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Bad Wurzach - Noch immer hat der Winter die Natur im Wurzacher Ried fest im Griff. Da scheint es kaum die richtige Jahreszeit zu sein, um über Libellen zu berichten. Oder etwa doch?

Libellen verbinden wir gewöhnlich mit Sommer und Sonne, wenn sie uns an nahezu jedem Gewässer mit ihrer Farbenpracht und Flugakrobatik bezaubern. Doch spätestens bei den ersten Frösten sterben die letzten Flugtiere. Zurück bleiben die Eier oder Larven, die die kalte Jahreszeit in Gewässern überdauern und ab dem nächsten Frühjahr eine neue fliegende Generation hervorbringen. Doch es gibt eine Ausnahme, die Winterlibellen. Ihr Name ist Programm: Als einzige unter den europäischen Libellen überwintern bei dieser Familie die erwachsenen Flugtiere. In Europa und auch im Wurzacher Ried kommen zwei Arten vor: Die Gemeine Winterlibelle und die Sibirische Winterlibelle, die nur an kleinen Details der Brustzeichnung zu unterscheiden sind.

Es sind schlanke Tiere mit hellbrauner Grundfarbe und dunkelbraunen, kupfern schimmernden Mustern auf der Oberseite. Mit dieser Färbung sind sie auf dürren oder abgestorbenen Pflanzenteilen perfekt getarnt und kaum zu erkennen, wenn sie in ihren Überwinterungsquartieren den kalten Temperaturen trotzen. An Frosttagen können sich an ihren Körpern sogar Eiskristalle bilden und gelegentlich lassen sich die Winterlibellen auch einschneien. Laut Literatur können sie dabei Temperaturen bis minus 17 °C überstehen – unsereins kommt da selbst in dickster Winterjacke schnell an seine Grenzen. In milden Winterphasen werden die Tiere zeitweise aktiv und fliegen, jagen und fressen. Im Frühjahr erscheinen Winterlibellen dann als erste Libellen an den Brutgewässern, wo sie sich paaren und Eier ablegen. Aus den Larven schlüpfen dann nach nur 2 bis 3 Monaten die neuen Flugtiere, die sich erst im folgenden Jahr fortpflanzen. Die Überwinterer sterben im Juni oder Juli im Alter von ca. 12 Monaten. Damit haben sie die längste Lebensspanne erwachsener Libellen in Europa. Es spricht für das Wurzacher Ried, dass diese besonderen Geschöpfe mit ihrer faszinierenden Lebensweise hier beheimatet sind, auch wenn sie nur schwer zu entdecken sind. Aber eines ist sicher: Wenn Sie auf ihrem winterlichen Riedspaziergang eine Libelle fliegen sehen, ist es gewiss eine Winterlibelle.

 

Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.

 

Pressemitteilung des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried

 

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halloRV

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