Bad Wurzach - Susanne Baur, Kopf und „Spiritus Rector“ von Herz und Gemüt und Schulsozialarbeiter Edmund Butscher arbeiten schon seit vielen Jahren Hand in Hand, um soziale Kontakte zwischen Schülern und Senioren her zu stellen. Ihr neuestes gemeinsames Projekt sind Brieffreundschaften zwischen Schülern der Werkrealschule und den durch die Pandemiemaßnahmen vielfach isolierten Senioren.
Weil Schüler der Werkrealschule sich nicht mehr für Hilfsdienste und ähnliches nicht mehr mit Senioren treffen können haben die Beiden sich seit Oktober Gedanken zu Alternativen gemacht und sind aufs Briefe schreiben gekommen. Die beiden Initiatoren haben das Projekt in einer Videobotschaft vorgestellt und eine sehr positive Resonanz erhalten.
Seit Weihnachten schreiben sich 26 Schüler und Schülerinnen der Klassenstufen 8 und 9 jeweils einmal im Monat mit einem älteren Menschen einen Brief. Auch zwei Sechstklässlerinnen machen mit. Ein Mädchen unterhält mit einem behinderten Mädchen eine Brieffreundschaft.
„Dies geschieht anonym, d.h. beide kenne nur den Vornamen des jeweiligen Briefpartners“, erzählt Susanne Baur beim Pressegespräch. „Etwa so: Elisabeth schreibt an Annalena und umgekehrt“. Die Briefe werden von Butscher und Baur jeweils vor Ort gesammelt und dem anderen zur Verteilung übergeben. „Die Schülerinnen und Schüler erhielten vorher eine Anleitung, was in so einen Brief alles hineingeschrieben werden sollte: Eine Vorstellung seiner Person, erzählen welchen Hobbies man nachgeht u.ä.,“ erläutert Butscher die Vorbereitungen an der Schule.
Jeweils einer der Senioren und eine Schülerin berichten bei dem Gespräch von ihren Erfahrungen. „Auch für mich war es wieder eine besondere Erfahrung, einen kompletten Brief von Hand zu schreiben, weil im Alltag schreibt man doch meist mit dem Computer, “ sagt der Senior. Er berichtet auch, wie schnell doch durch den ersten Brief eine enge Verbundenheit zu dem jungen Mädchen entstanden ist. Schnell sei man aufeinander eingegangen und habe Fragen gestellt, er freue sich schon auf den dritten Brief.
„Ich höre gerne älteren Menschen beim Erzählen zu“, sagt die Schülerin, deswegen war es für sie selbstverständlich, dabei mit zu machen. Auch wenn es anstrengend und ungewohnt war: „Nach einer halben Stunde hat mir vom Schreiben die Hand wehgetan.“ Aber sie habe dabei viel Spaß gehabt. Schnell hätten sich gemeinsame Interessen, wie Spaziergänge im Wald herauskristallisiert. Hobbies und Familie seien Themen über die sie sich mit ihrer Brieffreundin austausche.
Edmund Butscher betont den hohen Stellenwert dieser und früherer Projekte. „Die Schüler bekommen die Sorgen anderer Menschen außerhalb der Schule mit, lernen soziales Verhalten, Zuverlässigkeit, Höflichkeit. Es gibt an der Schule ein soziales Curriculum, wir haben es mit Leben erfüllt“, sagt er durchaus nicht ohne berechtigten Stolz.
Zurecht, denn er und Susanne Baur erhalten oft positive Rückmeldungen, was das Zertifikat, das die Schüler dafür erhalten, immer bei der Schulentlassfeier im feierlichen Rahmen übergeben wird, bei ihnen bewirkt. Die Eine erhält wegen dieses Engagements eine Stelle, der Andere ergreift sogar einen Beruf im sozialen Bereich. Einzige unmittelbare Belohnung für dieses Engagement ist im Normalfall ein gemeinsamer Ausflug oder ein Fest, denn die Schüler opfern für ihr soziales Engagement ihre Freizeit. „Die Schulleitungen sind aber immer sehr entgegenkommend und großzügig.“
Sowohl Susanne Baur als auch Edmund Butscher hoffen, dass in diesem Jahr wieder ein Zusammentreffen stattfinden kann, denn für alle – SchülerInnen und SeniorInnen – ist die Spannung natürlich besonders groß....
Bericht und Bild: Ulrich Gresser

