Arnach - Vor 50 Jahren – zur Saison 1971/72 – stellte der SV Arnach erstmals eine C-Jugend auf. Gerhard Reischmann, der damals mitspielte, erinnert an ein Team, in dem Freundschaften grundgelegt wurden, die zum Teil bis heute halten.
Gleich im ersten Jahr spielten wir vorne mit. Im zweiten Jahr – jetzt war es eine CAK-Runde, bei der der Einsatz von drei B-Jugend-Spielern erlaubt war – lieferten wir uns ein Kopf-an-Kopf Rennen mit der CAK des SC Unterzeil-Reichenhofen. Punktgleich mit dem SCU wurden wir in der Saison 1972/73 Vizemeister. Beim 18:0-Sieg gegen Maierhöfen erzielte unser Mittelstürmer Herbert („Hero“) Lott zwölf Tore. Die Mannschaft, jahrelang betreut von Anton Brauchle, der in der damaligen „Ersten“ einen soliden Verteidiger gab, blieb zusammen bis zur A-Jugend (Trainer: Willi Mayer). Diese kontinuierliche Jugendarbeit machte sich bezahlt: Etliche der jungen Fußballer von 1971 wurden Stützen der Ersten oder Zweiten Mannschaft.
Zu den Auswärtsspielen wurden wir von Trainer Brauchle und, wie heute, von Spieler- Vätern und Vereinsanhängern gefahren. Besonders in Erinnerung ist mir eine Fahrt mit „Xare“. Xare Miller, der spätere „Ewigkeitsvorstand“ des SVA, stopfte die halbe Mannschaft in seinen Opel Rekord und auf ging’s nach Bad Wurzach; sogar aus dem nicht geschlossenen Kofferraum schauten Kicker heraus. Auch eine Fahrt mit dem Lieferwagen von Elektromeister Franz Lott nach Isny ist mir unvergessen. Franz Lott, SVA-Vorstand von 1954 bis 1961, war – zusammen mit seinem Bruder Albert (Vater von „Hero“) und Bruno Vogt, auch er ein Spielervater, sowie Hugo Gapp aus Rahmhaus – einer der fleißigsten Besucher unserer Heimspiele, die in aller Regel am Samstag ausgetragen wurden.
Albert Lott, Jugendleiter in den Jahren 1971 bis 1975 (anschließend fungierte Reiner Fimpel als Jugendleiter), stand samstags bei der Jugend genauso wie wie sonntags bei den Aktiven auf dem Fußball-Platz. Immer ein wenig abgerückt – denn wichtiger als der Sportplatz-Plausch war ihm das sorgfältige Beobachten des Spiels. Bei Fehlleistungen konnte der sonst so ruhige Mann schon mal aus der Haut fahren. Natürlich war Herr Lott – wir Jungen siezten ihn – auch ein großer Fan des großen Fußballs. Gerne gewährte er uns Einlass in seine kleine Stube zum Sportschau-Gucken. Albert Lott war Jahrgang 1915, groß geworden in der Vor-Auto-Zeit. Er besaß keinen Führerschein Klasse 3 und konnte somit bei Auswärtsspielen so gut wie nie dabeisein.
Die Dresswäsche besorgte Theresia Reischmann, eine Spielermutter (außer ihr vielleicht auch weitere Spielermütter). Dafür hatten die jungen Kicker von zu Hause einen kleinen Obolus mitzubringen, das „Dressgeld“. Mit dem Zahlen haperte es da und dort und so steht so mancher der C-Jugend-Kicker von damals noch heute bei der mittlerweile 95-jährigen Theresia Reischmann mit Kleinbeträgen in der Kreide.
Nebenbei: Theresia Reischmann besitzt heute noch einen von Fritz Harscher im Jahre 1968 unterzeichneten SVA-Mitgliedsausweis.
1968, das war das Jahr des großen Festes, als unter SVA-Vorstand Fritz Harscher pünktlich zum 40-jährigen Vereinsjubiläum der neue Sportplatz eingeweiht wurde.
