Bad Wurzach - Wer liegt denn da auf dem Bohlenpfad faul in der Sonne? Es ist die Mooreidechse, denn sie besiedelt gerne bodenfeuchte Lebensräume wie Moore und Feuchtgebiete und ist die häufigste Eidechsen-Art im Wurzacher Ried.
Eidechsen sind wärmeliebend und kommen im feucht-gemäßigten Klima Mitteleuropas deshalb nur eingeschränkt vor. Die Mooreidechse jedoch ist weniger kälteempfindlich als andere Arten und besiedelt neben Mooren auch Wälder und den Alpenraum. Sie wird dann Wald- bzw. Bergeidechse genannt. Bereits ab Februar verlassen die Mooreidechsen ihre Winterquartiere, um auf den Bohlenpfaden im Wurzacher Ried die ersten wärmenden Sonnenstrahlen einzufangen.
Sie sind auf Wärme von außen angewiesen, um ihren Körper auf Betriebstemperatur zu bringen. Noch sind sie relativ unbeweglich und können bei vorsichtiger Annäherung gut beobachtet werden. Dabei fällt ihr relativ kurzer Körper mit dem kleinen, rundlichen Kopf auf. Der Schwanz hingegen kann die doppelte Körperlänge einnehmen. Die Grundfarbe ist meist dunkelbraun bis schwarzbraun, manchmal mit bronzefarbenem Schimmer. Auf beiden Seiten der Rückenlinie befindet sich meistens ein heller, schmaler Streifen, der auch unterbrochen sein kann. Rücken und Flanken tragen kleine, schwarze und weiße Flecken, die nebeneinander liegen.
Als Anpassung an die kühlen Temperaturen ihrer Lebensräume weisen Mooreidechsen eine Besonderheit auf: In unseren Breiten legen sie, als einzige der heimischen Eidechsen, keine Eier, sondern bringen lebende Jungtiere zur Welt. Die befruchteten Eier werden im Körperinneren der Mutter ausgetragen. Die trächtigen Weibchen suchen deshalb aktiv geeignete Sonnplätze zum „Erbrüten" ihres Nachwuchses auf. Dies macht sie unabhängig vom Auffinden geeigneter Eiablageplätze. Bei der Geburt sind die meist drei bis zehn Jungtiere zunächst noch von einer weichen Eihaut umhüllt, aus der sie sich kurz nach der Geburt befreien.
Mooreidechsen sind Bodentiere, können aber auch gut klettern. Bei Gefahr flüchten sie rasch in deckungsreiche Vegetation und können sogar Wasserflächen durchschwimmen. Und packt doch einmal ein Beutegreifer zu, hat die Mooreidechse, wie alle Eidechsen, einen besonderen Trick: Sie kann aktiv ihren Schwanz an einer Art Sollbruchstelle abwerfen.
Als sich windender Wurm verwirrt er den Angreifer und verschafft der Eidechse Zeit zur Flucht. Der Schwanz wächst wieder ein Stückchen nach, der Wurm-Trick funktioniert jedoch nur ein Mal. Schauen Sie beim nächsten Sonnenspaziergang durchs Ried doch mal genau hin: Mooreidechsen mit einem auffallend kurzen, rundlichen Schwanz, haben ihrem Fressfeind schon mal ein Schnippchen geschlagen.
Presseinformation und Bildmaterial Naturschutzzentrum Wurzacher Ried

