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Bad Wurzach - Liebe Leserinnen und Leser, das heutige Tagesevangelium nach dem Liturgischen Kalender unserer Diözese, Joh 14, 27-31a, schließt sehr schön an unsere Betrachtung zur Haltung Marias und der der Maria Magdalena. Sie weist einmal mehr auf den Einfluss unterschiedlicher Blickwinkel auf ein Thema hin. Vielleicht mögen Sie zuerst die Textstelle in der Bibel lesen? https://www.die-bibel.de/bibelstelle/Joh%2014,27-31/

 

12impuls rosenthal

Steintafel mit Taube und Olivenzweig. Domitilla-Katakomben, Rom, Dnalor_01,   Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0.

 

Der hebräische Gruß „Shalom Aleichem“ lässt sich am besten mit „Friede sei mit Euch“ übersetzen. Die Antwort darauf wäre „Aleichem Shalom“, „Frieden mit Euch“. Der Friede, der in diesem Gruß gemeint ist betrifft Körper und Seele, also den ganzen Menschen. Man wünscht sich gegenseitig Gesundheit an Körper und Geist und bezieht auch die Lebensumstände mit ein. Dies ist der Hintergrund zum Evangelium, denn es schließt sich ja gleich die Frage an: Ist der Frieden, den Jesus seinen Jüngern wünscht gleichzusetzen mit der Bedeutung dessen, was wir heute unter Frieden verstehen? Frieden für uns heute bedeutet, nur um wenige Ausdeutungen zu nennen:
• nicht in einem Kriegsgebiet leben zu müssen.
• sich nicht zu streiten mit dem Ehepartner oder den Kindern.
• seine Ruhe haben.
• Ausgeglichenheit.

Wir merken schon: Frieden kann sehr vielfältig interpretiert werden. Daher ist es nicht unerheblich uns die unterschiedlichen Bedeutungen anzuschauen. Wir erkennen verschiedenen Erklärungen: Frieden
• ist ein „Zustand des inner- oder zwischenstaatlichen Zusammenlebens in Ruhe und Sicherheit“, zum anderen einen „Zustand der Eintracht und Ruhe“, außerdem, im religiösen Sinn, „die Geborgenheit in Gott (Duden, Rechtschrei-bung, 2016.
• ist ein Ziel der Verständigung zwischen Nationalstaaten, Religionen u/o Be-völkerungsgruppen.
• kann freiwillig sein, wenn Streitende Einzelpersonen, Gruppen oder Länder sich entschließen, auf Störung des Friedens zu verzichten. Sanktionen, z.B. im Völkerrecht vorgesehen, können Frieden aber auch erzwingen. Wie lange ein solcher Frieden hält, erleben wir tagtäglich.
• hat eine lange Entwicklungsgeschichte. Im „I Ging – Das Buch der Wandlun-gen“ wird Frieden als sich dauern verändernde Beziehungen zwischen den beiden Urprinzipien des Empfangens, des Weiblichen, der Erde, „Yin“ und des Schöpferischen, Männlichen des Himmels, „Yang“ verstanden. Das deutet schon stark darauf hin, dass „Frieden“ ein Prozess und nicht statisch ist.
• wurde selten als Normalzustand angesehen. Er musste „gestiftet“ werden. Der germanische Rechtsbegriff kennt hier die „Einfriedung“). In der griechischen Antike waren die Stadtstaaten immer in irgendwelche Händel verstrickt. Des-wegen kannte man das Wort Frieden in diesem Zusammenhang nicht - es war schlicht eine Zeit des Waffenstillstandes.
• in der jüdischen Begriffswelt hatte ich oben schon kurz angerissen. Schauen wir die Geschichte in und um das Zweistromland an, gab es hier meist ebenfalls nur Zeiten des Waffenstillstandes, bis sich die Machtgefüge wieder verschoben. Das geschah teilweise nach wenigen Jahren oder Jahrzenten.
• wird im Christentum durch Jesus Christus als Friedefürst (Jes 9,5 EU) schon im Alten Testament beschrieben und verheißen. Gottes Gerechtigkeit erschafft Frieden, der letztendlich alle Abwesenheit von Gott im eigenen Leben korri-giert. Dieser Friede kann für den Menschen Wirklichkeit werden, der sich selbst als an Gottes Geboten der Liebe reflektierenden Menschen sieht. Erkenne ich meine Fehler, kann ich vielleicht nicht alle korrigieren, aber Jesus Christus weist uns den Weg des Lebens. Ihm nachzufolgen bedeutet den Weg des Leides (Aufgeben eigener als falsch erkannter Positionen), des Todes (Selbstverleugnung und damit Annehmen neuer Sichtweisen) und der Aufer-stehung (den Weg der Liebe zu gehen). Hier wird wieder deutlich, dass Frieden nicht statisch ist, sondern eine Überzeugung, die sich in mir entwickelt und von mir hinaus in die Welt getragen wird. Als Beispiel sei Saulus, der Christenhasser, genannt. Er wandelte sich zum Paulus und trug seine Überzeugung durch seine Reisen in die damals bekannte Welt.
• in der islamischen Welt. Hier geht der Begriff auf die gleiche Sprachwurzel wie der hebräische Begriff zurück. „Salâm“ bedeutet Sicherheit, Unversehrtheit, Ganzheit oder auch Frieden. „Salima“ bedeutet u.a. sicher sein, heil sein, unterwerfen, sich miteinander versöhnen oder miteinander Frieden schließen. In der Umgangssprache finden wir auch die Grußformel as-salāmu ʿalaikum (dt. „Friede sei mit Euch“).

