Bad Wurzach - „Ausbildung, Weiterbildung und Fortbildung“ lautete das Thema der öffentlichen Podiumsdiskussion, die im Anschluss an die Sitzung der Mitgliederversammlung des Bezirksverbandes im Kursaal mit hochrangigen Gästen auf und vor dem Podium stattfand.
Christian Bangert, Kreisvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung Ravensburg, Manuela Raichle, Verwaltungswirtin für Frauen und Ausbildungsconsulting aus Eislingen. Wilfried Pfeffer, Vizepräsident der Handwerkskammer Ulm, CDA- und CDU-Bundesvorstandsmitglied Monica Wüllner und der CDA-Landesvorsitzende Christian Bäumler diskutierten während des zweieinhalbstündigen Podiumsüber Ausbildungsstrukturen und wie junge Leute für einen dualen Ausbildungsberuf begeistert werden können.
Das CDA-Bundesvorstandsmitglied Karin Möhle moderierte gemeinsam mit dem Bezirksvorsitzenden Markus Schraff und dem Kreisvorsitzenden Fridolin Scheerer die Diskussionsrunde. Doch auch im Publikum saßen mit MdL Raimund Haser, dem ehemalige Bundestagsabgeordneten Waldemar Westermayer und später auch noch MdB Josef Rief einige politische Schwergewichte aus der Region, während Klaus Schütt als stellvertretender Bürgermeister und langjähriger CDU Ortsverbandsvorsitzender die Bad Wurzacher Farben vertrat.
Nach einer kurzen Vorstellungsrunde eröffnete Moderatorin Karin Möhle mit der Frage, wie die Teilnehmer die Zukunft der Ausbildung in Zeiten von Home-Office sehen, die Runde.
Manuela Raichle vertrat die Meinung, weil die Anzahl von Bewerbungen massiv zurückgeht, Arbeitsgänge zusammen zu legen. Christian Bangert plädierte für den Abbau der Bürokratie: es könne nicht sein, dass viele Firmen ihre Produktion ins Ausland verlegten, weil es in Deutschland viel zu lange dauere z.B. für einen serienreifen Prototypen die entsprechenden Produktionsstätte aufzubauen. Er prangerte auch die Abschiebepraxis an, vollintegrierte gut ausgebildete Flüchtlinge trotz Fachkräftemangel gegen den Widerstand der Firmen abzuschieben. Wilfried Pfeffer von der Handwerkskammer sieht Handlungsbedarf für die Wertschätzung der Handwerksberufe. „Die Vielfalt an Berufen aber verwirrt die jungen Leute oft.
Beim Handwerk ist die Ausbildungsbereitschaft sehr hoch.“ Praktikas gäben ihnen Klarheit darüber, was sie nicht machen wollen. Christian Bäumler sieht die Zukunftsperspektive der jungen Leute wegbrechen, vor allem Jugendliche aus Problemfamlien bräuchten Ansprechpartner. Hier müsse die Landespolitik mehr tun. Monica Wüllner sprach die Erschwernisse durch Covid an: „Weil keine Praktikas möglich waren und Sprachförderung erschwert war, müssen wir denen , die nicht so gut wissen was sie wollen, Orientierung bieten.“ Es sei auch wichtig, eine bessere Balance von Angebot und Nachfrage bei den Ausbildungsberufen zu finden.
MdL Raimund Haser plädierte in seinem Grußwort für die Gleichberechtigung von Handwerk und Studium. Für ihn ist nicht einsehbar, warum Auszubildende und Meisterschüler für die Berufsschule zahlen müssen. „Wie kann es sein, dass trotz eines viele Jahre bekannten Pflegenotstandes gut ausgebildete Pflegekräfte abgeschoben werden?“ lautete eine Frage aus dem Publikum. „Wir können so nicht weitermachen.“ Die Politik habe dieses Problem nicht gelöst.
Für Christian Bangert ist die Abschiebepraxis „schlicht unverständlich“. Er forderte die Berufsorientierung an Gymnasien zu intensivieren, den die Ausbildung zum Techniker ist inzwischen annähernd so komplex wie ein Ingenieurstudium.
Bei den Pflegekräften aus dem Ausland müsse nachgebessert werden. Für Monika Wüllner liegen die Ursachen für den Pflegenotstand in den Arbeitsbedingungen in diesem Bereich. „Wir müssen daran arbeiten, die Arbeitsbedingungen für das Personal zu verbessern.“ Auch Christian Bäumler sieht Handlungsbedarf, auch wenn das neue Einwandererarbeitsplatzgesetz für Flüchtlinge eine Verbesserung darstellt.
