Bad wurzach - So präsentieren sich allmählich die Hoch- und Übergangsmoore im Wurzacher Ried. Das Wollgras wiegt seine Köpfe im Frühjahrswind und verwandelt die Flächen in ein Meer aus weißen Wattebäuschen. Dabei sind es nicht die Blüten, sondern die Fruchtstände, die so auffällig hervortreten und die Blicke der Riedbesucher auf sich ziehen.
Das Scheidige Wollgras, oder auch Moor-Wollgras genannt, gehört zur Pflanzenfamilie der Sauergrasgewächse. Mehrere Pflanzen bilden oft große Horste, doch jede Pflanze trägt am Ende ihres Stängels nur einen Blütenkopf.
Das Scheidige Wollgras ist eine Charakterart der Hochmoore, also derjenigen Moore, die nur von Regenwasser gespeist werden und dadurch ganz besondere Eigenschaften aufweisen: Sie sind nährsalzarm, sauer und dauerhaft nass. Unter solchen Bedingungen können nur speziell angepasste Tiere und Pflanzen überleben. Das Scheidige Wollgras ist ein solcher Spezialist. Jedes Jahr bildet die Pflanze ein neues Wurzelstockwerk aus und wächst somit mit der umgebenden Vegetation in die Höhe.
Ein guter Trick, um nicht von den Torfmoosen überwachsen zu werden. Die Blüten des Wollgrases erscheinen bereits ab Februar und sind unscheinbar grün-gelblich. Nach dem Abblühen verlängern sich die Blütenkelche und bilden den charakteristischen weißen Wollschopf, der früher als Wundwatte oder zum Füllen von Kissen verwendet wurde. Wie bei der Pusteblume des Löwenzahns hängt an jedem Faden der abgetrockneten Blütenhülle ein kleiner Samen, der nur darauf wartet, mit dem nächsten Wind per Luftkurier fortgetragen zu werden.
So kann das Wollgras neue und auch weiter entfernte Flächen besiedeln. Es spielt daher bei der Renaturierung geschädigter Hochmoorflächen eine wichtige Rolle, da es diese rasch besiedeln kann. Die absterbenden Pflanzenteile sind zudem wichtige Torfbildner und tragen zum Aufbau neuer Torfschichten bei. Eindrucksvoll zeigt sich das Wollgras in den nächsten Wochen entlang des Torflehrpfades im Oberen Ried, wo die Schirmchenflieger weite, ehemalige Torfabbauflächen schmücken und auch schon fleißig Torf gebildet haben.
Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.
Naturschutzzentrum Wurzacher Ried Foto: NAZ

