Bad Wurzach - Es duftet derzeit auf den nassen Wiesen und entlang der Wasserläufe im Wurzacher Ried. Das Echte Mädesüß steht in voller Blüte. Die auffällige Pflanze mit den rotbraunen Stängeln, den dunkelgrünen, gefiederten Blättern und cremeweißen Blütenständen ragt an einigen Stellen hüfthoch aus den Feuchtwiesen.
Ein süßer, honig- bis mandelartiger Geruch liegt in der Luft, wenn man an den ausgedehnten Mädesüß-Beständen im hinteren Wurzacher Kurpark vorbei spaziert. In den Abendstunden ist er besonders intensiv. Die zerriebenen Blätter hingegen erinnern geruchlich eher an Gurke oder Melone, mitunter auch an die alten Leukoplast Heftpflaster. Insekten werden von den Blüten magisch angezogen, insbesondere Bienen, Schwebfliegen oder Fliegen. Die Pflanze, die zur Familie der Rosengewächse gehört, trägt viele Namen: Rüsterstaude, da die Blätter entfernt an diejenigen der Ulme (Rüster) erinnern, oder Wiesenkönigin als Anspielung auf die stattliche Größe. Nach der Mahd entwickeln die abtrocknenden Pflanzen einen besonders intensiven süßlichen Geruch, woraus sich der Name Mädesüß ableiten lässt. Mede ist zudem ein altertümlicher Begriff für Grasland, auf dem das Mädesüß wächst, sofern es ausreichend nass ist. Eine weitere Interpretation kommt von der Tatsache, dass die Pflanze früher vor allem in nordischen Ländern zum Süßen und Aromatisieren von Met, also Honigwein, verwendet wurde.
Das Mädesüß ist eine unserer ältesten Heilpflanzen und wurde volksmedizinisch gegen Gicht und Rheuma eingesetzt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus der Pflanze zum ersten Mal der Wirkstoff Salicylsäure isoliert, der früher nach dem alten wissenschaftlichen Namen der Pflanze noch Spiraeasäure hieß und ein wirksames Mittel gegen Kopfschmerzen darstellt. Noch immer erkennt man in der Bezeichnung des mittlerweile synthetisch hergestellten Präparats aus „AcetylSPIRaeINsäure“ den Bezug zum Mädesüß. Damit ist auch das Rätsel um die alten Germanen gelöst, denen ja eine außergewöhnliche Trinkfestigkeit nachgesagt wird: Sie süßten ihren Honigwein mit Mädesüß und mussten so am nächsten Tag nicht unter Kopfschmerzen leiden. Und noch eine Geschichte rankt sich um das Mädesüß, deren Wahrheitsgehalt aber noch überprüft werden muss: Legt man garstigen Mädchen abends ein Sträußchen Mädesüß unter das Kopfkissen, so sind sie am nächsten Morgen zuckersüß. Viel Spaß beim Testen.
Die Moor-Momente verabschieden sich in die Sommerpause. Im Herbst berichtet das Naturschutzzentrum wieder über die außergewöhnliche Natur im Wurzacher Ried.
Pressemitteilung des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried

