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Bad Wurzach - „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen, gib mir den Mut zum ersten Schritt. Lass mich auf deine Brücken trauen, und wenn ich gehe, geh du mit.“

Mit dieser Strophe beginnt im Evangelischen Gesangbuch das gleichnamige Lied Nr. 649 (Text von Kurt Rommel, Melodie von Paul Bischoff). Wenn Kinder an einem Bach spielen, so kommt bei ihnen meistens schnell die Idee auf, eine Brücke zu bauen. Mit Eifer wird überlegt, was man benutzen könnte, um auf die andere Seite zu gelangen. Vielleicht erinnern sie sich auch an solche Experimente aus ihrer Kindheit?!

Oder haben Sie schon mal eine „Leonardo-Brücke“ gebaut? Das ist ein absolut faszinierendes Experiment, das uns aus den Notizbüchern Leonardo da Vincis bekannt ist, der nicht nur ein berühmter Maler und Bildhauer war, sondern auch Architekt, Mechaniker, Ingenieur, Erfinder, Mathematiker…gewesen ist! Mit 9 oder 12 Holzbalken (als Modell eignen sich sehr gut Eisstiele!) kann man allein durch geschicktes Zusammenstecken eine stabile Brücke bauen.

Wenn man sieht, welch geniale Brückenkonstruktionen schon von den Römern gebaut worden sind, kann man nur staunen. 1851 wurde im Vogtland die Göltzschtalbrücke in Betrieb genommen. Sie ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Der Viadukt mit 29 Bögen gilt als Wahrzeichen des Vogtlands und überspannt zweigleisig auf der Bahnstrecke Leipzig–Hof das Tal der Göltzsch zwischen den Orten Mylau und Netzschkau. Es scheint also doch ein tiefes, inneres Bedürfnis der Menschen zu sein, Trennendes und gar Abgründe zu überwinden.

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Im zwischenmenschlichen Bereich tun wir uns da deutlich schwerer. Es ist nicht leicht, nach einem Streit, nach langem Schweigen, nach tiefen Verletzungen den ersten Schritt zur Versöhnung zu gehen. Hände zu reichen statt Fäuste zu ballen, so heißt es in der dritten Strophe des anfangs genannten Liedes – möchten wir das? Und wenn ja, tun wir das? „Ob Friede wird, liegt auch an mir.“, können wir in der vierten Strophe nachlesen und singen. Ich erinnere mich gut an Situationen aus meiner Kindheit, in denen meine Mutter es konsequent von uns Kindern eingefordert hat, dass wir uns entschuldigen, wenn es Streit gegeben hatte.

Und das ist mir immer sehr schwer gefallen; ich brauchte wirklich viel Mut, diesen ersten Schritt zu gehen. Aber ich habe es gelernt und bin heute sehr dankbar dafür. Vielleicht kann Sie dieser Impuls ermutigen, dass Sie einen ersten Schritt auf andere zugehen!? Wir müssen diese Brücken ja nicht alleine bauen, sondern dürfen uns getrost darauf verlassen, dass Gott uns den Rücken stärken kann – so steht es im Lied am Ende der ersten Strophe: „Lass mich auf deine Brücken trauen, und wenn ich gehe, geh du mit.“

 

Astrid Greshake, Prädikantin

 

 

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halloRV

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