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Arnach - An der Stelle wo einst die Brauerei stand und wo seit Mitte der 70er Jahre die Bankfiliale steht, kann in den nächsten Wochen das Modell der Adlerbrauerei besichtigt werden, das die drei Heimatforscher Gebhard Baumann, sein Neffe Stephan Baumann und Reinhold Bischofberger auf der Grundlage von alten Fotos im Maßstab 1:50 nachgebaut haben.

Gebhard Baumann erforscht seit langem die Geschichte seines Heimatortes Arnach. Mit seinem Neffen Stephan steht schon die nächste Generation in den Startlöchern, die sich für die Heimatgeschichte Arnachs interessiert. Als Gebhard Baumann im letzten Herbst bei der Durchsicht alter Fotos die Idee zu dem Modellbau bekam, war Neffe Stephan sofort Feuer und Flamme. Dritter im Bunde der Modellbauer, die bisher nach Schätzung von Gebhard Baumann insgesamt 150 Arbeitsstunden in das Projekt investiert haben, wurde Reinhold Bischofberger, dessen handwerkliches Geschick für die beiden „Baumänner“ Gold wert war und der auch eigene Ideen einbrachte.
Zu dem Modell stellt Gebhard Baumann auch einen geschichtlichen Abriss zum Bräuhaus aus. In einer Vitrine wird zusätzlich eine Original-Bierflasche der Adlerbrauerei ausgestellt.
1835 begann Gottlieb Müller, der Wirt des Adlers mit dem Bierbrauen, 1837 wurde ein erster Bräu- und Gärkeller in den Kirchberg gebaut. Seit 1849 wurde mit der Erteilung des Braurechtes dort regelmäßig Bier gebraut. 1874 zogen mit dem Bau eines neuen etwa dreieinhalbstöckigen Brauerei- und Mälzereigebäudes mit Dampfantrieb moderne Zeiten in Arnach ein. Dieses wurde 1897 bei einem Brand völlig zerstört, aber noch im selben Jahr wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. 1899 wurde ein Eiskeller mit Natureiskühlung angebaut, das Eis dazu wurde im Winter aus dem Weiher bei Zieglers gestochen. In den Hochzeiten der Brauerei, also etwa um das Jahr 1913, in dem die Brauerei etwa so aussah wie in dem Modell dargestellt, wurden etwa 6.500 Hektoliter Bier gebraut. Damals waren etwa 8-9 Arbeiter in der Brauerei beschäftigt, dessen Bier in 28-34 Wirtschaften in der Region ausgeschenkt wurde. Der Erste Weltkrieg forderte auch von der Brauerei seinen Tribut, es fehlte an Arbeitern und die wirtschaftlichen Grundlagen waren weggebrochen. Deshalb wurde1920 die Brauerei stillgelegt und das Gebäude 1936 zum Großteil abgerissen. Aus dem verbleibenden Rest wurde das „Haus Der Jugend“ in Arnach besser bekannt als das Hitlerheim, dessen letzte Stunde 2012 schlug. Mit ihm wurde damals die letzten Reste der Eiskeller abgerissen.

In ihren besten Zeiten war die Brauerei fast autark: 1910 bewirtschaftete der damalige Besitzer eine Fläche von 63 ha, hatte 42 Milchkühe und 9 Pferde. Der jetzige Dorfladen mit seiner ins Auge fallenden Architektur war der Rossstall, der 1912 nach einem Brand an dieser Stelle wiederaufgebaut worden war.

Mit viel Liebe zum Detail wurden die Brauereigebäude von den drei Modellbauern nachgebaut. Reinhold Bischofberger hatte die Idee zu den Fässern auf den Pferdewagen, ebenso den Bierkrügen auf den Biertischgarnituren vor dem Gebäude. Stephan Baumann und sein Onkel steuerten die Beleuchtung des Brauraumes bei. Dass sie keine der Dampfmaschinen, die früher ein beliebtes Spielzeug war, mehr auftreiben konnten, bedauern die drei: Dann hätte aus dem Kamin echter Wasserdampf anstelle des Wattebausches aufsteigen können.

Im Archiv des Rathauses fand Gebhard Baumann Unterlagen zur Brandschutzversicherung, aus denen viele interessante Details etwa die Maße des Gebäudes aber auch zur Ausstattung hervorgingen. So konnten die drei sich auch ein gutes Bild vom Innenleben der Gebäude machen.

 

Bericht und Bilder Uli Gresser

 

 

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halloRV

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