Bad Wurzach - Damit hat die Erschließung des Baugebietes in Anwesenheit von u.a. Bürgermeisterin Alexandra Scherer, VBAO-Vorstandssprecher Josef Hodrus, die erste große Hürde geschafft: Die Verlegung des Baches nach ökologischen Vorgaben.
„Wir bauen ein/en neues/n Ziegelbach“ meinte Hermann Müller Projektleiter und Chef der VBAO-Projektentwicklung halb im Scherz. „Jedes Erschließungsprojekt hat seine besondere Herausforderung. Im St. Leonhard haben wir von Anfang an die Bachverlegung als Gewinn für den Ziegelbach als solchen und das Baugebiet insgesamt als sinnvoll und nutzenstiftend erachtet.“
Zwar habe der einfache Bänker in ihm den geforderten Aufwand bei der Umsetzung seiner Idee hoffnungslos unterschätzt. „Ich habe jedoch im Laufe des Verfahrens an Klugheit über die Rechtslagen in Natur und Landschaft und an biologischem Wissen, was Wasserläufe angeht, fürs Leben dazu gelernt. Nicht zuletzt durch Michael Weyhmüller, Gutachter und Sachverständiger für die Gestaltung des Gewässers und Johann Rupp als Vertreter der Landrats- bzw. Wasserwirtschaftsamtes, denen er dafür seinen großen Dank aussprach. Markus Fimpel, Ansprechpartner beim Stadtbauamt für den Tiefbau, Julius Fassnacht und Ralf Quednau vertraten das gesamte Planungsteam bei dieser Feierstunde. Nicht fehlen durfte „mein weltbestes Bach- Tief- und Straßenbauteam von der STRABAG (Barz, Knittel und Oesterle mit Mannen)“ O-Ton Hermann Müller.
Ohne die Familie Reichle um Ortsvorsteher Alfons Reichle und den Gebrüdern Forderer und deren Bereitschaft Land dafür abzutreten wäre das Projekt Baugebiet St. Leonhard nicht zustande gekommen, dessen erste Planungen und Gespräche dazu bis ins Jahre 2012 zurückreichen.
Damals wurden im Dezember erste Grundstücksverhandlungen mit der Familie Reichle geführt, Anfang 2013 erwarb die Stadt 1,75 ha Bauerwartungsland entlang der Himbacher Straße, Dezember 2015 setzten sich der damalige Bürgermeister Roland Bürkle und Bankvorstand Stefan Scheffold zu Gesprächen über das gemeinsame Projekt zusammen. Am 30.12.2016 wird die VBAO-Projektentwicklung Eigentümerin von 15.500 qm angrenzend an die Oberziegelbacher Straße und im Juli 2017 wurde ein städtebaulicher Vertrag auf der Grundlage der Vorplanungen des Büro Sieber zwischen Stadt und Bank abgeschlossen. Die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Entwicklung des Bebauungsplanes wurde vom Gemeinderat auf den Weg gebracht und von Herrn Haufler durch alle Behörden geführt.
Bürgermeisterin Scherer betonte in ihrem Grußwort das große Entgegenkommen der Ziegelbacher. Manche Genehmigungen dauerten ihr in diesem Verfahren zu lange, da gäbe es sicher Optimierungsmöglichkeiten, zumal die Nachfrage nach Bauplätzen sehr hoch sei. Aber insgesamt hätten alle Seiten Verständnis für die Positionen der anderen gezeigt.
Bankchef Josef Hodrus, der das Projekt seit 2017 begleitet, hatte bei Hermann Müller immer ein gutes Gefühl gehabt: „Er ist immer unterwegs und denkt weit voraus.“ Der Bank sei es immer ein Anliegen, den jungen Menschen im Ort die Möglichkeit zu Bauen zu geben. Ein große Aufgabe wie aktuelle Zahlen belegen: „Die Baukosten sind in den letzten 10 Jahren um 70% gestiegen, die Mieten um 54%!“
1633 qm der erworbenen 34.935 qm werden als Baulandflächen entwickelt. Knapp ein Drittel der Fläche wird neben Straßen und Infrastruktur also für die Bachverlegung und weitere ökologische Maßnahmen verwendet. Denn Bank und Stadt sehen für die Häuslebauer in den Maßnahmen einen großen Mehrwert. Es werden 36 Bauplätze mit 4 verschiedenen Nutzungsschablonen entstehen.
16 Grundstücke werden von der Stadt und 20 Grundstücke der VBAO-PE vermarktet werden. Alle Bauplätze werden Südwest-Ausrichtung haben und voll erschlossen angeboten.
Der Satzungsbeschluss erfolgte im Gemeinderat am 21.09.2020. Am 21.11.2020 wurden die von Frau Buttler im Parallelverfahren ausgearbeiteten Erschließungsverträge von Frau Bürgermeisterin Scherer und den Herren Rude, Kunz und Frech auf Verwaltungsseite und vom Geschäftsführer der VBAO-PE, Josef Hodrus, unterzeichnet. Nach dem abgeschlossenem Bieterverfahren wurde der STRABAG in Abstimmung mit dem Bauamt der Auftrag für die Erschließungsarbeiten erteilt, die nach Vorlage der behördlichen Zustimmungen im Februar mit den Erschließungsarbeiten beginnen konnte.
Die nächsten Schritte werden sein: Zusammenlegen der Flurstücke, Vermessung und Vermarkung der Baugrundstücke, Kostenkalkulation und Abstimmung der Bauplatzpreise, Festsetzung eines ersten Verkaufsabschnittes und der Vergabekriterien. Die öffentliche Ausschreibung des Bewerbungsverfahrens wird auf der Homepage der Stadt und im Amtsblatt erfolgen.
In gelöster Stimmung durften dann an diesem 15. April Josef Hodrus, Alexandra Scherer, Benno Forderer, Ortsvorsteher Alfons Reichle und Alfred Reichle zum symbolischen Spatenstich antreten, ehe der große Bagger innerhalb wenige Minuten den Weg des Ziegelbaches in sein neues Bett freischaufelte und dem alten Bachbett das Wasser abgrub. Damit ist eine Hochwassergefahrenquelle für den Ortskern von Ziegelbach beseitigt. Denn laut Markus Fimpel konnte der Bach bisher, wenn er über die Ufer trat, nur auf der Oberziegelbacher Straße in Richtung Ortskern ausweichen, wegen deren seitlichem Gefälle gab es für das Wasser aber keinen Weg zurück.
Zwei Tage zuvor war mit dem Einbau der Brücken- bzw. Unterführungskonstruktion über die zukünftig das Baugebiet erschlossen und an den Ortskern angebunden wird die Grundlage für die Flutung des Bachbettes gelegt worden.
Bericht und Bilder Uli Gresser

