er die Keimlinge vor Wildverbiss, denn besonders Rehen schmecken die jungen Eiben. Damit stellt er sicher, dass die empfindlichen Jungpflanzen die ersten Jahre in der freien Natur überstehen.

Der Möbeltischler Thomas Kellner aus Eppingen, der mit seiner Firma Urholz viel Eibenholz verarbeitet und selbst Mitglied der Vereinigung der Eibenfreunde ist, ging in seinem Vortrag auf das seltene Vorkommen der Holzart bei uns ein: Normal seien 4.000 Bäume pro Hektar, insgesamt gebe es in ganz Deutschland nur noch 100.000 Exemplare. Der Forst in Deutschland könne das Problem nicht alleine anpacken, „Baumschulen an sprechen wäre eine Möglichkeit.“ Ein weiteres Problem sieht Kellner auch darin, dass in Deutschland immer nur auf kurzfristige Wirtschaftlichkeit geschaut werde.

Da sei in der Schweiz anders, wo Eibenholz noch heute für den Wegebau verwendet werde. In England gebe es uralte Eiben mit 5m Durchmesser. Er ist überzeugt, dass dem Team des Naturschutzzentrums damit ein großer Coup gelungen ist und dass die Ausstellung auch noch in vielen anderen Naturschutzzentren gezeigt werden wird.

Mit einem urigen „oberschwäbischen Didgeridoo“, natürlich aus Eibenholz, setzte Martin Nägele den musikalischen Schlusspunkt hinter die Ausstellungseröffnung. „Eigentlich müsste es Laute heißen,“ sagte er über sein Instrument.

Im Anschluss hatten die Besucher dann Gelegenheit, sich intensiver mit dem seltenen Baum und den Ausstellungsobjekten intensiver auseinander zu setzen und den Experten Fragen zu stellen.

Die Ausstellung kann noch bis zum 23. Januar 2022 täglich zu den üblichen Öffnungszeiten besucht werden.

 

Bericht und Bilder Ulrich Gresser

 

 

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halloRV

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