Bad Wurzach/Region - Franz Gregetz setzt sich seit vielen Jahren für das Wohl und Überleben von Waldameisen ein. Weil auch in den hiesigen Wäldern das Indische Springkraut (Glandulifera impatiens) immer mehr um sich greift, sind die Bestände der Waldameisen, aber auch die für die Ernährung von Rehen so wichtigen Kleinkräuter und Gräser am Waldrand akut gefährdet.
„Diese invasiven Neophyten nehmen den Ameisen ihre Entwicklungsmöglichkeiten, weil es für sie zu schattig wird,“ sagt der Ameisenschützer aus Merazhofen bei einem Outdoor-Termin an einem Waldrand in der Nähe von Diepoldshofen. Die bis zu zwei Meter hochschießende einjährige Pflanze belastet nicht nur den Lebensraum der Waldameisen, sondern lässt auch den niedrigwachsenden Pflanzen am Waldrand keine Chance, die auch wichtige Teile bei der Ernährung von Rotwild, insbesondere von Rehen darstellen. Damit treibt das indische Springkraut die Rehe weiter in den Wald hinein, wo es dann zu Wildverbiss an den frischen Trieben der Bäume kommt.
Franz Gregetz hat es sich nun auf die Fahnen geschrieben, diese Pflanze, die in ihrem einjährigen Lebenszyklus dem Waldboden sehr viel Wasser entzieht und die im Herbst, wenn sie sich nicht mehr halten kann, einfach umkippt und den Waldboden dann, wenn er trocken sein sollte, in eine Matschige Fläche verwandelt, in der Fläche den Garaus zu machen.
„Das Kraut ist sogar essbar und schmeckt ganz passabel.“ Dass Kühe ganz verrückt nach dem Kraut sind, hat er festgestellt als er einmal seine Ernte auf die angrenzende Wiese geworfen hatte, wo das Kraut und seine Samen keinen Schaden anrichten konnten. „Die Tiere sind, als ich es in der Hand hatte, mir überallhin hinterhergelaufen, weil das Kraut süß und saftig schmeckt“ lacht der Ameisenschützer. „Die Bäuerin fand das jedoch nicht so witzig und hat mich (ohne Erfolg) angezeigt.“
Die Briten haben das indische Springkraut aus ihrer damaligen Kolonie auf die Insel gebracht und zur Gartenpflanze gemacht , weil sie durchaus schön anzusehen ist. Vor etwa 100 Jahren wurde es dann aufs Festland „importiert“. „Es soll sogar Fälle gegeben haben, wo hierzulande Leute die Samen extra gesät haben, ohne auf die Gefahren zu achten, in die sie die Wälder damit brachten.“
Der Bewuchs an dem ausgesuchten Waldrand bei Diepoldshofen lässt erahnen, wie sich das Kraut explosionsartig vermehrt hat. Denn jede Pflanze hat bis zu 30 Samen, die sie „springen“ lässt. „Obwohl die Pflanzen nach jedem Lebenszyklus wieder bei null anfangen, habe ich schon faustdicke Stämme abgeholzt, “ erklärt Gregetz.
„Für die Bekämpfung dieses Neophyten hat der LEV(Landschaftserhaltungsverband, eine Unterorganisation des Landratsamtes), ein Spezialmesser entwickelt, das von dort auch bezogen werden kann.“
Der manuelle Kampf gegen dieses „hinterhältige“ Kraut ist sehr zeit- und kraftaufwendig, er muss zur rechten Zeit (etwa ab Juni erfolgen) und drei Jahre hintereinander durchgeführt werden, ehe es besiegt ist. Auch der „amtliche Naturschutz“ bekämpfe das Kraut, allerdings nur in Biotopen. Weil dort aber mit Motorsensen gearbeitet werde, führe dies häufig zu großen Verlusten bei bodennahen Tieren, etwa bei den Eidechsen.
Franz Gregetz würde seine über 40 Jahre Erfahrung in der Bekämpfung des Springkrautes gerne an andere weitergeben. Denn die Arbeit wird für den inzwischen 73jährigen doch sehr anstrengend: „Nach zwei Stunden bin ich platt,“ erläutert er den beiden Damen, die von ihrer Tour mit ihrem Hund zurückkommen und sich darüber freuen, dass jemand sich dessen Wildwuchses annimmt.
Wer Interesse hat kann sich bei ihm per e-mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! melden. „Eigentlich ist die Bekämpfung genial einfach, aber es ist halt eine Sch...arbeit, wenn man alleine ist.“
Bericht und Bilder Uli Gresser






