Bad Wurzach - Man muss nur brav ins Horn des Zeitgeistes blasen, dann werden einem auch die dreistesten Täuschungen verziehen. Der große deutsche Gaslieferant Thüga brüstet sich gerade allen Ernstes damit, "ab sofort klimaneutral" zu "wirtschaften"! Haarklein rechnet der fossile Energieversorger dabei vor, in Verwaltung und Vertrieb sagenhafte 300t (wohl) jährliche Kohlendioxid-Emissionen identifiziert, optimiert und CO2-kompensiert zu haben.
Kein Wort darüber, dass man den eigentlichen CO2-Beitrag des Geschäftsmodells des Unternehmens z.B. in den 2019 verkauften 118,8 Mrd KWh Gas sehen muss. Da jede als Gebäudewärme verbrannte KWh Gas mit 200g CO2 zu Buche schlägt, entstanden so 23,76 Millionen t tatsächliches Thüga-CO2, was dem fast 80.000fachen der oben deklarierten, angeblich unschädlich gemachten, Menge entspricht. Das ist in etwa so, wie wenn ich behaupte ein Essen in Bioqualität zu kochen, weil ich es mit Biosalz gewürzt habe! Oder wenn der Waffenlieferant sagt, mit dem Krieg nichts zu tun zu haben, für den er schließlich nur die Munition liefere. Der neudeutsche Begriff für diese Form des Marketing ist übrigens Greenwashing.
Leider ist diese Geschichte kein Einzelfall und eher symptomatisch für die Energiewendepolitik, wie wir sie in den letzten 20 Jahren kennen. Hat nicht 2004 der damalige grüne Umweltminister Jürgen Trittin verkündet, die Energiewende wäre zum Preis von einer Kugel Eis monatlich zu bekommen?! Die Realität sieht schon beim Strom, wo wir trotzdem immer noch 400g CO2 pro KWh emittieren, also noch weit vom erklärten Ziel entfernt sind, ganz anders aus. Im Verkehrs- und Gebäudesektor wird sie noch viel bitterer, weil teurer, sein.
Würden Politik und Wirtschaft in der Energie- und CO2-Frage näher an harten Fakten argumentieren, bekämen wir endlich die notwendigen öffentlichen Diskussionen und ein Bewusstsein, was man dem Bürger damit tatsächlich abverlangen will. Er würde dann mit Sicherheit vielfach andere Wahlentscheidungen treffen. Übrigens muss in diesen Minuten (11.02. / 17:50 Uhr) Erdgas auch für die Erzeugung von 25,5% unseres Stroms herhalten, weil sämtliche 30.000 deutschen Windräder im Meer und an Land, sowie die Solaranlagen, gerade einmal 11,3% unseres Stroms herstellen können! Und das ist kein Einzelfall!
Friedrich-Thorsten Müller
Bürgerinitiative Landschaftsschützer Oberschwaben/Allgäu e.V.
Bad Wurzach
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