Bad Wurzach - Es ist ruhig geworden im Wurzacher Ried. Die Natur befindet sich im Winterschlaf. Doch nicht alle Tiere schlafen oder harren starr vor Kälte in ihren Winterquartieren aus. Mit etwas Glück kann man bei einem Winterspaziergang durchs Ried ein Eichhörnchen von Ast zu Ast springen sehen.
Mit ihren kräftigen Beinen und scharfen Krallen können sich die waghalsigen Springer gut an Ästen festhalten und sogar kopfüber einen Baumstamm hinunterklettern. Der buschige Schwanz, der fast körperlang ist, dient dabei als Steuer und hilft beim Balancieren. Die meiste Zeit eines Wintertages ruhen Eichhörnchen in ihrem kugelförmigen Nest, dem Kobel, hoch oben in den Bäumen. Sie sind jedoch fast täglich wenige Stunden aktiv, in denen sie sich emsig auf Nahrungssuche begeben.
Ihre Hauptnahrung in der kalten Jahreszeit sind die in Zapfen verpackten Samen von Nadelbäumen, die den ganzen Winter über von den Eichhörnchen geerntet werden. Zahlreiche Schuppen und abgenagte Zapfenspindeln am Waldboden verraten dem aufmerksamen Beobachter die Nahrungsplätze. Doch nicht immer reicht das Samenangebot den ganzen Winter. Dann suchen die Eichhörnchen ihre Nahrungsverstecke auf, die insbesondere mit Hasel- und Walnüssen bestückt sind. Es ist eine wahre Meisterleistung, die vielen verstreut liegenden Depots wieder zu finden, teilweise unter einer dichten Schneedecke. Bestimmte Bereiche im Gehirn des Eichhörnchens sind dafür besonders stark ausgeprägt, und auch der Geruchssinn scheint eine Rolle zu spielen.
Zum Knacken der harten Nussschalen nagen die Eichhörnchen mit ihren scharfen Schneidezähnen zunächst eine Kerbe in die Nuss. Dann klemmen sie die Schneidezähne in die Öffnung, spreizen diese mit Hilfe spezieller Muskeln auseinander und sprengen so die Schale. Und bleibt doch einmal ein Versteck unentdeckt, ist dies die Chance für die Samen, sich zu einem neuen Baum oder Strauch zu entwickeln. Eichhörnchen sind dadurch wahre Naturverjünger.
Übrigens: Egel ob rotbraun oder schwarzbraun – bei beiden Farbvarianten handelt es sich um unsere einheimische Eichhörnchen-Art. Das Gerücht, die schwarzen Eichhörnchen sind eingewandert und verdrängen die heimischen Rotbraunen, hält sich hartnäckig. Hier liegt eine Verwechslung mit den aus Nordamerika stammenden Grauhörnchen vor, die im 19. Jahrhundert in Großbritannien ausgesetzt wurden und sich seither zunehmend in Europa etablieren und auf Kosten des Eichhörnchens ausbreiten. Aktuell gibt es jedoch keine Hinweise, dass Grauhörnchen in Deutschland bereits freilebend vorkommen. Ob Ihnen also rote oder schwarze Kobolde im Ried begegnen, Sie können sich an beiden erfreuen.
Das Naturschutzzentrum präsentiert unter der Rubrik „Moor-Momente“ regelmäßig Spannendes und Unterhaltsames aus der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt des Wurzacher Rieds. Dabei werden Arten vorgestellt, die die Besucher aktuell im Ried antreffen können.
Pressemitteilung des Naturschutzzentrums Wurzacher Ried