Im Jahr darauf drehte Fritz ein noch größeres Rad: Da startete das erste Arnacher Boschenfest. Aber das ist eine andere Geschichte.
Der Einzugsbereich des bereits 1928 gegründeten, nach dem Krieg unter Fritz Harscher (1921 – 2020) wiederbegründeten und – nach einer inaktiven Phase anfangs der 1960er-Jahre – 1963 von Fritz Harscher mit seinem tüchtigen Jugendleiter Franz Xaver Miller (geboren 1935) neu belebten SVA war damals weit über die Gemarkung Arnachs hinausgreifend. Der SV Immenried und der SC Unterzeil-Reichenhofen wurden erst in den 1970ern gegründet, Ziegelbach, Eintürnen und Diepoldshofen haben bis heute keine Fußballvereine. Wir konnten also in den 1960ern, 1970ern in den Nachbargemeinden rekrutieren und so stießen starke Spieler wie Wolfgang Brack, Franz Röck, Wolfgang Geser, Hermann und Rudi Bossler und andere zum SVA. Dreimal wurde der SVA zwischen 1975 und 1985 Meister.
Unser Anton Brauchle, Trainer der Meister von 1975 und 1978, integrierte in die Meistermannschaft von 1978 nicht weniger als sechs „seiner“ Zöglinge aus den frühen 1970ern. Mit denen hatte er nicht nur fleißig trainiert, sondern – altersgerecht – dann und wann auch die Geselligkeit gepflegt; ich erinnere mich an ein Lagerfeuer am Holzmühle-Weiher oder ein Einkehren im „Engel“ in Haidgau.
In der Zeit vor 1971 hatte der SVA lediglich A-Jugenden aufgeboten, bei denen nicht selten auch jüngere Kicker mitwirkten. Reiner Fimpel (Jahrgang 1942), ein SVA-Urgestein, der dem Verein über Jahrzehnte in vielerlei Funktionen diente, weiß von einer Fußballjugend, die in den 1950ern von Rektor Anton Bauer, Leiter der achtjährigen Volksschule Arnach, aufgestellt worden war. Ob das eine reine C-Jugend war und inwiefern sie am Spielbetrieb teilnahm, bedürfte der näheren Untersuchung.
In der C-Jugend von 1971 spielten: Herbert Diethelm (Humberg), Franz Gut (Romey), Wilfried Hess (Reichenhofen), Robert Hinz (Immenried), Herbert Lott (Arnach), Herbert Merk (Reichenhofen), Gerhard Reischmann (Brugg), Winfried Reischmann (Brugg), Hubert Schwarz (Geboldingen), Richard Schwarz (Geboldingen), Ehrenfried Vogt (Arnach) und Wolfgang Willi (Tobel). Im Laufe der Jahre kamen hinzu: Wolfgang Brussig (Arnach), Kurt Feurle (Truschwende), Herbert Kneer (Bad Wurzach), Helmut Riedl (Arnach), Klaus Willi (Tobel) und aus Immenried Anton Mack, Klaus Mack, Bernhard Meschnig, Armin Gomm, Elmar Kling, Fritz Kling und Josef Kling. Einer unserer Kameraden ist leider schon nicht mehr am Leben: Klaus Willi.
Vorstände zu Zeiten unserer Fußball-Jugend (1971 bis 1976) waren Simon Riedle (1971 – 1973), Reiner Fimpel (1973 – 1975) und ab 1975 Franz Xaver („Xare“) Miller (bis 2001).
Zu Beginn der Saison 1974/75 wurde die Erste von Lehrer Wirth aus Vogt betreut.
Die Vorstandsdaten wurden der von Siegfried Maucher zum 60-jährigen Vereinsjubiläum (1988) verfassten SVA-Chronik entnommen.
Gerhard Reischmann (8/2021)

Der SVA-Mitgliedsausweis von Theresia Reischmann, ausgestellt 1968 (unterschrieben von Fritz Harscher). Scan: Gerhard Reischmann