Ein Schwerpunktthema der CDU sei die Entbürokratisierung. Einzig die CDU betreibe in ihrem Wahlprogramm die Gleichstellung von Ausbildungsberufen und Studium. „Das ist ein echtes Problem, das müssen wir deutlich machen und ideologische Pflöcke reinhauen.“
Manuela Raichle sieht die Gefahren, wenn gut ausgebildete Leute z.B. aus Osteuropa abgezogen werden, auch in der Destabilisierung der Gesellschaftsstrukturen. Am Beispiel eines ausgebildeten Friseurs zeigte sie auf, wie wichtig es auch sei, dass die Leute von ihrem Beruf auch nach der Ausbildung leben können. Wilfried Pfeffer meinte dazu, dass nur ein Drittel der Auszubildenden nach ihrer Lehrzeit dem Handwerk treu bleiben. Da mangele es auch an der Wertschätzung der Gesellschaft, Skepsis vor Ausbildungsberufen komme vielfach auch von den Eltern.
Zum Thema Weiterbildung sieht Christian Bäumler auch die Betriebe in der Pflicht:„Es muss in den Betrieben Bildungspläne geben, wie steht der Betrieb in 10-15 Jahren aus?“ Dies sei ein sehr wichtiger Ansatz für die Politik. Zwar gebe es bereits viele Möglichkeiten dazu, diese seien aber noch zu abstrakt. Monika Wüllner bestätigte da Vorhandensein vieler Programme in Berlin und Stuttgart. „Aber wir benötigen die Menschen, um sie umzusetzen.“ Für Wilfried Pfeffer sind die Umsetzung von Weiterbildungen in kleinen und Familienbetrieben wegen der geringen Personalstärke problematisch. Manuela Raichle sieht die Schwierigkeiten für die Betriebe bereits bei der Fördermittelbeantragung, weil viele wegen ihre Betriebsgröße nicht zum Zuge kämen.
Und oft sei auch die Agentur für Arbeit überlastet. Personalaufstockung, vor allem mit Leuten die aus der Praxis kommen, sei hier notwendig. Christian Bangert sagte dazu: „Weiterbildung muss in einem der reichsten Länder der Welt vom Staat gezahlt werden.“ Die Spezialisierung innerhalb einer Berufsparte sei ein weiteres Problem. Zu den Problemen in den Pflegeberufen verwies er auf strukturelle Probleme: „Es kann nicht sein, dass ein Schüler ein Lehrjahr wiederholen muss, weil ihm der B2-Kurs fehlt.“ Zustimmung erhielt er auch aus dem Publikum: „Hier stimmt etwas nicht, wo wären wir, wenn wir so in den 50er und 60er Jahren gearbeitet hätten?“
Der CDA-Kreisvorsitzende Fridolin Scheerer prangerte in seinem Statement ebenfalls die überbordende Bürokratie an: „Die Azubis und Betriebe brauchen inzwischen einen Anwalt, um zu verstehen was die Ämter wollen.“ er kritisierte auch die Ausstattung der Schulen: „Drittklässler sind in Argentinien besser ausgestattet als hierzulande.“ Er habe auch den Eindruck, dass das deutsche Bildungssystem an die Wand gefahren werde.
Waldemar Westermayer sagte in seinem Grußwort, dass Armin Laschet, der Kanzlerkandidat der Union in den Medien zu schlecht gemacht werde, denn seine Stärke liege in der Teamfähigkeit: „Er macht in NRW einen guten Job.“ Der Arbeitsminister aus dem Kabinett Laschets in NRW, Karl Josef Laumann, zugleich auch der Bundesvorsitzende des CDA, sagte in seiner per Videoschalte in den Kursaal übertragenen Rede: „Die Duale Ausbildung hat wesentlich zum Erfolg unseres Bildungssystems beigetragen.“
Bei seinem Abiturjahrgang hätten sich 50% der Abiturienten für einenAusbildungsberuf entschieden, während dies heute gerade einmal 11% täten. Ganz wichtig sei, sich darüber Gedanken zu machen, wie man heute Schüler zu einer Dualen Ausbildung bringen kann. Dafür seien Praktikas erforderlich, aber auch eine Modernisierung der Berufsschulen.„Unsere Volkswirtschaft kann nicht allein mit Akademikern funktionieren, daher ist das Duale Ausbildungssystem sehr wichtig.“
MdB Josef Rief hatte es sich nicht nehmen lassen, trotz Wahlkampfstress die Veranstaltung noch zu besuchen. Er sagte in seinem Grußwort: „Unser Wohlstand hängt von gut ausgebildeten jungen Menschen ab. Uns geht es nicht besser, wenn die Krankenschwester Abitur hat.“
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