Nach diesen, sicher nicht vollständigen, Definitionen von Frieden wenden wir uns wieder den Haltungen Marias und Maria von Magdala zu. Wie entwickelt sich Friede in ihrem Leben?

Verlassen wir uns einmal mehr auf die biblischen Aussagen. Um eine Vorstellung zu erhalten, konzentrieren wir uns auf den Evangelisten Lukas und schauen uns einige Textstellen und damit mögliche Indizien an, wie sich das Gefühl, das Wissen um Frieden für die Damen entwickelt haben könnte. Ich versuche hier eine Übertragung biblischer Bilder in unsere Sprache und erlebe in den Aussagen zu Maria eine Entwicklung.

Jesus, Sohn Gottes, dass Licht der Welt, Jesus der Weg zum Frieden, findet in Maria Geburt. Dazu wird Maria vom Herrn ausgewählt und sie erfährt diese Gnade. Ein wenig überrascht ist Maria schon: „Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden (Lukas 1.30).“ (Gnade/Auswahl)

Nach einigen Fragen findet Maria ihre Position: Maria aber sprach zu dem Engel: „Wie kann das sein, da ich keinen Mann kenne (Lukas 1.34)?“ (Vertrauen gewinnen)

Maria übereignet sich dieser Aufgabe, gibt als Mutter von ihrem „Ich“ ab: „Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort! Und der Engel schied von ihr (Lukas 1.38).“ (Annahme)

Als junge Frau erhofft sie sich Rat und Unterstützung bei dieser Entscheidung: „Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und reiste eilends in das Gebirge, in eine Stadt in Juda (Lukas 1.39).“ (Sicherheit in der Entscheidung suchen)

Bei Elisabeth findet Maria die innerliche Bestätigung: „Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe; und Elisa-beth ward mit heiligem Geist erfüllt (Lukas 1.41).“ (Bestätigung für die Ent-scheidung finden)

In der Konsequenz kann sich Maria voll und ganz mit Jesus, ihrem Kind, identi-fizieren: „Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, Lukas 1.46 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate und kehrte wieder nach Hause zurück. (Lukas 1.56).“ (Identifikation, Lobpreis) Maria weiß, dass ihr Geheimnis der Welt offenbar werden wird: „Um sich schätzen zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war (Lukas 2.5).“ (sich der Welt offenbaren)

Mit der Geburt von Jesus wird die lange vorhergesagte Verheißung Wirklichkeit: „Und sie gingen eilends und fanden Maria und Joseph, dazu das Kindlein in der Krippe liegend (Lukas 2.16).“ (etwas sehr persönliches wird zum Fundament für die Welt)

Zeugnis von Außerhalb über die Umstände von Jesu Geburt werden an Maria herangetragen: „Maria aber behielt alle diese Worte und überlegte sie in ihrem Herzen (Lukas 2.19).“ (erste Reaktionen auf die Wirkung der Geburt Jesu in der Öffentlichkeit)

Mit dem Erstarken Jesu in der Welt offenbart sich seine Wirkmacht: Und etliche Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: „Maria, genannt Magdalena, von welcher sieben Teufel ausgefahren waren (Lukas 8.2).“ (Fundamentale Wirkung Jesu in der Öffentlichkeit)

Die Kraft aus der Jesus in der Welt handelt wird erklärt und so verbreitet: „Und diese hatte eine Schwester, welche Maria hieß, die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu (Lukas 10.39). Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden! (Lukas 10.42).“ (Lehre auf ein breites Fundament stellen)

Durch Überlieferung breitet sich die Lehre weiter aus: „Es waren aber Maria Magdalena und Johanna und Maria, des Jakobus Mutter; sie und die übrigen sagten dies den Aposteln (Lukas 24.10).“ (Verbreitung der Überzeugung: Jesus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6))

Die biblischen Bilder zeigen uns also einen Weg auf, der gerade heute genauso viel Wirkung wie damals entfacht. Es sind methodische Entwicklungsschritte, die zu einer Überzeugung führen. Für uns Christen ist Frieden etwas, dass sich aus kleinen Anfängen heraus in einen universalen Gedanken entwickelt. Voraussetzung dazu ist, den Liebesgeboten Jesus in unserem Herzen Raum zu schaffen, Sicherheit in diese Überzeugung zu gewinnen, sie zu leben und diese Überzeugung weiter zu geben – ohne allerdings die Basis, die Liebesgebote (Mk 12 29-31) Jesu zu verlassen: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“

Folgen wir Maria werden wir Frieden entsprechend unserer Lebenssituation erleben wie sie selbst. Uns ist nicht überliefert, wie sie auf die Auferstehung Jesu reagiert hat. Aber von Maria von Magdala wissen wir es. Ihre Haltung sich anrühren zu lassen und sich aufzurichten aus dem was sie hinderte Jesus zu sehen, schenkte ihr den inneren und äußeren Frieden. Gleichzeit kann sie wieder aktiv werden und diese gute Nachricht den Jüngern weitergeben: Leben!

Es gibt nicht den einen Frieden. Aber wir kennen den Weg dorthin. Was hatte Jesus seinen Jüngern gesagt: „Und wohin ich gehe - den Weg dorthin kennt ihr (Joh 14,4)!“

Folgen wir Maria und Maria Magdalena, dann entwickelt sich in uns eine Überzeugung von Frieden, den wir hier in der Welt leben. Dieser Friede, sein Friede führt uns in eine neue Welt. Ein klein wenig liegt es also auch an uns Menschen, Jesu Frieden zu gewinnen. In diesem Sinne: Shalom Aleichem!

 

Ihr Diakon Berndt Rosenthal, SE Bad Wurzach

 

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