Bad Wurzach - Auch in diesem Jahr fand der Auftakt der Heilig-Blut-Fest-Woche in St. Verena statt, der geplante Lichterprozessionsgottesdienst musste in der Stadtpfarrkirche stattfinden, weil starker Regen die geplante Veranstaltung auf dem Klosterplatz verhinderte.
Der Gottesdienst begann mit dem feierlichen Einzug der fünf Konzelebranten und Stadtpfarrer Stefan Maier mit der Heiligblutreliquie hinter dem Vortragekreuz und den Schweizer Gardisten. In seiner Begrüßung bedauerte Stadtpfarrer Maier, dass es wegen Corona auch in diesem Jahr keine Prozession gab. „Was uns in keiner Weise davon abhält, uns zu treffen, zusammen zu beten, das Wort Gottes zu hören und es zu bedenken und uns gemeinsam unter den Segen des Heiligen Blutes zu stellen.“
Das sei ja die Glaubensaussage, die im Bild des „Blutes Christi“ dadurch dass Jesus Christus sein Blut vergossen hat, dass er sich für uns geopfert hat, um unser Leben zu retten.„Im Motiv des „Blutes Christi“ scheint und die Liebe Gottes auf, erkennen wir dankbar, wie wichtig wir Gott sind, der in Christus für uns stirbt um uns zu retten und uns den Zugang zu sich zu eröffnen.“
In seiner Festpredigt zum Einstieg in die Festwoche blickte Pfarrer Stefan Maier 10 Jahre zurück, als der Benediktiner Abt Johannes Eckert von Andechs und St. Bonifaz in München Festprediger des Heilig-Blut-Festes 2011 war. Beeindruckt von den Minis und der Garde lud er diese nach Andechs ein. „Wir sind bereits das Jahr darauf nach Andechs gefahren, haben dort Abt Johannes (und Horst Seehofer) getroffen und haben – nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der Klosterkapelle eine Führung vom Abt selbst erhalten.“ Höhepunkt der Führung: die Schatzkammer mit der Reliquiensammlung der Grafen von Andechs, den Heiltumsschatz, der seit 800 Jahren Wallfahrer nach Andechs ziehe.
Anhand der Vorbilder im Sport erklärt der Abt in der Folge, dass auch wir Christen solche Vorbilder haben, den Minis die Bedeutung der Reliquien als Glaubenszeugen. Herzliche Lacher erntet Maier bei seiner Predigt, als er die Anekdote von der kuriosesten Reliquie des Schatzes erzählt, die aussieht wie ein Metallei auf einem Ständer. Abt Eckert: „Wisst ihr was da drin ist?“ Keine Antwort. „Da ist die ägyptische Finsternis drin, “ erzählt der Abt und erklärt kurz die zehn ägyptischen Plagen. Fragt einer der Minis: „Hast Du da schon mal reingeschaut?“ Darauf er: „Natürlich nicht – sonst wäre sie ja weg.“
„Reliquien erinnern uns und sind Hinterlassenschaften besonderer Menschen und Glaubenszeugen.“ Sie selbst seien nicht magisch, sondern verbänden uns innerlich mit großen Männern und Frauen der Kirche und verwiesen auf Jesus Christus selbst. „Unsere Kirche hat im Laufe der Zeit Reliquien nach deren Wichtigkeit und Strahlkraft in unterschiedliche Kategorien eingeteilt. Es gibt aber solche, die sprengen diese Ordnung. Zu diesen gehören solche, die vom Herrn selbst stammen, wie die Heilig-Blut-Reliquie, die wir hier in Bad Wurzach aufbewahren dürfen. Sie verweist ganz unmittelbar auf den Herrn – aber darüber hinaus: sie verweist in unerreichter Dichte auf seine Lebenshingabe um unsretwillen, auf die unermessliche Liebe Gottes zu uns Menschen und auf unsere Erlösung: aus Sünden und aus dem Tod.“
Wenn man in der Heilig-Blut-Reliquie mehr sehe, als eine kostbare und kunstvolle Goldschmiedearbeit, „wenn ich an ihr entlang eintreten kann in das Geheimnis und die Inhalte unseres Glaubens, dann sagt sie mir: Jesus stirbt um deinetwillen: so groß ist die Liebe Gottes zu dir, dass in ihm Gott für dich stirbt.
Diese Liebe, dieser Tod um meinetwillen, besiegt den Tod – und besiegt meinen Tod! Seine Auferstehung ist das Siegeszeichen. Das Leben und die Liebe hat gesiegt.“
Während die Ministranten und die Gläubigen die mitgebrachten Kerzen entzündeten sang die Gemeinde – angeführt von Vertretern des Kirchenchores – die ersten drei Strophen des Heilig-Blut-Liedes, jene beeindruckende Hymne des Glaubens an die Auferstehung.
Der Gottesdienst endete wie in jedem Jahr mit dem Segen durch die Heilig-Blut-Reliquie. Mit dem Verlassen des Gotteshauses wurden die Gläubigen auf dem Kirchenvorplatz zum äußeren Zeichen des vergossenen Blutes Christi von rotem Licht empfangen, in das der Kirchturm an diesem Abend getaucht wurde.
Bericht und Bilder Uli Gresser



















