Bad Wurzach - Seit 100 Jahren leben Patres der Salvatorianer auf dem Gottesberg und in Bad Wurzach. Davon profitieren, wie beim Jubiläumsgottesdienst von verschiedener Seite festgestellt wurde, alle.
Es wehte an diesem Sonntagmorgen ein Hauch von Heiligblutfest um die Wallfahrtskirche, denn der Gottesdienst fand wie das Pontifikalamt am höchsten Bad Wurzacher Feiertag unter freiem Himmel statt. Und auch die Anzahl der Gottesdienstbesucher konnte sich bei gutem Wetter mit der bei jenem Festgottesdienst zwei Monate zuvor messen.
Es war ein erhebender Moment, als die Salvatorianer Patres mit der Heilig-Blut-Reliquie an der Spitze zu den Klängen von „Lobet den Herren“ unter dem Zeltdach bei der Kirche Einzug hielten.
Superior Pater Konrad konnte am Beginn des von Provinzial Pater Hubert Veeser zelebrierten Gottesdienstes viele für die Stadt und den Orden wichtige Personen begrüßen. So war Fürst Erich von Waldburg-Zeil mit seiner Gattin Mathilde gekommen, nachdem er vor Wochenfrist bereits als Patronatsherr bei der Einsetzung von Pfarrer Patrick Meschenmoser in Bad Wurzach weilte.
Zum einen weil der Gottesberg und die Salvatorianer untrennbar mit dem Adelsgeschlecht verbunden sind. Zum anderen weil der Fürst selbst als Internatschüler am Salvatorkolleg auch selbst die christlichen Werte von den Patres vermittelt bekommen hatte.
Selbstverständlich waren Stadtpfarrer Stefan Maier und sein Vorgänger Norbert Wahl mit vielen weiteren Geistlichen der Seelsorgeeinheit und der Pfarrgemeinde St. Verena gekommen, denn die Kirchengemeinde war es, der sie es die Wallfahrtskirche und Bruderhaus vom damaligen Fürsten Georg von Waldburg-Zeil 1912 geschenkt bekommen hatte.
Und schliesslich war auch Bürgermeisterin Alexandra Scherer als oberste Repräsentantin der Stadt gekommen, gemeinsam mit ihrem Vor-Vorgänger Helmuth Morczinietz, der in der Wallfahrtskirche noch häufig als Organist fungiert.
„Wow, das war knapp. Dem Himmel sei Dank, dass Sie nicht im Regen stehen!“ Mit diesen Worten begrüßte Superior Pater Konrad Werder die Gäste und Gottesdienstbesucher zu dem Jubiläumsgottesdienst. Denn wieder einmal hatten die Patres angesichts der Wetterprognosen bewiesen, dass sie auf dem Gottesberg einfach dem Himmel noch ein Stückchen näher sind...
In seine Begrüßung schloss er neben seine Mitbrüder und -Geistlichen auch die Salvatorianerschwestern mit ein, die seit 1924 in Bad Wurzach mit an ihrer Seite sind. Auch Maria Geng, die 42 Jahre lang als guter Geist für die Patres und Brüder gesorgt hatte, begrüßte er besonders herzlich.
„Dass die Salvatorianer sich für den Gottesberg interessierten, durfte der Ordensgründer Pater Franziskus Maria vom Kreuz nicht mehr erleben, dessen Seligsprechung nur wenige Monate zurückliegt. Er starb 1918.“ Mit diesen Worten eröffnete Pater Leonard Berchthold, der die Festpredigt hielt und der zum Jubiläum einen 100seitgen geschichtlichen Abriss zusammengestellt hatte, seine Ansprache.
1920 wurde die Kirchengemeinde mit dem Orden einig, 1921 konnte dann mit Pater Phillippus Waldenmaier am Festtag Kreuzerhöhung der erste Salvatorianer einziehen. Und damit begann eine bisher 100jährige Symbiose von christlichem und städtischen Leben: Denn nach wenigen Jahren eröffneten die Salvatorianer, nachdem sie das Schloss gekauft hatten 1924 ihre Lateinschule, das spätere Internat und Gymnasium Salvatorkolleg, das sich einen sehr guten Ruf in Oberschwaben erarbeitete. Die Patres belebten die Wallfahrt zur Verehrung des Heiligen-Blutes zum Gottesberg wieder, hatten sie doch den Reliquienschatz übernommen. Logische Folge: gemeinsam wurde 1928 auf Anregung der Wurzacher Gewerbetreiben das Heilig-Blut-Fest aus der Taufe gehoben.
Pater Leonhard, der als Internatschüler das Gymnasium besucht hatte und damals gerne zum Gottesberg hochspaziert war, stellte nach seiner Rückkehr 1996 als Pater nach Bad Wurzach fest, dass es hier nur zwei Jahreszeiten gibt: vor und nach dem Heilig-Blut-Fest. „Offene Baustellen in der Stadt werden entweder vorher fertig gemacht, oder erst danach in Angriff genommen.“ Dass der Gottesberg auch einige Jahre Sitz der süddeutschen Provinz war, erwähnte er nur am Rande.
„Im Kreuz ist Hoffnung, ein Überfluss an Heiligkeit: Nimm Dein Kreuz!“ diesen Auftrag gab er den Gläubigen mit auf den Weg.
Auch der bekannte Musiker und Komponist Peter Schad, der lange Jahre selbst als Lehrer im Dienste der Salvatorianer gestanden hatte, beteiligte sich mit dem Lied „Wie groß bist Du“ mit einem Beitrag an der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes, die ansonsten von Johannes Tress am Keybord und einer Gesangsgruppe der salvatorianischen Laien getragen wurde.
Nach dem Segen mit der Heilig-Blut-Reliquie durch den Provinzial durften sich die Vertreter von politischer und Kirchengemeinde noch an die Gottesdienstbesucher wenden. Bürgermeisterin Alexandra Scherer dankte den Salvatorianern für zwei sehr wichtige Einrichtungen, die sie in den letzten 100 Jahren auf den Weg und zu Aushängeschildern der Stadt gemacht hatten. „Das Heiligblutfest wurde zum wichtigsten Hochfest in der Stadt und das Gymnasium Salvatorkolleg zu einer wichtigten Bildungseinrichtung, deren Strahlkraft weit über die Tore der Stadt hinaus reicht.“
Auch wenn es der Orden in den letzten Jahren nicht immer leicht gehabt habe, freue sie sich dennoch darüber, dass er sich ausdrücklich zum Standort Bad Wurzach bekannt hatte. Sie dankte der Ordensgemeinschaft, „denn ohne deren Einsatz wäre unsere Gemeinde ein gutes Stück ärmer.“
Stadtpfarrer Stefan Maier sagte: „In besseren Händen als in denen der Salvatorianer könnte der Gottesberg nicht sein. 40 Jahre nach der Ordensgründung bereicherten die Salvatorianer die Stadt. Ja sie sind mit der Wallfahrtskirche und der Schule wesentlicher Bestandteil davon. „St. Verena gratuliert und hat Grund zur Dankbarkeit.“
Damit alle im Orden etwas von dem Geschenk der Kirchengemeinde haben, überreichte der stellvertretende Kirchengemeinderatsvorsitzende Karl-August Mohr „nach ausführlicher Prüfung durch den Kirchengemeinderat “, 100 Flaschen eines extra gebrauten Jubiläumsbieres. Aber auch die Gläubigen hatten mit dem Kauf des Bieres Gelegenheit – nach dem Motto „Mit Genuss Gutes tun“ – gegen eine Spende für ein Schulprojekt der Salvatorianer in Afrika in dessen Genuss zu kommen.
Fürst Erich von Waldburg-Zeil wiederum war persönlich als Internatsschüler von den Salvatorianern stark geprägt worden. „Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Sie haben mir den Glauben und die Werte der Salvatorianer mitgegeben.“ Er sei daher ungeheuer dankbar, dass Sie zum Gottesberg stehen.
Bericht und Bilder Uli Gresser

