Bad Wurzach - An diesem Donnerstagabend verwandelte sich der Platz vor dem Musikpavillon am Kurhaus zu einem Kinosaal unter freiem Himmel. Bei diesem Kinovergnügen der ganz besonderen Art, präsentierte die Bad Wurzach Info zum Start in die Sommerferien und das Kinderferienprogramm den Kinderfilm „Rocca verändert die Welt“.
Filmstart von „Rocca verändert die Welt“ war bei Einbruch der Dunkelheit um 21.30 Uhr. Christine Häge von der Bad Wurzach Info und Michael Eberhardinger, der jahrzehntelang mit seinem mobilen Kino in der Rehaklinik Kinofilme in Bad Wurzach zeigte, begrüßten die rund 90 Kinobesucher zu diesem besonderen Ferien-Event.
Die elfjährige Ria Othilie Clementine Cäsar Alva Kurz (kurz Rocca) ist elf Jahre alt und führt ein eher ungewöhnliches Leben. Während ihr Vater als Astronaut im Weltall unterwegs ist, soll Rocca nun bei ihrer Oma wohnen und eine normale Schule besuchen. Bereits auf dem Weg dorthin erlebt sie wunderbare Abenteuer und bringt gleich noch ein verletztes Eichhörnchen, dem sie den Namen Klitschko gibt, mit in ihr neues Zuhause. Als ihre Oma auch noch ins Krankenhaus muss, ist die für Alter sehr Selbstständige erst einmal auf sich allein gestellt.
In der Schule fällt Rocca durch ihre unbekümmerte und unangepasste Art sofort auf. Angstfrei stellt sie sich den Mobbern der Klasse, denn für Rocca steht Gerechtigkeit an erster Stelle. So versucht sie auch ihrem obdachlosen Freund Caspar zu helfen und nebenbei das Herz ihrer Oma zu gewinnen. Immer optimistisch, beweist Rocca mit ihren neuen Freunden, dass auch ein Kind die Kraft hat, die Welt zu verändern.
„Rocca verändert die Welt“ von Katja Benrath kam 2019 in die Kinos. Der Film erzählt eine moderne Pippi-Langstrumpf-Geschichte um ein mutiges Mädchen. Ihre Mutter ist bei ihrer Geburt gestorben. Sie war danach bei der Ausbildung ihres Vaters zum Astronauten dabei, der nun auf der ISS arbeitet, und hat dabei viel fürs Leben gelernt. So schlägt sich das kluge und mutige Mädchen alleine durch, was allerlei Widerstände bei den Behörden und ihren Lehrern hervorruft.
Die Dreharbeiten fanden im Sommer 2018 in Hamburg statt. Gedreht wurde in den Stadtteilen Lokstedt und Blankenese sowie am Jungfernstieg und am Gymnasium Kaiser-Friedrich-Ufer. Im August wurde vor dem Oberlandesgericht und dem Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis gedreht.
Die Protagonistin Rocca weist einige Parallelen zu der von Astrid Lindgren erfundenen Figur Pippi Langstrumpf auf. Sowohl Rocca wie Pippi sind freche, aufgeschlossene, mutige und angstfreie Mädchen, die sich für das Gute einsetzen: Pippi kämpft gegen Verbrechen, Rocca gegen Mobbing; beide setzen sich für Arme ein (Rocca für Obdachlose, Pippi mit ihrem Gold für arme Menschen).
Ein Wort noch zur Darstellerin der Titelheldin: Die zum Zeitpunkt der Dreharbeiten gerade einmal 12jährige Luna Marie Maxeiner tritt als moderne Version von Pippi Langstrumpf mit viel Witz und Spielfreude in die großen Fußstapfen von Inger Nilsson. Auch dem Rest des hochkarätigen Ensembles z.B. Fahri Yardim (Casper), Barbara Sukowa (Oma) oder Mina Tander als verständnisvolle Klassenlehrerin.
Der Film erhielt mehrere Auszeichnungen z.B. beim Deutschen Filmpreis: Bester Kinderfilm, bei den EFA Young Audience Award 2020 war er als bester Film nominiert und erhielt auch überwiegend positive Kritiken in diversen Medien.
Die Veranstalter achteten auf die aktuellen AHA-Regeln. Roland Erne, Chef des Kurhauses hatte Kistenweise Popcorn besorgt, um bei den Kindern das richtige Kinofeeling aufkommen zu lassen. Wer nicht Frieren wollte wie ein Schloßhund, für den war durch die Nähe zur Ach dicke Kleidung und Decken Pflicht. Weil Schnakenfestzeit war, wurde die Filmvorführung zugleich auch zur Gymnastikstunde.
Dennoch gefiel den Kindern, aber auch den Erwachsenen im Publikum der Film, wie der anhaltende Applaus am Ende der Vorstellung deutlich bewies.
Wegen der schlechten Wetterprognose musste der zweite Film,„Willkommen bei den Hartmanns“ – geplant für Freitagabend – von den Verantwortlichen bei der BWI leider abgesagt werden.
Bericht und Bild Uli Gresser

