Eggmansried-Haidgau - Mit zwei Gottesdiensten unter freiem Himmel in Eggmannsried und Haidgau durfte sich Pfarrer Paul Notz von zwei weiteren Gemeinden verabschieden, die er fast 10 Jahre innerhalb der Seelsorgeeinheit Bad Wurzach betreut hatte.
Des kleinen gelben Windrades, das der sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedende Pfarrer zur Verdeutlichung seiner Predigtworte mitgebracht hatte, hätte es gar nicht bedurft: Denn der Wind blies an diesem Dreifaltigkeitssonntagmorgen am Eggmannsrieder Kirchberg so kräftig, dass Pfarrer und Mesmer alle Hände voll zu tun hatten, den Gottesdienst in vernünftigen Bahnen ablaufen zu lassen.
Mit „Ein Haus voll Glorie schauet“ eröffnete die kleine Besetzung der Musikkapelle den letzten Gottesdienst als investitierter Gemeindepfarrer vor der Pfarrkirche St. Jakobus. Dennoch wird er noch weitere Gottesdienste dort feiern: etwa zum Begräbnis für die vor wenigen Tagen verstorbene langjährige Kirchenpflegerin Blanka Heine oder zur Feier der Erstkommunion wird Paul Notz noch einmal an seine alte Wirkungsstätte zurückkehren.
Im Vorgriff auf das Fronleichnamsfest hatten die Gemeindemitglieder den Altar mit einem Blumenteppich geschmückt und das große Pandemiekreuz der Ministranten, die sich alle an dem Gottesdienst beteiligten, sorgte für den entsprechend feierlichen Rahmen. Mesmer Franz Härle hatte für die Gemeinde bei der Verlosung der 12 Engel von Pfarrer Notz für Eggmannsried den Engel des Mutes gezogen.
In seiner Predigt – basierend auf den bekanntesten Versen des Matthäusevangeliums „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“ – definierte er, was die Menschen zu Jüngern Jesus macht. „Er hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen, staune darüber was in dir ist , ein neuer Geist , der dich von ganzem Herzen „Gott, Vater“ zu ihm sagen lässt.“
Dass der Engel des Mutes sehr gut zu Eggmannsried passt, verdeutlichte auch Felix Wild, der an Jahren noch junge Vorsitzende des Kirchengemeinderates, den Pfarrer Notz in sein Amt hineinwachsen sah, und der für ihn als junger Mann noch „dr Felix“ blieb. Mut haben aber auch die Entscheidungen des Kirchengemeinderates erfordert, etwa für die Jakobusstatue.
„Ich bin dankbar, dass ich bei guter Gesundheit in den Ruhestand treten kann.Die Kirche im Kloster war ein ganzes Jahr geschlossen, und die Schwestern dort freuen sich schon sehr auf ihren jungen Pfarrer,“ schmunzelte Paul Notz über sein zukünftiges Aufgabengebiet. Weil der Pfarrer „schon hier viel in Bewegung war“ bekam er zum Abschied einen Wanderstab überreicht, und für die Pausen ein Fotobuch als Erinnerung an seine St. Jakobus Gemeinde.
In einem größeren Rahmen, mit rund 130 Teilnehmern, feierte die St. Nikolaus Gemeinde in Haidgau auf der Festwiese beim Gemeindehaus den Abschied ihres Pfarrers: Blutreiter, Feuerwehr, Narrenzunft, Schützen-, Krieger- und Musikverein gaben mit ihren Fahnenabordnungen einen feierlichen Rahmen für die Verabschiedung, Bläser der Musikkapelle setzten die musikalischen Akzente, etwa mit dem wunderbaren „Von Guten Mächten wunderbar geborgen“ nachdem ihnen dies wegen der zu kleinen Kirche in den letzten Monaten verwehrt geblieben war.
Für Pfarrer Notz ist das Zusammenrücken und das Füreinander sorgen ein Zeichen des Guten. „Besonders die Leistung von Ärzten und Pflegekräften lässt mich staunen, wie sie füreinander und ihre Patienten zusammenstehen.“ „Engel sind Boten. Sie sind das Echo der Menschen und sagen da bin ich daheim,“ und so sei es kein Wunder, dass bei der Engelsverlosung die Haidgauer den Engel der Ausdauer gezogen hätten. „Ich danke Ihnen für ihre Ausdauer, Ihre Herzlichkeit. Das größte Geschenk aber waren sie selbst, mit denen ich viele gute Gespräche führen durfte.“ An die Jugendlichen – und deren Eltern – die kurz vor der Berufswahl stehen, meinte er : „Ein Beruf in der Kirche ist ein erfüllender Beruf.“
Carmen Aßfalg, die Vorsitzende des Kirchengemeinderates, dankte dem Pfarrer für seinen Einsatz bei der Außenrenovierung der Pfarrkirche und der Sanierung des Kindergartens. Gemeinsam mit dem Zunftmeister der Haidgauer Narren, Daniel Wassner übergab sie das gemeinsame Geschenk von Kirchengemeinderat und den Haidgauer vereinen: eine kunstvoll gestaltete Heiligenfigur des Kirchenpatrons. Wassner dankte dem Pfarrer für die schönen Motorradweihen und zahlreiche Narrenmessen.
„Nur sehr ungern lassen wir sie ziehen,“ sagte Ortsvorsteherin Ernestina Frick in ihrer Abschiedsrede. „Für Sie schließt sich nun der Kreis, wenn sie wieder in ihre Heimat Bonlanden zurückkehren.“ Aber sie wolle ihm die Dankbarkeit der Menschen in Haidgau zukommen lassen. Ob beim Taufbecken, Traualtar oder am Grab, für den Pfarrer sei immer das Verbindende im Vordergrund gestanden.
Als Geschenk der politischen Gemeinde überreichte sie einen geschnitzten Engel und einen Busch für den Garten seines neuen Heimes. Ebenfalls etwas Botanisches erhielt der scheidende Pfarrer von seinen Haidgauer Ministranten: Ein kleines Apfelbäumchen, geschmückt mit den Konterfeis der Ministranten als „erste Früchte.“
Das gelbe Spielzeug-Windrad, das Notz bei seinen Dreifaltigkeitspredigten zur bildlichen Unterstreichung genutzt hatte, bekam am Ende des Gottesdienstes der kleine Emil aus den Händen des Pfarrers überreicht. Er ist eines seiner 28 Kinder, die er während seiner Haidgauer Zeit in den letzten knapp 10 Jahren getauft hatte.
Bericht und Bilder Ulrich Gresser

